Natur & Landschaft

Inhalt


Natur- und Landschaftsschutz

Reuss EggenwilDie Gemeinde Eggenwil setzt sich in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton, der Pro Natura Aargau, der Stiftung Reusstal, dem örtlichen Natur- und Vogelschutzverein und weiteren Partnern aktiv und aus Überzeugung für den Natur- und Landschaftsschutz ein. Denn die Schönheit, Eigenart und Naturnähe sowie die Vernetzung der Landschaft stellen elementare Faktoren der Lebensqualität dar.

Im Vordergrund stehen Massnahmen nach dem für die gesamte kommunale Aufgabenerfüllung geltenden Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung, um

  • die auf Eggenwiler Boden einheimischen Pflanzen- und Tierarten zu erhalten, ihre Lebensräume zu bewahren, zu fördern und wo sinnvoll und möglich neu zu schaffen;
  • den natürlichen Landschaftshaushalt und den ökologischen Ausgleich zu ermöglichen, wobei lokale Begebenheiten und die Interessen der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung berücksichtigt werden;
  • Nutzungen des Bodens zu unterstützen, die geeignet sind, gefährdete Lebensräume von Tieren und Pflanzen zu erhalten;
  • naturnahe Landschaften, insbesondere die Eggenwiler Reussebene, vor neuen Beeinträchtigungen zu schützen und bestehende zu vermindern;
  • die landschaftlich und biologisch bedeutenden Auengebiete Foort und Alte Reuss zu erhalten;
  • die Fliessgewässer auf dem Gemeindegebiet so zu bewirtschaften, dass soweit wie möglich Hochwasser zurückgehalten, der schadlose Wasserabfluss gewährleistet und der Entstehung von Hochwasserschäden vorgebeugt wird;
  • nicht zuletzt den überdurchschnittlich hohen Wert der Eggenwiler Landschaft als Aufenthalts- und Erholungsraum für den Menschen zu bewahren und zu fördern.


Schutzzonen, Schutzobjekte

MagerwieseIn der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Gemeinde Eggenwil mit den zugehörigen Bauzonen- und Kulturlandplänen, beschlossen von der Gemeindeversammlung am 18. Juni 2004, genehmigt vom Grossen Rat des Kantons Aargau am 11. Januar 2005, wurden auch Schutzzonen (Naturschutzzonen im Kulturland und im Wald), überlagerte Schutzzonen (Landschaftsschutzzonen), Schutzobjekte (Naturobjekte wie Hecken, geschützte Waldränder oder Weiher, aber auch Kulturobjekte bzw. Gebäude mit Substanz- oder Volumenschutz) ausgeschieden und deren Schutzziele, Pflegemassnahmen und Nutzungseinschränkungen geregelt. Einige der wichtigsten Schutzzonen und -objekte stellen wir Ihnen nachstehend vor.


Schutzgebiet Foort als Teil des Auenschutzparks

Auenschutzpark Kanton AargauAls direkt an die Reuss grenzendes Dorf misst der Gemeinderat dem Auenschutz eine besondere Bedeutung zu. So hat er denn auch den Kanton und die Pro Natura bei der Realisierung der Naturschutzprojekte in den Gebieten Foort, Alte Reuss und Rägelrai stets unterstützt und die erforderlichen Massnahmen im Rahmen der Nutzungsplanung Kulturland getroffen.

Schutzgebiete in der Reussebene - Auszug aus dem Kulturlandplan der Gemeinde EggenwilDabei hat die Erfahrung gezeigt, dass solche Projekte dann erfolgreich realisiert und weiterentwickelt werden können, wenn alle Beteiligten (Grundeigentümer, kantonale und kommunale Behörden und Kommissionen, Naturschutzorganisationen, Land- und Forstwirtschaft, Interessenvertreter der Bereiche Jagd, Fischerei, Freizeit, Anwohnerschaft) in einer offenen, kritischen und konstruktiven Haltung zusammenarbeiten, dadurch möglichst viele der unterschiedlichen Bedürfnisse an unseren Lebensraum aufeinander abgestimmt werden und die Projekte schliesslich von der breiten Bevölkerung getragen werden.

Letzter Durchstich und Abschluss der Initialmassnahmen bei der Auenrenaturierung Foort Eggenwil am 19. März 2005, Bild: Gemeindeammann Thomas Endres (links) und Regierungsrat Peter BeyelerEin herausragendes Beispiel dafür stellt das Naturschutzgebiet Foort dar. Von dieser Renaturierung profitieren alle – die Natur gewinnt seither mehr und mehr an Freiheit und der Mensch darf sich an der schönen, wilden Landschaft und ihren Bewohnern freuen. Es erfüllt die Gemeinde mit Freude und Stolz, auf ihrem Gebiet einen Teil des Auenschutzparks Aargau zu wissen.

Einweihung Infotafel Ende Oktober 2012: (von links) Dr. Thomas Egloff, kant. Sektion Natur + Landschaft, Thomas Endres, Gemeindeammann, Dr. Johannes Jenny, Geschäftsführer Pro Natura Aargau, Sarah Kreuzer, creaNatira, und Wolfgang Bischoff, Projektleiter Schutzgebiete der Pro Natura. Bild: BBA/vbBesonders sind wir der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer, Sektion Natur und Landschaft, sowie der Pro Natura Aargau, die heute insgesamt vier Schutzgebiete in Eggenwil betreut, dankbar für die jahrelange partnerschaftliche und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Auengebiet Foort Eggenwil (Luftaufnahme vom 02.05.2005)

Das Gebiet Foort in der Eggenwiler Reussschlaufe wurde Ende 2003 bis Frühling 2005 von der Pro Natura renaturiert. Die zum Auenschutzpark Aargau gehörenden Lebensräume (Auenwald, Pioniergewässer, Seitenarme, Kiesbänke) umfassen eine Fläche von insgesamt 95'000 m² (was der Grösse von 13 Fussballfeldern entspricht) und geniessen den Schutzstatus «Naturschutzzone gemäss Reussuferschutzdekret».

Das Naturschutzgebiet befindet sich an einem Gleithang der Reuss. Seit der Entfernung der Uferverbauung auf einer Strecke von 750 m und dem Aushub von zwei Seitenarmen mit je einer Länge von rund 500 m entfaltet sich dort wieder eine dynamische Aue. Hochwasser spülen nicht nur Material an den Ufern weg, sondern lagern auch Sedimente in der Aue ab. In den Randbereichen des Gebiets befinden sich Tümpel für Amphibien, von wo aus sich die Tiere wieder in den Gewässern der Aue ansiedeln können.

01 Auengebiet Foort Eggenwil 02 Auengebiet Foort Eggenwil 03 Auengebiet Foort Eggenwil
04 Auengebiet Foort Eggenwil 05 Auengebiet Foort Eggenwil


In den Seitenarmen finden sich verschiedene Strukturen der Flussaue: Prall- und Gleithang, Wurzeln von Bäumen als Unterschlupf für Fische, Totholz als Lebensraum und strukturierendes Element. Die Seitenarme können teilweise austrocknen, Kies- und Sandbänke tauchen auf und es bilden sich Tümpel. Mittlerweile sind im Schutzgebiet eine Vielzahl von biologischen Besonderheiten zu beobachten: Schwarzpappel, Schwertlilie, Eisvogel, Pirol, Bachneunauge, Biber. Wahrlich eine natürliche Schönheit!

Vom Mai 2014 bis März 2015 erzählte das Naturama Aargau im Rahmen der Sonderausstellung «Auen – Die wilden Seiten des Aargaus – 20 Jahre Auenschutzpark» die spannende Geschichte der letzten 20 und 200 Jahre über das Auenland Aargau. Ein vielfältiges Rahmenprogramm zur Ausstellung mit der Aktion «Aue des Monats» lud die Bevölkerung in den Auenschutzpark ein. Und die Naturama-Schulkampagne «Mit allen Wassern gewaschen» verlegte das Klassenzimmer gar in die Auen.

Besucher sind herzlich willkommen

Infotafel Pro Natura - Übersichtsplan Schutzgebiet Foort EggenwilFür Besucher besteht entlang der Seitenarme ein Wanderweg, der auch Teil des Freiämterweges ist. In der Mitte des Gebiets, zwischen den beiden Inseln, liegt ein Picknickplatz mit Feuerstelle und Badestrand. Über die Seitenarme erstrecken sich einfache Übergänge aus Steinen oder Baumstämmen auf die Inseln.

Biotop im Schutzgebiet Foort EggenwilHunde sind im gesamten Schutzgebiet an die Leine zu nehmen.
Es besteht ein allgemeines Fahrverbot; einige wenige Fahrzeuge können beim Parkplatz bei der Abwasserpumpstation abgestellt werden. Empfohlen wird die Anreise mit den SBB bzw. der BDWM nach Bremgarten oder Baden und von dort aus mit dem Postauto bis zur Haltestelle «Dorfplatz» in Eggenwil.

Weitere Informationen zum Schutzgebiet Foort und zum gesamten Auenschutzpark Aargau finden Sie in den nachstehenden Internetseiten und Dokumenten:

Pro Natura Aargau
Kantonale Abteilung Landschaft und Gewässer
Naturama Aargau
expedio.ch – Bildungsangebot des Naturama für Aargauer Schulen 
Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)
Übersicht Realisierung Naturschutzgebiete Reussebene Eggenwil 1991-2005, GR Eggenwil
Flyer Auenschutzpark Unteres Reusstal der kant. Abt. Landschaft + Gewässer, 2003
Bericht GK vom 23.03.2005 über den "Dammbruch für mehr Natur am 19.03.2005"
Projektbeschrieb Auenrenaturierung Foort von Projektleiter Christoph Flory, 2006
Artikel Aargauer Zeitung vom 11.09.2006 über die Auenrenaturierung Foort
Beschrieb Naturschutzgebiet Foort der Pro Natura, 2009
Sendung Schweizer Radio DRS über das Naturschutzgebiet Foort, 2010
Infotafel Pro Natura zum Naturschutzgebiet Foort, 2012
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger vom 26.10.2012 über die Einweihung der Info-Tafel


Schutzgebiet Alte Reuss

Dieser Auenwaldstreifen befindet sich am Altlauf «Alte Reuss» im Grenzbereich zwischen Eggenwil und Künten-Sulz, wobei der obere Teil des 21'230 m² umfassenden Naturschutzgebietes im steil abfallenden Bereich des ehemaligen Prallhanges liegt. Die Lebensräume (Fromentalwiese, Auenwald) geniessen den Schutzstatus «Auengebiet von nationaler Bedeutung, Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung».

Die Hartholzaue entlang des früheren Reussufers besteht aus einem Ulmen-Eschen-Traubenkirschenwald mit immergrünen Winterschachtelhalmen. Das Schutzgebiet bietet einen hervorragenden Lebensraum für die Ringelnatter und den Biber. Weitere Informationen zu diesem Schutzgebiet finden Sie auf der Homepage der Pro Natura Aargau.

Hier hat der Biber ganze Arbeit geleistet Schutzgebiet Alte Reuss Schutzgebiet Alte Reuss


Schutzgebiet Rägelrai

Das Naturschutzgebiet Rägelrai umfasst eine Fläche von 43'600 m². Die Lebensräume mit Pioniergewässer, Hangried, Magerwiese, Acker, Nieder- und Hochhecke und Wald geniessen den Schutzstatus «Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung, Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung».

Der untere Teil des Naturschutzgebiets ist ein ehemaliger Prallhang der Reuss. Man findet verlandete Altlaufstrukturen wie Graben, mit Lehm abgedichtete Tümpel, im Grundwasserbereich eine Giesse, Röhricht und Kleinstrukturen. Der Hang wird durch Hangried, Hangwald, Bach, Quellen, Hoch- und Niederhecke, Mager- und Fromentalwiesen und Weiden strukturiert. Im Norden an das Schutzgebiet angrenzend befindet sich ein Fichtenforst.

01 Schutzgebiet Rägelrai - Auszug aus dem Kulturlandplan der Gemeinde Eggenwil 02 Schutzgebiet Rägelrai Eggenwil 03 Schutzgebiet Rägelrai Eggenwil
04 Schutzgebiet Rägelrai Eggenwil 05 Gelbbauchunke (Foto: T. Reich) 06 Schwertlilie (iris sibirica)
07 Pyramidenorchis (anacamptis pyramidalis) 08 Laubfrosch 09 Laubfrosch


Biologische Besonderheiten sind Pyramidenorchis, Wohlriechende Handwurz, Laubfrosch und Gelbbauchunke. Dieses Naturschutzgebiet wäre ein geeigneter Lebensraum für die europäische Sumpfschildkröte. Mehr Informationen zu diesem Schutzgebiet finden Sie auf der Internetseite der Pro Natura Aargau.


Schutzgebiet Rütirebe

Das Schutzgebiet von lokaler Bedeutung mit artenreicher Magerwiese und Wald umfasst eine Fläche von 5'200 m². Die sehr steile, südwestexponierte Magerwiese grenzt im oberen Teil an den gebuchteten Waldrand Cheserholz. Das umliegende Landwirtschaftsland besteht aus gleich strukturierten Magerwiesen. Weitere Informationen zu diesem Schutzgebiet finden Sie auf der Homepage der Pro Natura Aargau.

Schutzgebiet Rütirebe Schutzgebiet Rütirebe Schutzgebiet Rütirebe - Auszug aus dem Kulturlandplan der Gemeinde Eggenwil


Waldweiher Tobel und Pflanzerholz

01 Waldrundgang und Waldweiher Pflanzerholz 02 Waldweiher 03 Sitzplatz mit Info-Tafel


Der Waldweiher Tobel liegt beim Junebach, vor dessen Unterquerung der Gyrenstrasse. Er besteht bereits seit Jahrzehnten und wird durch den Natur- und Vogelschutzverein Eggenwil gepflegt.

Nach dem Abschluss einer Vereinbarung zwischen der Ortsbürgergemeinde Eggenwil und der kant. Abteilung Wald zur Schaffung optimaler Lebensraumbedingungen für Amphibien erfolgte im Frühjahr 2007 die Aufwertung bzw. Vergrösserung des Weihers im Waldgebiet Pflanzerholz durch den Forstbetrieb Eggenwil.

Die Naturschutzmassnahmen umfassten die Vergrösserung des stark verlandeten Feuchtbiotops auf rund 150 m² mit einer maximalen Wassertiefe von einem Meter und die Verdichtung der Sohle des Gewässers, um den Wasserabfluss zu verringern respektive in längeren Trockenperioden eine Austrocknung zu verhindern. Im Weiteren beinhaltete das Projekt die Verbesserung der Lichtverhältnisse, die Umrandung des Gewässers mit Findlingen aus dem Baugebiet Buech sowie die Schaffung von Wurzelstocknischen. Der Weiher Pflanzerholz wird seither im Auftrag der Ortsbürgergemeinde durch den Forstbetrieb Eggenwil gepflegt. Der Unterhalt wird durch den Kanton im Rahmen eines Pflegevertrages gem. Naturschutzprogramm Wald finanziell unterstützt.

Infotafel Wald 1 WaldpflegeDer Weiher befindet sich auf halber Strecke des 2005 neu angelegten Waldrundganges, der vom Waldrand Tobel-/Rotrainstrasse bis zum Waldrand beim Kuppelweg führt. Auf der rund 850 m langen Wegstrecke laden drei idyllisch angelegte Sitzplätze zum Verweilen ein. Ausserdem informieren fünf Tafeln kurz und leicht verständlich über die verschiedenen Aspekte des Waldes und der Jagd. Die dezent an geschälten Holzstämmen angebrachten Botschaften stehen im Zusammenhang mit den sechs Infotafeln entlang dem Rundgang im Gebiet Cheserholz bei der Waldhütte, welche im März 2005 im Rahmen der Aktion Wald der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.


Landschaftsschutzzone

Auszug aus dem Kulturlandplan der Gemeinde EggenwilDie naturnahe und weitgehend unverbaute Landschaft in der Reussebene, einschliesslich diejenigen Landschaftsräume, welche nicht zu den Landschaften von kantonaler Bedeutung gemäss Richtplan gehören, sollen erhalten bleiben.

Um dies sicherzustellen, wurde im Kulturlandplan nahezu die gesamte Landwirtschaftszone westlich der Kantonsstrasse mit einer Landschaftsschutzzone (schraffiertes Gebiet) überlagert.

Davon ausgenommen sind einzig Flächen, welche unmittelbar an das Siedlungsgebiet anstossen, sodass mögliche Bauten und Anlagen das Landschaftsbild nicht oder zumindest nicht übermässig beeinträchtigen. Konkret handelt es sich um die Gebiete unterhalb der Landwirtschafts- und Gemüsebaubetriebe Bollinger, Frei und Guggisberg im Hinblick auf allfällige landwirtschaftliche Bauten sowie um einen schmalen Streifen am Hangfuss der Rebhügelstrasse im Hinblick auf allfällige Wohnbauten.

Auszug aus der Gefahrenkarte Hochwasser, Fliesstiefenkarte HQ100 EggenwilAufgrund der geltenden Nutzungsplanung, aber auch in Anbetracht der langfristigen Raumentwicklungsstrategie des Gemeinderates, ergibt sich, dass westlich der Kantonsstrasse bzw. in der Reussebene, abgesehen vom erwähnten Streifen im Rebhügel, auch langfristig keine Einzonungen vorgesehen sind.

Gegen Einzonungen in diesem Gebiet sprechen nicht nur die Forderung zur Erhaltung der Landschaft in ihrem Aussehen und ihrer Eigenart, sondern auch Aspekte des Hochwasserschutzes.