Navigieren in Eggenwil

Dammbruch für mehr Natur am 19.03.2005

Mit einem spektakulären Durchstich wurde am Samstag, 19. März, der zweite der zwei neu geschaffenen Reussseitenarme im Gebiet Foort eingeweiht. Während zwei Wintern hat der Baggerzahn 950 Meter Seitengerinne und damit vier Hektaren Inselfläche in einem renaturierten Auengebiet von insgesamt elf Hektaren geschaffen. Von der nun abgeschlossenen Auenrevitalisierung profitieren alle: Die Natur gewinnt an Freiheit und der Mensch darf sich an der wunderschönen, wilden Flusslandschaft und ihren Bewohnern freuen.

Dammbruch für mehr Natur am 19.03.2005

Mit einem spektakulären Durchstich wurde am Samstag, 19. März, der zweite der zwei neu geschaffenen Reussseitenarme im Gebiet Foort eingeweiht. Während zwei Wintern hat der Baggerzahn 950 Meter Seitengerinne und damit vier Hektaren Inselfläche in einem renaturierten Auengebiet von insgesamt elf Hektaren geschaffen. Von der nun abgeschlossenen Auenrevitalisierung profitieren alle: Die Natur gewinnt an Freiheit und der Mensch darf sich an der wunderschönen, wilden Flusslandschaft und ihren Bewohnern freuen.

 

Mit dem Durchstich zum zweiten Reuss-Seitenarm wurde am letzten Samstagmorgen die Auenrenaturierung im Gebiet Foort in Eggenwil abgeschlossen. Nur rund ein Dutzend Mal musste die Baggerschaufel am Damm ansetzen, und der Fluss stürzte sich gurgelnd in das neu geschaffene, rund 500 Meter lange Seitengerinne. Dabei riss er auch schon da und dort Teile des steilen Ufers mit. Und diese Dynamik ist durchaus gewollt. "Es geht hier darum, der Natur Raum zurückzugeben, der ihr einst genommen worden ist", sagte Regierungsrat Peter C. Beyeler.

Nach 199 Jahren Flussverbauung und acht Jahren Vorbereitungszeit wurde auf der Innenseite der grossen Reuss-Schlaufe ein über 11 Hektaren grosses Auengebiet geschaffen. Während den letzten beiden Wintern wurden 1 000 Meter Uferverbauungen aus Betonelementen und Steinblöcken entfernt sowie kleinere und grössere Anrisse am Gleitufer geschaffen. Durch Schütten von Kies- und Schotterbänken wurde die Strukturvielfalt der Flusssohle erhöht. Mit dem Aushub von insgesamt 950 Metern Seitengerinne sind zwei Inseln mit einer Gesamtfläche von vier Hektaren entstanden. Entlang des Auengebietes wurde zudem ein neuer Wanderweg angelegt.

Verfassungsauftrag wird umgesetzt

Im Jahre 1806 wurde mit den ersten grossen Flussverbauungen an der Reuss begonnen. Der wilde Fluss schwemmte damals der Talschaft wertvolles Kulturland weg, welches für den Anbau von Nahrungsmitteln überlebenswichtig war. Schritt für Schritt wurden alle unsere Flüsse gezähmt, begradigt und in Dämme gezwängt. So auch während des Zweiten Weltkrieges, als polnische Kriegsgefangene zum Arbeiten in der Region Bremgarten eingesetzt wurden. Der Bau von Flusskraftwerken zur Gewinnung von Elektrizität leistete der Zerstörung des Lebensraums Flusslandschaft weiter Vorschub. Viele vom Aussterben bedrohte Lebewesen, monotone Landschaften und das Jahrhundert-Hochwasser 1999 machen deutlich, dass etwas unternommen werden muss.

1965 wurde an einer Volksabstimmung mit zwei Dritteln Ja-Stimmen das Gesetz über die "Freie Reuss" gutgeheissen. Entgegen verschiedener Ansinnen auch den Unterlauf der Reuss für Kraftwerke aufzustauen, haben die Aargauer sich für eine freie Reuss ohne neue energiewirtschaftliche Anlagen entschieden. Im Jahre 1993 hat das Aargauer Volk mit der Annahme der kantonalen Volksinitiative "Auen-Schutzpark – für eine bedrohte Lebensgemeinschaft" einen weitreichenden Auftrag für den Auenschutz in der Kantonsverfassung verankert. Im Rahmen des kantonalen Programms Auenschutzpark Aargau wird nun den Flüssen gemäss Verfassungsauftrag innerhalb von 20 Jahren ein Prozent der Kantonsfläche wieder zurückgegeben. Entlang der freifliessenden Reuss liegen verschiedene grössere und kleinere Auengebiete. Der Schwerpunkt liegt in den Gemeinden Eggenwil, Fischbach-Göslikon, Künten und Niederwil, wo Alte Reuss und Tote Reuss die einstigen Flussschlaufen aufzeigen.

"Es ist eines der grössten Projekte für die Natur", freute sich Baudirektor Beyeler. Das Gebiet in Eggenwil sei prädestiniert als Aue. "So ein Dammbruch sei aber auch in der Gesellschaft nötig, um nachhaltigere, ganzheitlichere und vernetztere Ziele zu erreichen", sagte Beyeler. Nach dem Durchstich warf er den ihm von Johannes Jenny, Geschäftsführer der Pro Natura, überreichten Biberstock ins neu geschaffene Seitengerinne. Dies in der Hoffnung, dass der "zweite Landschaftsgestalter" möglichst schnell vom Wasserschloss nach Eggenwil findet und dort aktiv wird.

Lebensraum für Biber und Co.

Nachdem der erste Seitenarm schon im Winter vor einem Jahr ausgehoben wurde, sind in den letzten drei Monaten um die 10 000 Kubikmeter Material ausgebaggert worden. Auch der zweite Seitenarm ist nicht einfach nach willkürlichem Gutdünken in die Landschaft geschnitten worden, wie Projektleiter Christoph Flory von Pro Natura Aargau erklärte. Er wurde vielmehr nach der Konsultation alter Karten, dem Ausnivellieren von 1500 Messpunkten und Sondierungen dort angelegt, wo früher schon einmal ein Seitenarm gewesen sein muss.

Ziel des Projektes ist es, auentypische Prozesse wieder zuzulassen. Natürliche Uferstrukturen, eine bessere Vernetzung zwischen Gewässer und Vorland, die Bildung von morphologischen Strukturen und die Überflutungshäufigkeit in Teilgebieten sollen gefördert werden. Dadurch werden die auentypische Vegetation und generell die Lebensbedingungen für aquatische Lebewesen verbessert. Arten wie Biber, Eisvogel, Pirol, Laubfrosch oder Äsche sollen neuen interessanten Lebensraum vorfinden.

Neuer Badestrand und Picknick-Platz für Eggenwil

Auch die Menschen wurden beim Projekt nicht vergessen. Die Verantwortlichen der Pro Natura haben sehr eng und gut mit der Gemeinde zusammen gearbeitet. Der Gemeinderat misst dem Naturschutz und insbesondere dem Auenschutz eine besondere Bedeutung zu. Er hat deshalb die erforderlichen Massnahmen im Rahmen der Nutzungsplanung Kulturland getroffen und die Pro Natura beziehungsweise den Kanton bei der Realisierung der Naturschutzprojekte in den Gebieten Foort, Alte Reuss und Rägelrai stets ideell unterstützt. Im Gegenzug stiess die Gemeindebehörde bei praktisch allen ihren Anliegen auf offene Ohren. "Ein solches Projekt kann nur mit Unterstützung der Menschen und nicht gegen sie realisiert werden", betonte Flory. So wurde nicht nur der alte Wanderweg verlegt. Es entstand auch ein offizieller Picknick-Platz und mit einer Schotterbank wurde quasi auch Eggenwils neuer Badestrand geschaffen. Auch die entstandenen Inseln sind frei zugänglich, wenngleich hierfür Gummistiefel oder Badeanzug zu empfehlen sind.

Das Projekt, das zur Hälfte auf Land, das Pro Natura erworben hat, und zur Hälfte auf Land, das dem Kanton gehört, realisiert wurde, kostete nach Florys Angaben inklusive Landerwerb rund 500 000 Franken, etwa so viel wie ein Verkehrskreisel. Gemäss Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny trugen Bund und Kanton etwas über 60 Prozent der Kosten und Pro Natura den Rest. Baudirektor Beyeler betonte die Wichtigkeit, etwas für die Natur zu tun, angesichts der stetigen Ausdehnung des Siedlungsraumes durch die Zivilisation. Nur weil das Geld knapp sei, wäre es eine falsche Politik, nicht in die Umwelt zu investieren, sagte er. Die pro Jahr getätigten Nettoinvestitionen des Kantons in den Auenschutzpark von 1,8 Millionen seien zudem auch kein grosser Betrag angesichts eines kantonalen Budgets von 3,8 Milliarden.

        

Die Auenrenaturierung im Gebiet Foort, Eggenwil

http://www.ag.ch/alg/de/pub/natur_landschaft/auenschutzpark.php

zur Liste