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Geschichte

Das malerisch an der Reuss gelegene Dorf «Egenwîlare» wurde bereits 1064 im Güterverzeichnis des Klosters Muri erwähnt. Die Zeiten bis zur Gründung des Kantons Aargau im Jahre 1803 waren geprägt von wechselnden Abhängigkeiten (Habsburger, Abtei Muri, Frauenkloster Hermetschwil). Zeitweise war das Dorf sogar geteilt, indem der untere Dorfteil zum Krummamt und das Gebiet oberhalb der Badener Landstrasse zur Grafschaft Baden gehörte. 1798 bis 1803 bildete Eggenwil mit Widen eine Gemeinde und war zu dieser Zeit ein nicht unbedeutendes Weinbauerndorf.

Pfarrkirche EggenwilSchon 1140 gab es eine Kirche am heutigen Standort. Die schöne Lage auf dem am sanft ansteigenden Hang hervorspringenden Geländesporn unterstützt landschaftlich die aus der Tradition gewachsene Zentrumsfunktion der alten Kirche. Es handelt sich um eines der ältesten Gotteshäuser im Freiamt. Noch heute sind die Kirche und das zugehörige Pfarrhaus kultur- und baugeschichtliche Wahrzeichen der Gemeinde.

Die Pfarrkirche war bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch das Zentrum des katholischen öffentlichen Lebens in Widen. Bis dahin fanden auf dem südöstlich angrenzenden, inzwischen aufgehobenen «alten Friedhof» Eggenwil auch die Widner ihre letzte Ruhestätte.

Die heutige Erscheinung wird durch den mittelalterlichen Käsbissenturm, den polygonalen Chorbau von 1683 und die Verlängerung des schmalen Kirchenschiffs von 1870/74 samt dem der schönen Aussicht zugewandten Vorzeichen geprägt. 

Der unter kantonalem Denkmalschutz stehende Eggenwiler Kirchenbezirk – Röm.-kath. Kirche zu St. Laurentius, Pfarrhaus und Rebhüsli – gilt noch heute als kultur- und baugeschichtliches Wahrzeichen der Gemeinde. Links oben ist das wegen Aussenrenovationen gerade eingerüstete ehemalige Dorfschulhaus zu sehen. Drohnenbild: Olivier Demierre/26.06.2025
Der unter kantonalem Denkmalschutz stehende Eggenwiler Kirchenbezirk – Röm.-kath. Kirche zu St. Laurentius, Pfarrhaus und Rebhüsli – gilt noch heute als kultur- und baugeschichtliches Wahrzeichen der Gemeinde. Links oben ist das wegen Aussenrenovationen gerade eingerüstete ehemalige Dorfschulhaus zu sehen. Drohnenbild: Olivier Demierre/26.06.2025

Die innere Ausstattung wurde beim Umbau von 1870/74 erstellt. Renovationen der Jahre 1925, 1934 und 1959 veränderten das Aussehen des Gebäudes erneut. Die letzte umfassende Renovation fand im Jahre 1994 ihren Abschluss und setzte die katholische Kirche zu St. Laurentius in neuen Glanz. Bemerkenswert sind einige Kulturschätze im Gotteshaus, so eine silbervergoldete barocke Hostienmonstranz, ein reich verzierter Spätrenaissancekelch, ein Barockkelch von Hans Georg Ohnesorg und die anfangs des 18. Jahrhunderts von einem Innerschweizer Künstler erschaffenen und prächtig restaurierten 14 Kreuzwegbilder, welche die beiden Wände des Kirchenschiffes zieren.

1783 wurde auf Initiative von Pfarrer Stephan Leonz Mäschlin, von Muri, welcher von 1780 bis 1823 der katholische Pfarrer von Eggenwil und zugleich Dekan war sowie 1798 als Erziehungsrat Baden und 1823 als Ehrenkaplan von Villmergen amtete, die erste Schule in der Gemeinde Eggenwil gegründet. In dieser wurden während der ersten 22 Jahre auch die Kinder aus dem Nachbardorf Widen unterrichtet. Der Unterricht erfolgte damals noch in einfachsten Räumen.

Von 1874 bis 1876 wurde in Eggenwil das erste eigentliche Schulhaus in unmittelbarer Nähe zum historischen römisch-katholischen Kirchenensemble zu St. Laurentius an der heutigen Adresse Kirchrainstrasse 6 erbaut. Das Gebäude diente gleichzeitig als Schulraum (einklassig respektive alle Altersstufen zusammen) und als Lehrerwohnung, was damals für Dorfschulen typisch war. Vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert stieg mit der wachsenden Bevölkerung auch die Schülerzahl. Der Unterricht wurde folglich stärker nach Altersstufen organisiert. Zudem führten kantonale Schulreformen zu besseren Lehrplänen und Ausbildungen der Lehrpersonen.

1968 wurde schliesslich das heutige Schulhaus an der Kustergasse 3 mit mehr Klassenräumen und zeitgemässer Infrastruktur in Betrieb genommen. Darin war in einem der Klassenzimmer im Erdgeschoss von 1981 bis zum Bezug des Gemeindehauses an der Kustergasse 1 im Juni 1987 auch die Gemeindekanzlei untergebracht. Das erste Dorfschulhaus an der Kirchrainstrasse 6 befindet sich seit 1989 in Privatbesitz, wurde seither mehrmals renoviert und dient bis heute als Wohnhaus.

Seit 1803 besteht die eigenständige politische Gemeinde. Die Bürgergeschlechter «Belser», «Hartmann», «Hausherr» und «Meier» kamen bereits damals in der Gemeinde vor und sind heute noch in ihrem Heimatort ansässig.

Kirchenbezirk Eggenwil, Federzeichnung von L. Mayer um 1750Als Weinbauerndorf erreichte die Gemeinde Mitte des 19. Jahrhunderts wirtschaftliche Blüte. Aus dieser Zeit stammen einige stattliche Häuser, so zum Beispiel das Restaurant Sternen. Ursprünglich diente dieses Haus vor rund 400 Jahren dem Kloster Muri als Verwaltungsgebäude und Weinkeller für die Lagerung der edlen Weine, deren Rebbestände bis nach Baden reichten. Vor rund 130 Jahren wurde das «Restaurant Sternen» nachweislich erstmals erwähnt. Die nachstehenden Postkarten zeugen noch von diesen alten, beschaulichen Zeiten.

Luftaufnahme Eggenwil vom 13.05.1969, 16.58 Uhr, 910 m.ü.M. Bild: Flugaufnahmen Zürich, Limmatquai 134, 8001 Zürich (Bild-60/5445-1)
Luftaufnahme Eggenwil vom 13.05.1969, 16.58 Uhr, 910 m.ü.M. Bild: Flugaufnahmen Zürich, Limmatquai 134, 8001 Zürich (Bild-60/5445-1)

Die Reblaus brachte den Weinbau in unserem Dorf dann völlig zum Verschwinden. Die Landwirtschaft war lange einziger Erwerbszweig. Ein Bevölkerungsrückgang von 300 auf 200 Einwohner war die Folge. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte ein zwar langsamer, aber kontinuierlicher Aufschwung der Gemeinde ein. Jedoch erst 1960 wurde mit rund 300 Einwohnern die Bevölkerungszahl von 1850 wieder erreicht. Heute beträgt diese rund 1'100.

Nebst einigen Gewerbe-, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben stellt die Landwirtschaft noch immer einen beachtlichen Arbeitgeber im Dorf dar. Bedeutungsvoll ist vor allem der Gemüseanbau in der Reussebene. Täglich werden die Ballungszentren mit Frischgemüse aus unseren Betrieben versorgt. Die Gewächshäuser und Plastiktunnels dienen der intensiven und längeren Bewirtschaftung der Felder. Um die naturnahe und weitgehend unverbaute Landschaft in der Reussebene dennoch zu erhalten, wurde Anfang des Jahres 2005 im Rahmen der Nutzungsplanung Kulturland nahezu die gesamte Landwirtschaftszone westlich der Kantonsstrasse mit einer Landschaftsschutzzone überlagert. Davon ausgenommen sind einzig Flächen, welche unmittelbar an das Siedlungsgebiet anstossen, sodass mögliche Bauten und Anlagen das Landschaftsbild nicht oder zumindest nicht übermässig beeinträchtigen.

Hauptharst der Einwohner sind die Pendler, welche ihre Arbeitsplätze vor allem in den Ballungszentren Zürich und Baden, teils auch in den benachbarten Gemeinden, haben. Unser Dorf ist trotzdem keine «Schlafgemeinde», verfügt es doch über ein überaus reges und intensives Vereinsleben.

Luftaufnahme Eggenwil vom 13. Juni 2019
Luftaufnahme Eggenwil vom 13. Juni 2019
Drohnenbild Eggenwil vom 19. September 2025
Drohnenbild Eggenwil vom 19. September 2025 

Weitere Luftaufnahmen der Gemeinde Eggenwil finden Sie hier.