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Gemeindemitteilung vom 14.10.2010

Gemeinderat beantragt den Anschluss an die regionale Kläranlage in Bremgarten

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Steiächer Eggenwil wurde 1973 in Betrieb genommen. 1998 kam das Regenrückhaltebecken hinzu. Seit Herbst 2006 wird der bis dahin landwirtschaftlich verwertete Klärschlamm mittels Lastwagen der Kläranlage Kessel in Bremgarten zugeführt.
 

Nach bald 40 Jahren Dauerbetrieb weist die ARA etliche altersbedingte Abnützungserscheinungen an Ausrüstung und Bausubstanz auf. Zudem wird es immer schwieriger, den ständig steigenden Anforderungen an Gewässerschutz und Reinigungsleistung zu entsprechen. Laut den jüngsten Betriebsdatenauswertungen der kantonalen Abteilung für Umwelt konnten die Anforderungen an die Abflusskonzentration zur Einleitung in ein Gewässer sowie an den Reinigungseffekt nicht mehr vollumfänglich erfüllt werden.

Die ARA wurde nach den damaligen Grundsätzen auf 1000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Heute zählt die Gemeinde Eggenwil knapp 900 Einwohner und rund 40 Arbeitsstätten mit rund 100 Vollzeitbeschäftigten. In seiner langfristigen Planung rechnet der Gemeinderat mit einer Bevölkerungszunahme auf 1200 Einwohner bis zum Jahr 2025 bei einer gleichzeitigen Stagnation der Arbeitsplätze.

Aufgrund der erreichten Lebenserwartung der ARA und des prognostizierten Bevölkerungswachstums liess der Gemeinderat im September 2006 durch das Ing.-Büro Porta + Partner AG, Brugg, eine Ist-Analyse und Variantenstudie erarbeiten. In der Zwischenzeit wurden drei Lösungsvarianten eingehend geprüft: Modernisierung/Ausbau der eigenen Anlage, der Anschluss in Richtung Norden an die geplante regionale ARA "Reuss" in Stetten aufgrund der separat erarbeiteten Machbarkeitsstudie 2007/2009 des Ingenieurbüros Balz & Partner AG sowie der Anschluss in Richtung Süden an die bestehende regionale ARA "Kessel" in Bremgarten.

Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile in Bezug auf die definierten Kriterien ist der Gemeinderat zur Überzeugung gelangt, dass ein Anschluss an die ARA Bremgarten die beste Lösung darstellt. Die kantonale Sektion Abwasserreinigung und Siedlungsentwässerung teilt diese Beurteilung.

Aufgrund der erwähnten Studien und deren Verifizierung ist davon auszugehen, dass sowohl für die Modernisierung bzw. den Ausbau der eigenen Anlage als auch für den Anschluss an die ARA in Stetten mit höheren Investitions- und Betriebskosten als bei einem Anschluss an die ARA in Bremgarten zu rechnen wäre. Zudem müsste bei einem Anschluss an die ARA Stetten ein wesentlich grösseres finanzielles Risiko eingegangen werden, als dies beim Anschluss an die ARA Bremgarten oder dem Ausbau der eigenen ARA der Fall ist. Gegen eine Modernisierung der eigenen ARA spricht insbesondere der Umstand, dass die Kosten für den Betrieb, die Wartung und die Überwachung einer grossen ARA (Labor, Einkauf Betriebsmittel, Behandlung Klärschlamm, Pikettdienst, Ersatzteilhaltung etc.) umgerechnet auf den einzelnen Einwohner wesentlich tiefer ausfallen, als bei einer kleinen Anlage. Hinzu kommt, dass eine Abwasserreinigungsanlage keinen Standortvorteil darstellt. Im Gegenteil: Bei modernen Anlagen besteht tendenziell eher die Gefahr störender Geruchseinwirkungen auf das Siedlungsgebiet.

Aus den genannten Gründen hat der Gemeinderat dem Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen respektive den angeschlossenen Gemeinden Berikon, Bremgarten, Hermetschwil-Staffeln, Widen und Zufikon das Anschlussgesuch gestellt. Die ARA Bremgarten weist genügend Kapazität auf, um die zusätzliche Belastung um etwa vier Prozent beziehungsweise den relativ geringen zusätzlichen Abwasseranfall von maximal 12 Liter pro Sekunde und die darin enthaltene Schmutzfracht aufzunehmen. Der Verbandsvorstand und die Gemeinderäte der Verbandsgemeinden stehen dem Eggenwiler Anliegen positiv gegenüber und beantragen ihren kommenden Winter-Gemeindeversammlungen die Zustimmung zum Beitrittsgesuch sowie die Genehmigung der erforderlichen Änderungen der Verbandssatzungen.

Das durch das Ingenieurbüro Porta + Partner AG im Auftrag des Gemeinderates erarbeitete Bauprojekt sieht den Bau einer Abwasserdruckleitung bis zur regionalen ARA Kessel in Bremgarten sowie den Um- und Rückbau der ARA Eggenwil zur Pumpstation vor.

Die anfallende Abwassermenge aus der ARA Eggenwil wird direkt zur ARA Bremgarten gepumpt und in dieser behandelt. Die geplante Druckleitung weist eine Gesamtlänge von 2,4 Kilometer auf. Sie führt von der Pumpstation ARA Eggenwil durch die Gebiete Meiebergsmatt, Hans und Werdacher, weiter entlang des Martismatt- und des Reussuferwanderweges bis zur Brücke der Kantonsstrasse K127 (Umfahrung Bremgarten), danach innerhalb des Brückenkörpers zum linken Reussufer und schliesslich entlang des Waldweges bis zur ARA Bremgarten. Die Leitung mit einem Aussendurchmesser von 16 Zentimeter wird im Landwirtschaftsgebiet mittels Grabenpflug oder Grabenfräse auf einer Tiefe von einem Meter überdeckt. Im Bereich von Strassenquerungen und dort, wo die Baugrundverhältnisse ein Einpflügen nicht zulassen, wird sie im offenen Graben verlegt. Für die Entleerung und Spülung werden bei den Tiefpunkten und für die Be- und Entlüftung bei den Hochpunkten der Leitung Kontrollschächte erstellt. Die definitive Festlegung der Linienführung sowie der Standorte der Kontrollschächte erfolgt im Einvernehmen mit den jeweiligen Grundeigentümern. Die erforderlichen Durchleitungsrechte sowie allfällige Ertragsausfälle werden entschädigt.

Die redundanten Pumpen werden im Keller des bestehenden Betriebsgebäudes der ARA Eggenwil installiert. Für die Steuerung wird die bestehende Steuerungsanlage des Regenbeckens angepasst, sodass auch eine Überwachung und Regelung der Pump-station durch die ARA Bremgarten möglich ist. Um Betriebs- und Wartungskosten gering zu halten, werden Schieber, Pumpen, Steuerung und Software mit der ARA Bremgarten abgesprochen. Regenrückhaltebecken, Zulaufkanal, Drossel, Durchflussmessung, Sandfang und Betriebsgebäude werden weiterhin verwendet und wo nötig saniert respektive an die heutigen Anfordernisse angepasst. Rechengebäude, Emscherbrunnen, Tropfkörper und Nachklärbecken werden ausser Betrieb genommen und abgebrochen. Die Pumpanlage mit Druckleitung und das Regenrückhaltebecken verbleiben im Eigentum und in der Verantwortung der Gemeinde Eggenwil. Der Unterhalt der Anlage sowie der Pikettdienst erfolgen weiterhin durch das Bauamt Eggenwil.

Die Gesamtkosten werden auf 1,98 Mio. Franken veranschlagt (1 440 000 Franken für den Bau der Pumpleitung sowie den Um-/Rückbau der ARA Eggenwil und 540 000 Franken für den Einkauf in den Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen). Diese Investition kann vollumfänglich durch das Eigenkapital des Eigenwirtschaftsbetriebes Abwasserbeseitigung gedeckt und ohne Erhöhung der Benützungs- und Anschlussgebühren getragen werden.

Der Gemeinderat wird der Einwohnergemeindeversammlung vom 19. November den entsprechenden Verpflichtungskredit sowie die Genehmigung der Satzungen des Abwasserverbandes zur Beschlussfassung unterbreiten. Der Anschluss könnte gegen Ende des kommenden Jahres erfolgen.

 

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