Gemeindeschreiber führte von A bis Z Regie
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 21.08.2009, über den neuen Eggenwiler Dorfplatz; Einweihungsfest am kommenden Samstag, 22. August 2009, 17 Uhr
Gemeindeschreiber führte von A bis Z Regie
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 21.08.2009, über den neuen Eggenwiler Dorfplatz; Einweihungsfest am kommenden Samstag, 22. August 2009, 17 Uhr
© Aargauer Zeitung / MLZ; 21.08.2009; Seite 38
Wohlen
Gemeindeschreiber führte von A bis Z Regie
Eggenwils Gemeindeschreiber Walter Bürgi leistete bei der Gestaltung des Dorfplatzes einen Sondereinsatz
Zu Kosten von 400 000 Franken hat sich die Kleingemeinde Eggenwil einen multifunktionellen Dorfplatz zugelegt. Der Platz trägt die Handschrift des Eggenwiler Gemeindeschreibers Walter Bürgi.
Lukas Schumacher
Dass die 850 Einwohner in der kleinen Reusstalgemeinde Eggenwil demnächst einen Dorfplatz ihr Eigen nennen, ist keine Selbstverständlichkeit. Ebenfalls bemerkenswert: Eggenwils Gemeindeschreiber Walter Bürgi (41) geht als Dorfplatz-Kreator in die Lokalgeschichte ein. Bürgi regte das Projekt an, entwickelte es im Rahmen seiner Diplomarbeit im Lehrgang Bauverwalter und begleitete die Verwirklichung des Werks als Gesamtprojektleiter.
Professor Alfred Kölliker bewertete Bürgis 100-seitige Diplomarbeit mit der Maximalpunktzahl 40. «Herausragend und in jeder Hinsicht beispielhaft», merkte Kölliker an.
«Teamarbeit, kein Sololauf»
Der grosszügige, mitten in Eggenwil angelegte Dorfplatz gleicht zwei Tage vor der Einweihung einem Bienenhaus. Fachhandwerker setzen Pflastersteine ein und legen Hand am neuen Brunnen an, Gartenbauer und Elektriker werken. «Die Handwerker machen einen tollen Job», betont Gemeindeschreiber Walter Bürgi, «letztlich ist die Anlage das Ergebnis einer formidablen Teamarbeit und keinesfalls eines Sololaufs von Bürgi.» Wie hoch der Gemeindeschreiber und der Gemeinderat Einsatz und Können der beteiligten Handwerker schätzen, kommt in einer aussergewöhnlichen Geste zum Ausdruck: Sämtliche Handwerker sind als Ehrengäste zur Dorfplatzeinweihung eingeladen worden.
Zusatzjob übernommen
Eine Einladung zur Einweihung erhielten auch Architekt Rolf Rey aus Zufikon und Ingenieur Erich Faes aus Bremgarten. «Ohne ihre fachliche Unterstützung und grosse Erfahrung wäre ich gehörig im Schilf gestanden», teilt Bürgi mit. Planung, Vorstudien, Projektierungen und Umsetzung des Bauwerks dauerten gut zwei Jahre. Bürgis Fazit: «Viel Arbeit und viel Freude. Es hat sich gelohnt. Mir wurde fast täglich bewusst, dass nicht nur der private Raum die Lebensqualtität ausmacht, sondern auch der öffentliche Raum, die Strassen und die Plätze.» Bürgi übernahm neben der Dorfplatzgeschichte gleich auch noch die Oberbauleitung der umliegenden Strassenzüge, die teilerneuert und verkehrsberuhigt wurden. Das bescherte dem Gemeindeschreiber einige 14- bis 16-stündige Arbeitstage und dürfte der Gemeinde letztlich eine schöne Stange Geld eingespart haben.
Grande Fiesta am 22. August
Morgen Samstag um 17 Uhr wird der neu angelegte Dorfplatz Eggenwil eingeweiht. Nach Festansprache, Orientierung über den Bauverlauf und der Enthüllung des neuen Dorfbrunnens wird um 18 Uhr die Festwirtschaft eröffnet. Von 18.30 bis 19 Uhr konzertiert die Musikgesellschaft Eggenwil. Ab 19 Uhr heisst es «Spiel und Spass für Gross und Klein»: Recyclingparcours, Clown-Hüpfburg, Infostände über Wert- und Abfallstoffe, Bilder auf Grossleinwand zur Dorfplatzgestaltung und anderes mehr. (sl)
Der Dorfplatz Eggenwil
Hauptelemente des Dorfplatzes sind zwei kreisrunde Pflästerungen aus portugiesischem Granit. Die Kreise sind mit 31 000 Pflastersteinen im Gesamtgewicht von 110 Tonnen bestückt. Die grössere Kreisfläche dehnt sich aus auf die Buechstrasse und ist Teil der Verkehrsberuhigung dieser Gemeindestrasse. Bänklein aus Edelstahl, ein Trinkwasserbrunnen, ein kleiner Naturweg, Begrünungen, Bepflanzungen in den Eggenwiler Farben Rot und Weiss sowie Sitzgelegenheiten in Form eines Rundpodests ergänzen den parkähnlichen, optisch gefälligen Begegnungsplatz.
Teil zwei des Dorfplatzprojekts bilden die Erneuerung der dortigen Ensorgungssammelstelle und die Neugestaltung des benachbarten Bushüslis samt Velounterstand. Die veraltete Abfallsammelstelle wurde durch ein zeitgemässes unterirdisches Entsorgungssystem ersetzt. Neben Glas, Alu/Sahlblech und Altöl kann man hier fortan auch Kaffeekapseln aus Aluminium und Haushaltbatterien entsorgen. (SL)
© Aargauer Zeitung / MLZ; 21.08.2009; Seite 38
Wohlen
Dank Köpfchen und Herzblut
Eggenwils erstaunlicher Wandel zu einer lebendigen, selbstbewussten Kleingemeinde
Vor rund 15 Jahren ging es bergauf. In den Jahren davor sorgte Eggenwil regelmässig für wenig schmeichelhafte Schlagzeilen. Streitigkeiten im Gemeinderat, die chronische Finanzschwäche der Gemeinde, ein hoher Steuerfuss von 126 Prozent und die bei 600 Dorfbewohnern stagnierende Einwohnerzahl verhiessen wenig Gutes. Träg und trist dümpelte Eggenwil vor sich hin. Wäre die Kleingemeinde heute in der damaligen Verfassung, müsste sie augenblicklich mit der Nachbargemeinde Bremgarten fusioniert werden.
Heute vermittelt Eggenwil ein weitaus vorteilhafteres Bild. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 850, die Gemeindefinanzen sind gesund, der Steueurfuss liegt bei erträglichen 98 Prozentpunkten. Das Dorf lebt, gedeiht und entwickelt sich erfreulich. Zu 90 Prozent sind die Bauzonen nun ausgeschöpft. In Bälde wird eine Ausweitung des Baugebiets zum Thema. Das langfristige Ziel der Reusstalgemeinde ist ein qualitatives Wachstum mit maximal 1200 Einwohnern.
Selbstbewusst geht die erstarkte Kleingemeinde politisch ihren eigenen Weg. Dies durchaus im Bewusstsein, dass es auch eine gehörige Portion regionale Zusammenarbeit braucht. Starke Zeichen der Eggenwiler Selbstständigkeit sind die Vergrösserung des Gemeindehauses vor zwei Jahren, das Beibehalten der Dorffeuerwehr, der Verzicht auf die Auslagerung des Steueramtes oder der neue Dorfplatz. Eggenwil hat sich mit Köpfchen und Herzblut aus dem Sumpf gezogen. Gründe dafür gibt es mehrere. Ein Grund ist bestimmt die sehr gut funktionierende Verwaltung, ein anderer die Umsicht des Gemeinderats. Sein Credo «politische Eigenständigkeit trägt viel zur Lebensqualität bei» findet bei den Dorfbewohnern starken Rückhalt. Auch wenn in der Kleingemeinde nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht: Der frühere «schlechte Dorfgeist» ist längst vertrieben. Er hat einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn Platz gemacht. Ein erstaunlicher Wandel. (sl)
Einweihungsfest Dorfplatz vom Samstag, 22.8.2009 - Einladungsflyer