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Gemeindemitteilung vom 17.10.2012 zum Projekt «Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckanlage»

Kreditantrag von 3,83 Mio. Franken für die Erweiterung und Sanierung der Schulanlage zu Handen der Einwohnergemeindeversammlung vom 30. November 2012

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Schulreform bringt wesentliche Veränderungen

An der eidgenössischen Volksabstimmung im Mai 2006 wurde dem neuen Bildungsartikel in der Bundesverfassung und damit der Verpflichtung der Kantone, das Schuleintrittsalter, die Schulpflicht sowie die Dauer und die Ziele der Bildungsstufen national zu vereinheitlichen, mit einem Ja-Stimmenanteil von 86 Prozent zugestimmt. Nach der Ablehnung der Schulreform "Bildungskleeblatt" im Mai 2009 haben sich die Aargauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Volksabstimmung im März dieses Jahres mit nahezu 80 Prozent für das "Vorhaben zur Stärkung der Volksschule" ausgesprochen und den Änderungen der Kantonsverfassung sowie des Schulgesetzes zugestimmt.

Somit wird ab dem Schuljahr 2014/15 die Primarschule – wie in allen anderen Kantonen der Schweiz, mit Ausnahme des Tessins – auch im Aargau sechs anstatt fünf Jahre dauern. Die maximale Klassengrösse erfährt eine Senkung von 28 auf 25 Schülerinnen und Schüler. Weiter wird der bislang freiwillige Besuch des Kindergartens ab Schuljahr 2013/14 für alle Kinder ab vollendetem 4. Altersjahr obligatorisch und der Eintrittsstichtag an die Mehrheit der übrigen Kantone angepasst (31. Juli als Standard). Zudem ist der zweijährige Kindergarten fortan Teil der Volksschule und erhält ebenfalls Ressourcen für die heilpädagogische Förderung.

Bedarf nach zusätzlichen Räumen besteht schon seit zwei Jahrzehnten

Das Bedürfnis nach weiteren Räumen in der Schulanlage Eggenwil war schon 1989 ausgewiesen. Eines der Hauptprobleme stellt damals wie heute der viel zu kleine Kindergarten dar. Die Lehrperson hat kaum Platz für Vorbereitungen. Auch sind keine zusätzlichen Innenräume für individuelle Spiel- und Lernaktivitäten vorhanden, weshalb zwangsläufig auf den Korridor ausgewichen werden muss. Das ist schon wegen des Lärms nicht ideal, vor allem aber auch bezüglich der Brandschutzvorschriften heikel.

Das seinerzeit erarbeitete – auch aus heutiger Sicht bezüglich der technischen,  betrieblichen und architektonischen Aspekte einwandfreie – Erweiterungsprojekt "Dreiklang, 1990" samt Gemeindesaal wurde dann jedoch im Herbst 1992 auf Antrag des Gemeinderates aus finanziellen Gründen fallen gelassen.

Wie die Ende 2011 unter Beizug von Fachleuten des kantonalen Departementes Bildung, Kultur und Sport vorgenommene Analyse durch die Schulbehörde bestätigte, bestehen mittlerweile zahlreiche weitere Kapazitätsengpässe beim Raumangebot der Schulanlage. Dies insbesondere als Folge der gestiegenen Anforderungen der Gesellschaft an die Volksschule und der damit einhergehenden Veränderungen wie etwa die Einsetzung einer Schulleitung, die Einführung der integrativen Schulform mit heilpädagogischer Förderung von Kindern mit Entwicklungsrückständen oder Lernschwierigkeiten und ebenso von begabten Kindern, der Einzug digitaler Medien in Schule und Unterricht, neue Lehr- und Lernformen wie Werkstatt- und Projektunterricht in Gruppen oder das Angebot an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen wie Mittagstisch, Betreuungsstunden und Aufgabenhilfe.

Kommt nun ab 1. August 2014 noch die sechste Primarschulklasse hinzu, reichen die bestehenden Infrastrukturen unter keinen Umständen mehr aus. Ebenso ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, dass das 1968 erbaute Schulhaus renovationsbedürftig ist und den heutigen Vorschriften bezüglich Brandschutz und Hindernisfreiheit für gehbehinderte Menschen nicht entspricht. Weiter hat die 1968 in Betrieb genommene und 1984 teilweise erneuerte Ölheizungsanlage (Zentralheizung für Schulhaus, Turnhalle, Gemeindehaus und Feuerwehrlokal) die zu erwartende Lebensdauer längst überschritten. Und schliesslich ist die Belegungskapazität der seit 1978 bestehenden Einfachturnhalle mit Bühne und Küche durch die Nutzung von Schule, Vereinen und Gemeinde als Sportstätte, Ort des Mittagstisches, Probe-, Veranstaltungs- und Versammlungslokal erreicht.

Verschiedene Lösungsvarianten geprüft

Um rechtzeitig auf die sich abzeichnenden Reformen vorbereitet zu sein, befassen sich Schulpflege und Gemeinderat bereits seit 2008 mit der Grobbeurteilung der pädagogischen/organisatorischen, personellen, infrastrukturellen und finanziellen Auswirkungen der strukturellen Veränderungen im Bildungswesen auf die Schule und die Gemeinde Eggenwil. Im Zuge dessen hat die Gemeindebehörde im Sinne von Sofortmassnahmen partielle Umbauten und Renovationen zurückgestellt sowie den von der Gemeindeversammlung im Winter 2007 genehmigten Ersatz der Ölheizung durch eine Holzschnitzelheizung sistiert, um die Handlungsfreiheit im Hinblick auf ein kohärentes Gesamtprojekt zu wahren und Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Anfang dieses Jahres hat der Gemeinderat dann eine breit abgestützte paritätische Planungskommission, bestehend aus Vertretern der Gemeinde- und Schulbehörden, des Lehrerkollegiums, der Dorfvereine, der Finanzkommission sowie des Architekten eingesetzt, um die strategische Planung weiterzuführen und aufgrund der festgelegten Zielsetzungen und Bewertungskriterien Lösungsmöglichkeiten zu prüfen.

In der Zwischenzeit wurden an fünf Zusammenkünften der Planungskommission und zahlreichen weiteren Sitzungen der Projektleitung/Steuerungsgruppe sowie des Gemeinderates der Raumbedarf für Kindergarten, Primarschule, Tagesstrukturen und Vereine unter Einbezug von verschiedenen Nutzungs- und Belegungskonzepten analysiert, die notwendigen Sanierungsmassnahmen geprüft und mehrere Vorstudien- und Vorprojektvarianten beurteilt. Als weitere Entscheidungsgrundlage wurde auch eine Auslagerung der 5. und 6. Primarklasse nach Bremgarten oder Zufikon abgeklärt.

Auslagerung stellt für Gemeindebehörden keine Alternative dar

Während Bremgarten ab dem Schuljahr 2014/15 voraussichtlich nicht über genügend Kapazitäten verfügen wird, wäre eine Aufnahme der Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse aus Eggenwil in Zufikon grundsätzlich möglich. Allerdings würde diese Option wesentliche Nachteile bezüglich des sozialen Zusammenhaltes der Kinder im Dorf, der Förderung in kleineren Klassen, des Schulweges, der Attraktivität des Arbeitsortes für die Lehrerschaft, der Pensen von Schulleitung und schulischer Heilpädagogin, der Stellvertreterlösungen bei Unterrichtsausfall und wohl auch bezüglich des Angebotes an Tagesstrukturen mit sich bringen.

Dagegen ermöglicht es gerade die sechsjährige Primarschule vor allem den kleineren Gemeinden – selbst bei einer allfälligen negativen demographischen Entwicklung – auch in Zukunft die eigene Primarschule im Dorf zu erhalten. Mehr Kinder können dadurch ihren Schulweg zu Fuss zurücklegen und ein Jahr länger in unmittelbarer Nähe ihres Wohnorts die Schule besuchen. Beides trägt zur Lebensqualität und Standortattraktivität bei. Eine Auslagerung würde stattdessen nicht die vom Volk gewollte Stärkung, sondern eine empfindliche Schwächung der Eggenwiler Schule bedeuten. Aus diesen Gründen gelangten alle am Projekt beteiligten Behörden und Kommission einstimmig zur Auffassung, dass nicht eine Auslagerung der 5. und 6. Klasse, sondern die Strukturierung der Eggenwiler Schule mit gesamthaft vier 2-klassigen Abteilungen (1./2. Kindergarten, 1./2, 3./4., 5./6. Primarklasse) eine sinnvolle, nachhaltige Lösung darstellt.

Beantragtes Projekt beinhaltet die Erweiterung und Sanierung der Schul- und Mehrzweckanlage

Das nun erarbeitete Bauprojekt umfasst einen zweigeschossigen Neubau zwischen Schulhaus und Turnhalle im Bereich des nordwestlichen Pausenplatzes sowie den Anbau eines Schulzimmers an der Westseite des Schulhauses. Dadurch resultiert neu eine gesamte Netto-Nutzfläche von 1'020 m⊃2; (Nutzfläche bestehendes Schulhaus: 493 m⊃2;). Das Neubauvolumen beträgt 3'550 m⊃3;.

Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckanlage Eggenwil – Grundriss Untergeschoss        Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckanlage Eggenwil – Grundriss Erdgeschoss        Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckanlage Eggenwil – Grundriss Obergeschoss

Im mit dem Schulhaus und der Turnhalle verbundenen Untergeschoss des Neubaus befindet sich der Kindergarten, bestehend aus einem Hauptraum samt Einbauküche mit einer Fläche von 93 m⊃2; und zusätzlichen Räumen für Spiel- und Lernaktivitäten in Gruppen sowie ein Lagerraum. Daneben entstehen Archiv- und Lagerräume für die Schule, die Vereine und den Schulhauswart. Auf der Westseite respektive auf der Flucht der Südfassade des Schulhauses entsteht ein zusätzliches Zimmer für die 1./2. Klasse mit einer Fläche von 70 m⊃2;. Dadurch ergeben sich gleichzeitig im übrigen Untergeschoss und im Erdgeschoss des bestehenden Schulhauses optimale Platzverhältnisse respektive ideale Aufteilungs- und Nutzungsmöglichkeiten.

Im Erdgeschoss beherbergt der Neubau einen mit Faltwänden in drei Räume unterteilbaren, flexibel nutzbaren Mehrzwecksaal mit einer Gesamtfläche von 156 m⊃2;, ein behindertengerechtes WC sowie einen Lagerraum. Der mit dem Foyer der Turnhalle verbundene Saal soll der Schule für den Mittagstisch, als Aufenthaltsraum, für die Tagesstrukturen, als Singsaal respektive für die Musikgrundschule sowie für schulische Veranstaltungen dienen. Weiter steht er den Vereinen und der Gemeinde als Probelokal, für Gemeindeversammlungen und sonstige Veranstaltungen zur Verfügung, was zur Entlastung der Turnhalle führt. Der durch den Neubau reduzierte Teil des Pausenplatzes wird durch einen nach Südwesten hin erweiterten, über dem angebauten Schulzimmer liegenden grosszügigen Platz kompensiert. In der Turnhalle sind im Untergeschoss Brandabschlusstüren sowie in der Halle eine Fluchtwegtüre zum Aussengelände hin vorgesehen.

Innerhalb des 45-jährigen Schulhauses sind nebst Sanierungen der WC-Anlagen und Haustechnik, diverser Renovationsarbeiten, Brandschutzmassnahmen, dem Ersatz der Ölheizung durch eine Holzschnitzel-/Pelletsheizung sowie dem Einbau einer Liftanlage über alle drei Geschosse verschiedene sanfte Umbauten geplant. Im Untergeschoss soll der heutige Kindergarten in einen Gruppenraum 1 mit Durchgang zum neu angebauten Klassenzimmer der 1./2. Klasse sowie in ein Fachzimmer für Sprachen und textiles Werken unterteilt werden. Weiter ist der Einbau einer WC-Anlage geplant. Der Werkraum bleibt bestehen. Im Erdgeschoss werden die beiden bestehenden Klassenräume in ein Lehrerzimmer mit Vorbereitungs-/Kopierraum, einen Raum für Heilpädagogik und Logopädie sowie in ein Büro für die Schulleitung umgebaut respektive umgenutzt. Die veralteten WC-Anlagen am Ende des Korridors werden saniert. Im Obergeschoss bleiben die beiden Klassenzimmer für die 3./4. sowie die 5./6. Klasse bestehen. Das heutige Lehrerzimmer soll künftig als Gruppenraum 2 für die 3./4. Klasse dienen. Die WC-Anlagen im nordöstlichen Bereich werden abgebrochen. Stattdessen wird dort der Gruppenraum 3 für die 5./6. Klasse sowie die Bibliothek eingerichtet.

Projekt kann ohne Steuerfusserhöhung nicht getragen werden

Gemäss Kostenschätzung ist für das Gesamtprojekt mit Investitionskosten von 3,83 Mio. Franken zu rechnen. Davon fallen alleine für die Arbeiten am bestehenden Schulhaus und an der Turnhalle (vorwiegend Sanierung/Renovation, Brandschutz, Heizung, Lift) Kosten von 1,155 Mio. Franken an.

Die Eggenwiler Rechnung schreibt seit 17 Jahren in Folge schwarze Zahlen. Das wird auch in diesem Jahr der Fall sein. Trotz der realisierten grossen und weit in die Zukunft reichenden Projekte konnte in der gleichen Zeit der Steuerfuss um 28 Prozentpunkte reduziert werden. Seit 2008 liegt dieser bei 98 % und damit unter dem kantonalen Durchschnitt.

In Anbetracht der Finanz- und Investitionsplanung 2013 bis 2020 respektive aufgrund der Beurteilung der Finanzierbarkeit und Tragbarkeit machen nun aber die in den nächsten Jahren vorgesehenen Investitionen mit einem Gesamtvolumen von 8,2 Mio. Franken – darunter insbesondere auch die Gemeindeanteile für die Sanierung der Kantonsstrasse – eine Steuerfusserhöhung um zehn Prozentpunkte auf neu 108 % ab dem kommenden Jahr unumgänglich. Davon entfallen sechs Steuerprozente auf das Projekt "Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckanlage". Der Finanzplan rechnet damit, dass ab dem Jahr 2020 die Selbstfinanzierung wieder höher sein wird als die Nettoinvestitionen und folglich die Schulden abgebaut werden können.

Das Investitionsprogramm der kommenden Jahre stellt eine finanzpolitische Herausforderung dar. Dennoch sind Gemeinderat, Schulpflege und Finanzkommission übereinstimmend der festen Überzeugung, dass das vorliegende Projekt nicht nur sämtliche Bedürfnisse der Schule und Vereine für die kommenden vier bis fünf Jahrzehnte abzudecken vermag, sondern auch in der Gesamtabwägung der gesellschaftlichen und betrieblichen, der ökologischen, der baurechtlichen, technischen und architektonischen sowie der ökonomischen Kriterien langfristig die beste Lösung darstellt.

Vorlage wird der Gemeindeversammlung vom 30. November zur Beschlussfassung unterbreitet

Das Bauprojekt mit dem Antrag um Genehmigung eines Verpflichtungskredites von 3,83 Mio. Franken wird der Einwohnergemeindeversammlung vom 30. November zur Beschlussfassung unterbreitet. Ab Anfang nächster Woche sind die Pläne mit Kurzbeschrieb des Projekts im Foyer des Gemeindehauses und im Eingangsbereich der Turnhalle ausgestellt. Die Detailunterlagen können bei der Gemeindeverwaltung eingesehen werden. Bei Fragen stehen die Vertreter der Gemeinde- und Schulbehörden gerne zur Verfügung. In der Botschaft und anlässlich der Gemeindeversammlung wird das Projekt umfassend erläutert.

Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Botschaft z.Hd. EGV
Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Situation
Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Grundriss UG
Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Grundriss EG
Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Grundriss OG
Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Schnitt
Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Fassaden
Bauprojekt Erweiterung/Sanierung Schul-/Mehrzweckanlage - Übersicht Nutzungen

Weitere Informationen zur Bildungsreform «Stärkung der Volksschule Aargau» und zum Projekt «Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckhalle Eggenwil» sind unter der Rubrik Bildung/Volksschule abrufbar.

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