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Red Bull trifft auf Milchkaffee

Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 20.04.2012, über die Podiumsdiskussion der Pro Senecute Aargau zum Dialog zwischen Alt und Jung mehr

© Bremgarter Bezirks-Anzeiger Ausgabe 32 (20.04.2012)

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Red Bull trifft auf Milchkaffee
Muri: Referat und Podiumsdiskussion zum Dialog zwischen den Generationen

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde (von links): Martin Schneider, Pascale Bruderer, Moderatorin Isabelle Iten, Niklaus Höchli und Thomas Wernli. Bild: Chregi Hansen

Skateboard oder Rollator, beide Fahrzeuge sind mit vier Rädern unterwegs. Die Teilnehmer der Gesprächsrunde (von links): Martin Schneider, Pascale Bruderer, Moderatorin Isabelle Iten, Niklaus Höchli und Thomas Wernli. Will den Dialog fördern: SP-Ständerätin Pascale Bruderer. Bild: Chregi Hansen

Nach der Wahl zur höchsten Schweizerin rief Pascale Bruderer zum «Brückenschlag zwischen den Generationen» auf. Auch als neu gewählte Ständerätin hält sie am Thema fest. Und wünscht sich mehr Dialog und gegenseitige Wertschätzung.

Chregi Hansen

Wenn Jung und Alt aufeinandertreffen, so sind Missverständnisse an der Tagesordnung. Das weiss auch Muris Schulsozialarbeiter Martin Schneider. «Wenn Junge mit der Kapuze über dem Kopf und Kopfhörern auf den Ohren am Bahnhof stehen, wirkt das auf Ältere oft aggressiv. Dabei wollen sie sich einfach abgrenzen und dazu einem bestimmten Image entsprechen», erklärte er am Anlass der Pro Senectute.

Es gibt aber auch das Umgekehrte. «Natürlich freuen sich unsere Bewohner über Abwechslung und Besuch von Kindern. Aber manchmal wollen sie auch einfach ihre Ruhe», weiss Thomas Wernli, Direktor der Pflegi Muri. Es brauche den Dialog zwischen Jung und Alt, gerade in einer Institution wie der seinen, aber man könne ihn auch nicht erzwingen. «Wir haben rund 40 Lehrlinge. Bei uns findet der Austausch tagtäglich statt. Jeden Morgen trifft Red Bull auf Milchkaffee», so Wernli.

Aufhören, das Älterwerden als Problem zu sehen

Zum Dialog aufgerufen hatte zuvor in einem Referat Ständerätin Pascale Bruderer. Für sie ist der Brückenschlag zwischen den Generationen eine Herzensangelegenheit – aber auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit. «Die Menschen werden älter. Und wir müssen endlich aufhören, dies immer als politisches Problem zu sehen. Schon der Begriff Überalterung ist eigentlich ein Unsinn», machte sie deutlich. Das Zusammenleben zwischen Jung und Alt biete im Gegenteil viele Chancen, diese gelte es zu nutzen.

In ihrem Referat stellte sie verschiedene Projekte vor, welche den Dialog fördern sollen. «In meinem Jahr als Nationalratspräsidentin wollte ich erst ein eigenes Projekt verwirklichen. Dann habe ich entdeckt, wie viele tolle Ideen es schon gibt. Darum habe ich mich darauf beschränkt, all diese Projekte auf einer Plattform zusammenzuführen», so die SP-Politikerin. Unter www.intergeneration.ch hat sie ganz viel Material zum Thema zusammengetragen. «Viele ältere Menschen betrachten die neuen Medien als undurchdringliche Mauer. Aber gerade diese neuen Medien machen den Austausch leichter», machte Bruderer deutlich. Letztlich aber seien vor allem das Zuhören und die gegenseitige Wertschätzung die Schlüssel zum Verständnis.

«Wunderbare Begegnungen»

Einer, der sich in einem solchen Projekt engagiert, ist Niklaus Höchli, Teilnehmer des Projekts «Generationen im Klassenzimmer» an der Schule Eggenwil. «Als ich pensioniert wurde, habe ich die Zeit erst genossen. Dann aber hatte ich das Gefühl, ich sollte noch etwas Sinnvolles machen», erklärte er in Muri. Seither unterstützt er regelmässig eine Lehrerin und ihre Schulklasse. «Das sind wunderbare Begegnungen, von denen nicht nur die Schüler, sondern auch ich selber profitiere», erzählt Höchli. Der Kontakt mit den Kindern im Dorf tut ihm gut. «Meine Kollegen sind immer ganz neidisch, weil mich alle Schüler mit Namen grüssen», so Höchli weiter.

Schulsozialarbeiter Schneider findet das Projekt «Generationen im Klassenzimmer» super. «Leider wollen die meisten älteren Menschen nur an der Unter- oder Mittelstufe tätig sein. Vor der Oberstufe haben sie zu viel Respekt», bedauert er. Aus diesem Grund hat er vor einiger Zeit das Projekt «Muri spielt verrückt» lanciert. Junge und Alte haben gemeinsam ein Spiel entwickelt und dann einen Nachmittag zusammen gespielt. «Die Rückmeldungen waren von beiden Seiten super. Alle fanden es lässig», so Schneiders Bilanz. Trotzdem findet auch er: «Natürlich haben wir manchmal Probleme mit den Jungen, davor dürfen wir die Augen nicht verschliessen.»

«Ohne Austausch wären wir ein Getto»

Und: Alle Projekte zum Generationendialog müssten authentisch sein. Das findet auch Pflegi-Direktor Thomas Wernli. «Wenn wir keinen Austausch mit Jungen hätten, wäre unsere Institution ein Getto. Aber man kann den Austausch auch nicht erzwingen, er muss immer freiwillig sein», sagt er. Trotzdem wehrt sich auch die Pflegi nicht gegen Projekte. So haben Schüler zusammen mit den Bewohnern Bilder ausgesucht, die jetzt auf den Stationen hängen. «Das ergab schöne Begegnungen», weiss Wernli.

Die Jungen waren abwesend

Eingeladen zu diesem Abend hatten die Pro-Senectute-Beratungsstellen Bremgarten und Muri. Dies mit dem Ziel, den Dialog zwischen Jung und Alt zu fördern. Das ist nur zum Teil gelungen. Zwar boten das Referat und die Podiumsdiskussion viele interessante Gedanken, aber ein Austausch fand nicht statt. Denn im Publikum selber waren fast ausschliesslich ältere Personen auszumachen. Vermutlich war Pascale Bruderer gar die Jüngste im Saal. Eine Rolle, die sie sich gewohnt ist. Die Jungen erreicht man mit einem solchen Anlass eben nicht. Dazu braucht es offenbar doch bestimmte Projekte.

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