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«Entwicklungspausen tun gut»

Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 18.05.2012: Interview mit Thomas Endres, Gemeindeammann Eggenwil

© Bremgarter Bezirks-Anzeiger Ausgabe 40 (18.05.2012)

Region Bremgarten

«Entwicklungspausen tun gut»
Interview der Woche mit Thomas Endres, Gemeindeammann Eggenwil

Gemeindeammann Thomas Endres

«Baulandreserven werden voraussichtlich in den nächsten 5 Jahren ausgeschöpft sein», so Thomas Endres. Bild: André Widmer

Entgegen dem regionalen Trend wuchs Eggenwil in der jüngsten Vergangenheit kaum noch. Der Gemeinderat befasst sich nun aber mit einer Nutzungsplanrevision. Eine Fusion mit Bremgarten steht ausser Diskussion. «In absehbarer Zeit kein Thema», so Ammann Thomas Endres.

André Widmer

Die Gemeinde Eggenwil zählte Ende 2011 noch 890 Einwohner. Trotz der guten Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Regionalzentrum Bremgarten scheint Eggenwil zu stagnieren. Wo steht man heute? Ist das Dorf noch attraktiv genug, auch für die Jugendlichen? Gemeindeammann Thomas Endres nimmt im Interview Stellung zu der Dorfentwicklung.

Die Einwohnerzahl von Eggenwil war entgegen dem Wachstum der Region Bremgarten in letzter Zeit leicht rückläufig. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Thomas Endres: Im Verlauf der vergangenen zwanzig Jahre ist unsere Bevölkerungszahl um rund 300 Personen auf heute 900 Einwohner angestiegen. Nach dem relativ starken Wachstum stagnierte die Bevölkerungszahl. Allerdings dienen solche normalen «Entwicklungspausen» dem angestrebten gesunden und überschaubaren Wachstum und tun der Gemeinde durchaus gut.

Mit den Mehrfamilienhausprojekten Pflanzerfeld und Dorfmitte wird Eggenwil in den nächsten Jahren wohl zulegen.

Nicht nur mit diesen grösseren Überbauungen. Es gibt viele Anfragen von Interessierten bezüglich Bauland. Gegenwärtig befinden sich vier Wohneinheiten im Bau. Sieben Wohneinheiten sind baubewilligt. Zudem prüfen wir derzeit Studien oder Vorprojekte für 29 neue Wohneinheiten.

Die Baulandreserven schrumpfen. Wo hat das Dorf noch Entwicklungspotenzial, sind mittelfristig Einzonungen geplant?

Unsere Baulandreserven werden voraussichtlich in den nächsten fünf Jahren weitgehend ausgeschöpft sein. Der Gemeinderat befasst sich deshalb nun mit der Teilrevision der Nutzungsplanung Siedlung. Entwicklungspotenzial besteht in den Gebieten Furtächer, Steimatt, Tuubler und Rebhügel.

Wann ist hier mit konkreten Resultaten oder einer Traktandierung zu rechnen?

Als nächsten Schritt werden wir mit allen Eigentümern von noch nicht überbauten Bauzonen das Gespräch führen, um deren Absichten zu klären. Danach folgen die Verhandlungen mit den Eigentümern von Grundstücken, die vom Raumentwicklungskonzept betroffen sind.

Wie sehen für Sie die Entwicklungsziele Eggenwils aus? Welche Rolle ist dem Gewerbe zugedacht?

Unsere Entwicklungsstrategie beinhaltet einige Hauptziele für den Planungshorizont von 15 Jahren. Dazu gehört ein qualitatives Wachstum bis 1200 Einwohner, optimale Ausnutzung der Infrastruktur, Erhalt des ländlichen Dorfcharakters und der kompakten Siedlungsstruktur. Das Gewerbe soll auf die Gewerbezonen zwischen Bremgarten und Eggenwil respektive auf die regionalen Gewerbestandorte konzentriert werden.

Die schnurgerade Kantonsstrasse zerschneidet Ihr Dorf quasi in zwei Teile, auffälliger als anderswo. Wird dieser unbefriedigenden Situation bei der geplanten Innerortssanierung der K 271 Rechnung getragen?

Dieses Anliegen hat der Gemeinderat bereits bei der Erarbeitung des Erschliesssungsplans «Kantonsstrasse K 271» 1993 und in seinem Planungsleitbild 2002 zum Ausdruck gebracht. Nun ist die Umsetzung endlich in Sichtweite. Eine grosse Chance bietet nun dieses kantonale Strassenbauprojekt. Im Rahmen dieses Projekts soll auch der Strassenraum aufgewertet werden, ohne die Funktionsfähigkeit zu beeinträchtigen. Der Strassenraum soll für alle Verkehrsteilnehmenden an Qualität gewinnen. Die Ortsdurchfahrt soll so gestaltet werden, dass ein möglichst lebendiger, attraktiver Strassenraum entsteht, der nicht allein vom motorisierten Verkehr geprägt ist.

Der Hochwasserschutz war insbesondere bezüglich der Offenlegung Ibisguetbach in Eggenwil lange ein heisses Eisen. Wie weit stehen die Planungen dort?

Seit dem zustimmenden Entscheid unserer Stimmbürger im Herbst 2010 wurden in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro und den Vertretern der kantonalen Sektion Wasserbau die Detailplanungen an die Hand genommen. Bis im April dieses Jahres haben die Vertreter von Kanton und Gemeinde sowie die Ingenieure die Teilprojekte mit den betroffenen Grundeigentümern besprochen. Kürzlich wurde nun das bereinigte Projekt den Fachstellen eingereicht. Danach erfolgt die öffentliche Auflage des Bauvorhabens. Die Realisierung wird für 2013 erwartet.

Die Freizeitmöglichkeiten für die Jugend sind in Eggenwil eher klein gehalten. Ist das aufgrund der grossen Nähe zu Bremgarten so?

Eggenwils Vereins- und Dorfleben ist rege. Darüber hinaus bietet Bremgarten ein breites Angebot. Es wird unserer Jugend also in nächster Umgebung viel geboten.

Apropos Nähe zu Bremgarten: Eine Fusion wäre doch aus verschiedenen Gründen nicht abwegig. Wie stellen Sie sich dazu?

Der Gemeinderat beschäftigt sich seit vielen Jahren sehr intensiv mit der Zukunft der Gemeinde. Aufgrund der Beurteilung aller Faktoren sind wir überzeugt, dass die Gemeinde auch künftig in der Lage sein wird, ihre Aufgaben kompetent erfüllen zu können. Die bisherige Eigenständigkeit und Unabhängigkeit bietet Gewähr dafür, dass die öffentlichen Aufgaben abgestimmt auf die Bedürfnisse der Bevölkerung erbracht werden. Eine Fusion mit Bremgarten ist also für uns in absehbarer Zeit kein Thema.

Sieht das auch die Eggenwiler Bevölkerung so?

Ja, durchaus. Der Souverän hat unsere Lagebeurteilung und den eingeschlagenen Weg in der Vergangenheit bei Sachvorlagen jeweils mit überwältigender Mehrheit bestätigt. Auch der laufenden Planung des Projekts «Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckanlage» sind die Wahrung der politischen Eigenständigkeit der Gemeinde und der Erhalt der Primarschule inklusive Kindergarten im Dorf als Ziele zugrunde gelegt.

Eggenwil profitiert ähnlich wie Zufikon sehr stark von der Infrastruktur der Zentrumsgemeinde Bremgarten. Warum zieren Sie sich so?

Die Gemeinde Eggenwil entschädigt ihre Mitbenützung der Infrastrukturen der Stadt wie etwa die Oberstufenschule oder die Regionalpolizei. In diesem Zusammenhang ist auch zu bedenken, dass Bremgarten ohne die Mitfinanzierung der Nachbargemeinden verschiedene Institutionen nicht im heutigen Umfang anbieten könnte. Zudem profitiert die Stadt häufig vom Standortvorteil. Darüber hinaus besteht in Bremgarten eine grosse Anzahl von mitbenützten Einrichtungen, die entweder im Rahmen eines Gemeindeverbandes oder von privaten Trägerschaften betrieben werden.

Persönlich

Thomas Endres, 49-jährig, gehört seit 15 Jahren dem Gemeinderat Eggenwil an, davon neun als Ammann. Endres steht unter anderem den Ressorts Verwaltung, Finanzen, Steuern und öffentliche Sicherheit vor. Beruflich ist Thomas Endres bei der Friedrich Haustechnik AG, Haustechnik-Planungsbüro in Schlieren, die rechte Hand des Firmengründers. Nach Lehren als Sanitärinstallateur und Sanitärplaner bildete er sich weiter und ist nun Prokurist. Der Eggenwiler Gemeindeammann ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne (18 und 20). Als Hobbys gibt er Garten, Essen/Kochen und Reisen an.

BBA 18.05.2012 - Interview mit Thomas Endres, GA Eggenwil  [PDF, 204 KB]

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