«Taktisch durchaus geschickt»
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 26.06.2012, zur Haltung des Gemeinderates Eggenwil betreffend Beitrag an das Hallenbad Bremgarten
© Bremgarter Bezirks-Anzeiger Ausgabe 51 (26.06.2012)
Bremgarten
«Taktisch durchaus geschickt»
500 000 Franken von Wohlen an das Hallenbad? Was sagen andere Ammänner dazu?

«Der Wohler Vorstoss hat keinen Einfluss auf unseren Entscheid», sagt Eggenwils Ammann Thomas Endres. Bild: Archiv
Regionales Sportzentrum, Hallenbad Bremgarten, Eisbahn Wohlen. Die Regionalisierung von Zentrumsaufgaben scheint Dauerthema zu werden. «Wo sind die Grenzen zu ziehen?», fragt der Eggenwiler Amman Thomas Endres.
Lis Glavas
Kurz vor der Bremgarter Gemeindeversammlung am 14. Juni sprachen sich die Gemeinderäte Eggenwil, Ober- und Unterlunkhofen mittels Absichtserklärung für einen Defizitbeitrag, jedoch gegen einen Investitionsbeitrag aus. Zufikon, bisher mit einem Defizitbeitrag von 35 000 Franken am grosszügigsten beteiligt, liess einen Investitionsbeitrag offen unter der Voraussetzung, dass auch andere Gemeinden mitziehen würden. Wohlens Gemeinderat liess den Stadtrat der Bremgarter Versammlung die Bereitschaft zu einem «namhaften Beitrag» verkünden. Vier Tage später erklärte er sein Vorhaben konkret. 500 000 Franken sollen es sein (siehe Kasten).
«Eine kaum zielführende Verknüpfung»
Seine Bereitschaft zu einem höheren Betriebs- beziehungsweise Defizitbeitrag (unter Vorbehalt der Zustimmung seines Souveräns) bezifferte der Gemeinderat Eggenwil konkret. Seit 12 Jahren bezahlt die Gemeinde jährlich 3500 Franken. Zukünftig sollen es acht Franken pro Einwohner sein, was zurzeit rund 7200 Franken ergäbe. Eine Beteiligung an den Investitionskosten stehe nicht zur Debatte, wurde betont. Kann Wohlens Vorstoss dazu beitragen, den Eggenwiler Gemeinderat über Investitionsbeiträge nochmals nachdenken zu lassen?
Ammann Thomas Endres findet klare Worte. «Der taktisch durchaus geschickte Wohler Vorstoss hat keinen Einfluss auf unseren Entscheid. Obschon ein einmaliger Investitionsbeitrag auf der Wohler Berechnungsgrundlage für uns – über die Jahre hinweg betrachtet – deutlich günstiger wäre als ein jährlicher Betriebskostenbeitrag in der vorgesehenen Höhe.» Zu bedenken sei, dass Angebote wie das Hallenbad in erster Linie den Standortgemeinden Vorteile bringen und die Betriebsrechnungen ohne Mitbenützung durch Auswärtige noch wesentlich trister aussehen würden.
«Wer zahlt, will mitreden»
«Weiter stellt sich die schwierige Frage, wo die Grenzen zu ziehen sind, bei der Badi Bremgarten, bei der Eisbahn Wohlen oder erst beim Opernhaus Zürich?» Endres sieht eine Menge von kontrovers zu führenden Debatten bezüglich Kostenaufteilung und Gegenleistungen samt den mit der unverbindlichen Absichtserklärung verbundenen Bedingungen. «Wir haben die Badi Bremgarten ohne Wenn und Aber unterstützt und werden das in noch stärkerem Mass tun, wenn die Gemeindeversammlung unserem Antrag zustimmt. Aber wir tun es frei von kaum zielführenden Verknüpfungen mit ebenso legitimen Haltungen und Bedingungen anderer Gemeinden.»
Die Ammänner Ober- und Unterlunkhofens, Karl Grossen und Roger Cébe, betonten ihre Offenheit zur Regionalisierung grosser Aufgaben bereits im Zusammenhang mit dem Sportzentrum. Zum vorliegenden Fall sagt Cébe: «Einem Investitionsbeitrag stehe ich eher skeptisch gegenüber. Nach meiner Meinung müsste das Hallenbad vorerst unter eine neue Trägerschaft gestellt werden, damit solch hohe Summen gerechtfertigt sind. Ich bin der Meinung, dass grosse Anlagen nur noch finanzierbar sind, wenn sie von den umliegenden Gemeinden mitgetragen werden. Das regionale Bewusstsein muss auch hier mehr gelebt werden. Natürlich muss mitreden können, wer bezahlt.»
Karl Grossen erklärt: «Wir sind immer offen für die Zusammenarbeit mit Gemeinden im Reuss- und im Bünztal. Sie ist ein Marketinginstrument und stärkt die Region. Lieber unterstützen wir regionale Projekte, als das Geld nach Aarau in dunkle Kanäle zu schicken. Einen Obolus ans Schwimmbad werden wir sicher leisten. Unsere Schüler schwimmen zwar in Ottenbach. Aber unsere Einwohner frequentieren die Badi Bremgarten erstaunlich oft, wie neue Zahlen gezeigt haben.» Wie Wohlen sich das vorstellt, das komme für Oberlunkhofen nicht infrage. «Über Einzelheiten diskutieren wir mit dem Stadtrat, und dem möchte ich nicht vorgreifen.»
Eventuell Betriebsbeitrag, aber...
Vreni Meuwly, Widen, erklärt: «Der Gemeinderat Widen ist sich des Nutzens eines Hallenbads in der Region bewusst. Wir haben dem Stadtrat folgende Absichtserklärung abgegeben: Eine Investitionsbeteiligung kommt nicht infrage. Der Gemeinderat prüft einen Beitrag an das Betriebsdefizit unter zwei Bedingungen. Die Schule Widen soll das Hallenbad auch benützen können und es muss ein Konzept für günstigere Eintrittspreise für Wider Einwohner vorliegen.»
Auch Berikons Ammann Stefan Bossard knüpft einen allfälligen Betriebsbeitrag an die in Widen geäusserten Erwartungen. Berikon sei ausserstande, einen Investitionsbeitrag zu leisten. Ausserdem sagt er: «Eine Regionalisierung von Kosten für Einrichtungen wie das Hallenbad erscheint fraglich, wenn das erst im Rahmen einer Sanierung aufgegriffen wird. Die Regionalisierung muss je nach Situation betrachtet werden. Die Burkertsmatt wird auch von umliegenden Gemeinden genutzt und von Vertragsgemeinden finanziert.»
Angebot mit Bedingungen
Der Gemeinderat Wohlen habe die öffentliche Diskussion um die 9,1 Millionen Franken für die Sanierung der Badeanlage Bremgartens mit Interesse verfolgt. Er sei grundsätzlich bereit, dem Einwohnerrat einen Beitrag von 500 000 Franken zu beantragen. Das erklärte der Gemeinderat in einer Mitteilung. Gemäss Leitbild und Legislaturprogramm sei Wohlen offen für die aktive Zusammenarbeit mit einzelnen Gemeinden. Das dürfe aber nicht heissen, dass Zentrumsgemeinden die Lasten zu tragen haben. Regionale Lasten müssten vermehrt auch regional finanziert werden. Entsprechend wäre Wohlens Beitrag an die Bedingung geknüpft, dass andere Gemeinden mit gesamthaft etwa gleich vielen Einwohnern bereit sind, gemeinsam eine Summe in der gleichen Grössenordnung beizusteuern. Auf Nachfrage bestätigte Wohlens Ammann Walter Dubler: «Es ist kein Geheimnis, dass nach Meinung des Gemeinderats Wohlen bei der Finanzierung der neuen Eisbahn gleich verfahren werden soll. Der Gemeinderat lanciert eine spannende Diskussion, die betreffend regionale Zusammenarbeit über das Hallenbad Bremgarten hinausgeht.» --gla
Artikel BBA vom 26.06.2012 zur Finanzierung Hallenbad Bremgarten [PDF, 2.00 MB]