Geplante Erweiterung kostet viel Geld
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 26.06.2012, zum Projekt "Erweiterung/Sanierung Schul- und Mehrzweckanlage" bzw. zur Einwohnergemeindeversammlung vom 22. Juni
© Bremgarter Bezirks-Anzeiger Ausgabe 51 (26.06.2012)
Region Bremgarten
Geplante Erweiterung kostet viel Geld
Eggenwil: Schul- und Mehrzweckanlage soll für 3,4 Millionen Franken den heutigen Anforderungen angepasst werden

Der Bedarf an zusätzlichem Schulraum ist in Eggenwil ausgewiesen. Bild: Archiv/André Widmer
Aus sechs Varianten einer Vorstudie favorisierte eine Planungskommission die Version mit Anbauten an beiden Gebäuden. Kosten würde das Vorhaben schätzungsweise 3,41 Millionen Franken.
André Widmer
Die Ausbaupläne dürften kein Selbstläufer werden. Eigentlich wollte Gemeinderat Roger Hausherr an der Gemeindeversammlung einfach detailliert über die Arbeiten der 12-köpfigen Planungskommission informieren. Doch nach seinen Erläuterungen entbrannte eine engagierte Diskussion mit einigen Stimmbürgern, die zukünftig auf gewissen Widerstand aus der Bevölkerung hindeuten lässt.
Ältere Jahrgänge nach Bremgarten?
Die Gründe für die Vorbehalte: Einerseits wurde bemängelt, die Erweiterung würde nur wegen wenigen Schülern erfolgen. Man solle prüfen, ob die Fünft- und Sechstklässler nicht doch in Bremgarten zur Schule gehen könnten. «Es hat zu wenig Kinder. Die Kinder blühen andernorts auf», hiess es beispielsweise. Andererseits gab es Kritik an den Kosten und der daraus resultierenden Steuererhöhung.
Die Antwort darauf vom Gemeinderat war unmissverständlich: Die Wahrung der politischen Eigenständigkeit Eggenwils, dazu ist der Erhalt der Primarschule und des Kindergartens im Dorf ein Instrument. Das sei unverhandelbar, hiess es. Immerhin erklärte Gemeindeschreiber Walter Bürgi dann doch noch, die Möglichkeit der Verlegung älterer Jahrgäng nach Bremgarten werde noch eingehender geprüft.
Anbauten an Schulhaus und Turnhalle
Die Gemeinde sieht den Handlungsbedarf für die Investition jedenfalls gegeben. Das Stimmvolk hatte im März unter anderem dem Systemwechsel von 5 Primar-/4 Oberstufenjahren auf 6/3 zugestimmt. Zudem ist kooperatives Lernen angesagt, was Gruppenräume erfordert. Diese und weitere Gründe, so Gemeinderat Hausherr, führen zum erhöhten Raumbedarf. Ebenfalls als Argumente wurden Bedürfnisse für den Mittagstisch (derzeit im Eingangsbereich der Turnhalle) und der Vereine angeführt. Die heutigen Belegungskapazitäten der Mehrzweckhalle seien erreicht, hiess es. Favorisiert wird nach einigen Sitzungen von Planungskommission und Steuergruppen eine Variante, die sowohl Anbauten an der Mehrzweckhalle als auch westlich des Schulhauses vorsehen. Neben dem Neubau eines Volumens von 3550 Kubikmetern wird die Heizungsanlage saniert und ein Lift eingebaut. Damit würde das Gebäude behindertengerecht. Die Kosten dieses Projektes werden auf 3,41 Millionen Franken (plus/minus 20 Prozent) beziffert. Verworfen wurden andere Anbauversionen; nicht weiter verfolgt der Aufbau von zwei Stockwerken auf das bestehende Schulgebäude auch wegen Statikproblemen sowie ebenfalls nicht ein «Verbindungsbau Pausenhalle».
Der Zeitplan sieht vor, dass der Gemeinderat im Frühherbst über das Vorprojekt entscheidet und bereits an der nächsten Einwohnergemeindeversammlung vom 30. November über den Baukredit abgestimmt werden kann. Die Eile hat ihre Gründe: Verläuft alles planmässig, könnte die erweiterte Infrastruktur prompt auf das Schuljahr 2014/15 genutzt werden. Die Einführung des neuen kantonalen Schulsystems erfolgt nämlich auf diesen Zeitpunkt.
Steuererhöhung von zehn Prozent
Die Gemeinde Eggenwil verfügt derzeit über einen Steuerfuss von 98 Prozent. Seit 15 Jahren war die Tendenz sinkend. Derzeit geht man davon aus, dass die Kosten dieses Erweiterungsprojektes eine Steuerfusserhöhung erfordern. Eine Anpassung um zehn Prozent ist vorgesehen. Von 2013 bis 2019 geht man von einem starken Anstieg der Nettoschuld aus. Ab 2020 erwartet man einen Abbau der Schulden.
Weitere Berichterstattungen und Informationen zur Schulreform und zum Projekt "Erweiterung/Sanierung Schulanlage Eggenwil" können Sie hier abrufen.
Eggenwiler Austritt aus Repla Rohrdorferberg-Reusstal
Doppelspurigkeiten: Deutlicher Beschluss der «Gmeind»
53 von 622 Stimmberechtigten besuchten die Einwohnergemeindeversammlung am Freitagabend – trotz des Spiels des EM-Favoriten Deutschland. Bevor umfangreiche Informationen zur Erweiterung von Schul- und Mehrzweckanlage vermittelt wurden (siehe Haupttext), konnten die übrigen Traktanden zügig behandelt werden. Gleich zu Beginn wurde der Antrag eines Stimmbürgers, das Protokoll zurückzuweisen, mit 2 Ja zu 33 Nein deutlich abgelehnt. Beschlossen wurde der Austritt aus der Regionalplanungsgruppe Rohrdorferberg-Reusstal. Der Gemeinderat Eggenwil hat in den letzten Jahren registriert, dass sich die Ortschaft ganz einfach in verschiedener Hinsicht Richtung Bremgarten orientiert und weniger hin zur Region Rohrdorf. Weil Eggenwil gleichzeitig Mitglied in der Repla Mutschellen-Reusstal-Kelleramt ist, haben sich Doppelspurigkeiten ergeben. Gewisse Angelegenheiten würden mehrfach behandelt. Der Austritt wird per Ende 2013 vollzogen. Deutlich angenommen wurden auch die revidierten Satzungen der Repla Mutschellen-Reusstal-Kelleramt.
Pro-Kopf-Steuerertrag gesunken
Die Laufende Rechnung 2011 der Einwohnergemeinde weist einen Ertragsüberschuss von 121 000 Franken aus, der als vorgeschriebene und zusätzliche Abschreibungen verbucht wurde. Die Rechnung schliesst mit einem Finanzierungsfehlbetrag von fast 118 000 Franken. Im Budget wurde mit einem Fehlbetrag von 364 000 Franken gerechnet. Das Eigenkapital liegt bei 250 000 Franken per Ende 2011. Insbesondere überdurchschnittlich hohe Abzüge für den Liegenschaftsunterhalt, Pensionierungen von gut verdienenden Einwohnern sowie Auswirkungen der letzten Steuergesetzrevision liessen den Pro-Kopf-Steuerertrag schrumpfen.
Auch wurde über den Stand Ausbau und Sanierung Unterdorfstrasse (Bauabnahme; Einbau Deckbelag wohl erst 2013) und den ARA-Anschluss in Bremgarten (Um- und Rückbau ARA Eggenwil; Umgebungsarbeiten) informiert. Die Pumpleitung ist bereits in Betrieb. --aw
Die Beschlüsse
1. Protokoll Versammlung vom 18. November: Rückweisungsantrag 2 Ja zu 33 Nein, Hauptabstimmung 51:0. – 2. Rechenschaftsbericht: 51:0. – 3. Austritt Repla Rohrdorferberg- Reusstal: 52:0. – 4. Revidierte Satzungen Repla Mutschellen- Reusstal-Kelleramt: 53:0. – 5. Verwaltungs- und Bestandesrechnung 2011: 46 Ja zu 0 Nein.