Erdbeeren des Jungbauern Adrian Frei
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 30.05.2012: Jungbauer Adrian Frei bietet schon seit geraumer Zeit heimische Erdbeeren an
© Bremgarter Bezirks-Anzeiger Ausgabe 43 (30.05.2012)
Bremgarten/Region
«Man muss aktiv werden»
Eggenwil: Jungbauer Adrian Frei bietet schon seit geraumer Zeit heimische Erdbeeren an
Vitaminbomben aus Eggenwil: Jungbauer Adrian Frei baut Erdbeeren an. Bild: uek
Süsse rote Beeren dominieren seit einiger Zeit das Fruchtangebot der Grosshändler. Dass ihre Herkunft allserdings gar nicht immer so süss ist, wissen die wenigsten.
Tausende von Konsumenten verbinden das Ansteigen der Temperaturen und das Erwachen der Natur mit einer Lust auf Erdbeeren, welche schnell gesättigt werden muss. Dann schiessen in den Grossverteilern Schilder mit Herkunftsangabe Spanien wie Pilze aus dem Boden. Unzählige 500-Gramm-Körbchen der Köstlichkeiten, einem enormen Preiskampf unterzogen, verlassen die Filialen jeden Tag. Dass diese Tatsache Konsequenzen beinhaltet, ist nur einem kleinen Teil der Käufer bewusst.
Von Wasser und Löhnen
In der Schweiz werden pro Jahr 19 00 Tonnen Erdbeeren verspeist. Davon stammt gerade mal rund ein Drittel aus Schweizer Produktion. Der Rest kommt oft von Europas grösstem Herstellerland Spanien - genauer gesagt aus der Provinz Huelva. Die Region, berühmt für grosse Naturparks und Überwinterungsdestination von Vögeln, gleicht einem riesigen Gewächshaus. Kilometerlange Bahnen ziehen sich durch enorme Plantagen; das dazugehörende Problem in einem südlichen Land wie diesem liegt auf der Hand: Wassermangel. Illegale Brunnen - selbst in geschützten Zonen angelegt - vernichten pumpend Leben. Die 150 Liter Wasser, welche für eine Schale Erdbeeren benötigt werden, fehlen der Biodiversität dringendst.
Und nicht nur Flora und Fauna leiden unter diesen Grossbetrieben. Auch die Arbeiter, welche zu oft in Plastikbaracken hausen, leben unter schlechtesten Bedingungen. Der Import von spanischen Erdbeeren führt folglich zu Missständen auf vielen Ebenen, welche auch uns betreffen.
Regionalität als Lösung
Wieso diese unökologische Mentalität? Es wäre so einfach, Schweizer Erdbeeren anstelle der spanischen zu geniessen. Diese sind nicht nur um Längen süsser - bereits an der perfekt roten Farbe offenbart sich der Unterschied. «Man sollte sich nicht über die Verhältnisse beschweren», meint Adrian Frei. «Man muss aktiv werden.» Adrian Frei ist ein junger Gemüsebauer aus Eggenwil. Schon seit drei Jahren pflegt er mit viel Liebe ein Erdbeerenfeld und versorgt damit die dankbare Umgebungsbevölkerung. Im hofeigenen Lädeli legte er bis anhin die feldfrischen Früchte auf und gab sie zur Selbstbedinung frei. Dies stiess auf grosses Interesse. Viele Male mussten die Besucher mit «Leider ausverkauft»-Schildern enttäuscht werden.
Doch dieses Jahr wagte Adrian Frei den nächsten Schritt. Er stampfte in die Welt des Offenverkaufs. Seit Montag, dem 21. Mai, steht er jeden Abend mit seinem Stand an der Hauptstrasse und bedient die Heimkehr mit den Vitaminbomben. Doch das war nocht nicht genug für ihn: Er restaurierte deshalb selbstständig einen Zigeunerwagen und richtete in diesem ein Café ein. Das «Café Beerenstark». Dieses steht von nun an jeden Samstag auf dem Dorfplatz von Eggenwil. Als eine Erlaubnis für dieses Vorhaben eingeholt werden musste, «wurde ich von der Gemeinde mit offenen Armen empfangen», so der junge Mann. Der frisch erstellte Dorplatz, bis jetzt nur spärlich genutzt, wird auf diese Weise mit Leben gefüllt.
Glück und Vlies
Dass Adrian Frei bereits so früh mit Erdbeeren aufwarten konnte, ist nicht selbstverständlich. Viele andere Schweizer Produzenten haben dieses Jahr mit grossen Verzögerungen, ausgelöst durch den harten Winter sowie das kühle Aprilwetter, zur rechnen. Weiter zerstörten die Eisheiligen einige Kulturen. In Eggenwil jedoch hatte man Glück. Zum einen half die ideale Erdbeerlage, zum anderen handelte der Jungbauer äusserst geschickt. Während andere Versorger auf ganzzeitige Vliesbedeckung verzichteten, rannte er bei Wind und Sturm über das Feld und sorgte für die Pflänzchen; ausgestattet mit Vlies und Helfern. «Aber ich hatte natürlich auch Glück», gibt er zu. Während des extrem kalten Wetters im Winter lag auf den Feldern noch Schnee. Dieser sorgte dafür, dass die Pflanzen nicht direkt den Minustemperaturen ausgesetzt warden. All dies bewirkte, dass Adrian Frei seine grössten Anliegen leben und vermitteln kann: Regionalität und Saisonalität. «Denn früher waren Erdbeeren für mich etwas Besonderes. Und dazu gehört auch die Vorfreude.» --uek