Die richtige Variante für den Radweg?
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 26.08.2011, über den geplanten Ausbau der Kantonsstrasse zwischen Eggenwil und Künten
Die richtige Variante für den Radweg?
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 26.08.2011, über den geplanten Ausbau der Kantonsstrasse zwischen Eggenwil und Künten
© Bremgarter Bezirks-Anzeiger Ausgabe 68 (26.08.2011)
Region Bremgarten
Die richtige Variante für den Radweg?
Künten/Eggenwil: Gemeinderat Künten bemängelt kantonale Vorgehensweise und hinterfragt Linienführung entlang der K 271 nach Eggenwil

Bei der Linienführung des Radwegs entlang der K 271 müssten fast 5 Hektaren (0,45 ha, Anm. GK) Wald gerodet werden. Bilder: André Widmer
Der Ausbau der K 271 und der Radweg zwischen Künten und Eggenwil sind aus Sicherheitsgründen notwendig, da sind sich die Behörden beider Orte einig. Der Veloweg müsste aber nicht unbedingt entlang der K 271 geführt werden.
André Widmer
«Die Gemeinde Künten steht hinter dem Ausbau K 271 und einem Radweg zwischen Eggenwil und Künten, wir erachten dies als sinnvoll. Aber leider ist man vonseiten Kanton mit einer pfannenfertigen Lösung auf uns zugekommen. Wir wünschten, wir wären früher in die Detailplanungen einbezogen worden», sagt Küntens Gemeindeammann Werner Fischer im Namen der Gesamtbehörde.
Rodung von 5 Hektaren (0,45 ha, Anm. GK) Wald
Im Frühsommer wurde das Anhörungsverfahren für den Ausbau der K 271 zwischen Eggenwil und Künten und den Neubau eines Radwegs durchgeführt. Der Ausbau der Hauptstrasse ist dringend notwendig, kommt es doch im Teilabschnitt im Wald zwischen den Gemeinden aufgrund der geringen Fahrspurenbreite oft zu gefährlichen Situationen. Der Kanton plant, die Strasse von 5,70 auf 6,50 Meter zu verbreitern.
Parallel zur Strasse ist hangseitig ein Radweg mit 3 Metern Breite geplant. Dies im Rahmen der Ergänzung des kantonalen Radroutennetzes. Zwischen Veloweg und Strasse ist ein Grünstreifen von 1,50 Metern geplant. Diese Massnahme zugunsten der Sicherheit der Radfahrer erfordert einerseits das Abtragen von Erdreich, da die Strasse an einen Hang grenzt. Dazu wird aber auch eine Rodung von fast 5 Hektaren (0,45 ha, Anm. GK) Wald nötig. Diese wird jedoch mit einer Wiederaufforstung andernorts kompensiert, wobei die Suche nach einer Ersatzfläche noch nicht abgeschlossen ist.
Insgesamt kostet das gesamte Bauprojekt inklusive Strassenausbau und Veloweg 10,01 Millionen Franken. Die zwei Kilometer Veloweg sollen satte 4,274 Millionen Franken kosten. Vom Gesamtkostenanteil übernimmt der Kanton 9,3 Millionen Franken. Künten hat sich mit 605 700 Franken, Eggenwil mit 96 390 Franken zu beteiligen. Der höhere Anteil Küntens rührt von der teureren Einfahrtsbremse und dem Innerortsanteil des Velowegs her.
Bereits heute benutzen nicht alle Velo- und Mofafahrer zwischen Eggenwil und Künten die Kantonsstrasse, sondern weichen auf die Griedstrasse aus. Diese führt zwischen dem Birchraiwald und dem Hauwald durch die Holzmatt.
Kanton verwarf die Variante Griedstrasse
2002 sprach sich bei der Planung des kantonalen Radwegnetzes zwar der Gemeinderat Künten nicht gegen die Variante entlang der K 271 aus. Der heutige Gemeinderat Künten regte jedoch nach der Zustellung der Detailplanung an, dass man die Variante Griedstrasse nochmals überprüft. «So müsste weniger gerodet werden und es wäre auch kostengünstiger», erklärt Gemeindeammann Fischer. Die kantonale Arbeitsgruppe Zweiradverkehr hat die Linienführung nochmals geprüft und hielt an der Planung entlang der K 271 fest. Begründet wurde der Entscheid damit, dass die Variante K 271 ohne steile Aufstiege auskomme und so zu einer höheren Akzeptanz führe – sprich eher benutzt würde. Auch müsse der Feldweg via Griedstrasse ausgebaut werden, so die Arbeitsgruppe. «Vielleicht hätten wir früher insistieren sollen», meint Küntens Ammann Fischer.
In einer Stellungnahme äusserten sich verschiedene Gruppierungen und Parteien zum Projekt. Die Grünen Aargau unterstützen den Bau entlang der Kantonsstrasse. Mehr noch: Sie möchten gar, dass auf der Gegenseite ein zusätzlicher Radstreifen geprüft wird. Dies wegen Querungen als zusätzliche Gefahrenstelle. Dass dazu aber noch mehr Wald gerodet und Erdreichsarbeiten nötig würden, sparen die Grünen in ihrem Schreiben aus. «Ich weiss nicht, wie man das mit einer grünen Philosophie vereinbaren kann. Die Grünen würden so also etwa 10 Millionen Franken, die zwei Streifen kosten würden, in 2 Kilometer Veloweg investieren wollen», so Werner Fischer. «Eigentlich erwarte ich von einer Partei, die Regierungsverantwortung übernehmen will, eine seriösere Prüfung.»
Die BDP Aargau unterstützt die von Künten favorisierte Variante. «Die BDP schlägt daher vor, den Radweg offiziell so zu führen, wie ihn ortskundige Radfahrer auch fahren: In Künten sollen die Radfahrer die Griedstrasse benutzen und dann den Käserholzweg, der im Gemeindegebiet von Eggenwil in die alte Badenerstrasse mündet.» Auf jeden Fall sei diese Variante günstiger als die veranschlagten 4,2 Millionen Franken.
Einfahrtsbremse nach Süden verschoben
Der Gemeinderat Künten ist – wie bereits erwähnt – aber auch mit der Vorgehensweise der zuständigen kantonalen Stellen bei der Projektvorbereitung nicht glücklich. Zwar sei alles rechtlich korrekt abgelaufen, so Ammann Fischer. Beim Projekt Radweg Busslingen–Künten und der nördlichen Einfahrtsbremse/Kreisel sei der Kanton seinerzeit frühzeitig auf die Gemeinde zugekommen und in die Planungen einbezogen worden. Bezüglich der Strecke nach Eggenwil habe der Kanton aber letzten Sommer einfach eine fertige Lösung präsentiert.
«Man hat im Vorfeld die Detailplanung mit Kosten nicht mit uns angeschaut», so Fischer. Künten stiess sich sodann auch an der hohen Kostenbeteiligung von den 2010 vom Kanton vorgesehenen 800 000 Franken, die bei der Gemeinde auch nicht in den Voranschlag aufgenommen werden konnten. Immerhin ging der Kanton schliesslich auf die Vorschläge Küntens ein, die Einfahrtsbremse sinnvollerweise südlicher anzusiedeln und nicht auf der Höhe der Bushaltestelle Gried. So sank auch der Gemeindeanteil um fast 200 000 Franken. Wie sich die fast 610 000 Franken aber genau zusammensetzen, ist Künten bis jetzt noch nicht mitgeteilt worden. «Wenn wir im Herbst damit vor die Gemeindeversammlung treten sollen, müssen wir doch detailliert Auskunft geben können», erklärt Fischer. Der Kanton scheine aber nicht in der Lage, dies genau darzustellen, so Fischer. Die Transparenz lasse zu wünschen übrig.
Gemeinde Eggenwil mit Kantonsvariante einverstanden
Eggenwils Gemeindeschreiber Walter Bürgi erklärt, dass Eggenwil vom Vorgehen des Kantons überzeugt sei und an der Informationspolitik nichts auszusetzen habe. Man sei zu verschiedenen Sitzungen eingeladen worden und stehe hinter dem Ausbauprojekt K 271 mit Neubau des Radwegs entlang der Kantonsstrasse. «Unsere Anliegen wie die Verschiebung der Einfahrtsbremse und der Amphibiendurchlass sind zum grössten Teil berücksichtigt worden», so Bürgi. Zudem hat Eggenwil den Kanton darauf hingewiesen, auf einen teuren Anschluss des Sulzerwegs an die K 271 zu verzichten. Allerdings wünscht sich die Gemeinde Eggenwil aus Sicherheitsbedenken, dass talseitig die dannzumal ausgebaute Strasse mit Leitplanken zu sichern sei.
Die zuständige Stelle der Abteilung Tiefbau beim Kanton wollte auf Anfrage keine Fragen beantworten.

Die Griedstrasse müsste für das Niveau eines Radwegs ausgebaut werden.