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Halbzeit beim Naturparadies-Bau

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 07.09.2011, über das Auen- und Gewässerprojekt Hegnau an der Reuss in Bremgarten

© Aargauer Zeitung

Mittwoch, 7. September 2011 | az | www.aargauerzeitung.ch

Freiamt

Halbzeit beim Naturparadies-Bau

Hegnau Bremgarten

Im Dienst der Natur: Starker Baumaschinen-Einsatz in Reussnähe. SL

Bremgarten Das 2 Hektaren grosse Auen- und Gewässerprojekt Hegnau an der Reuss nimmt allmählich Gestalt an

Von Lukas Schumacher

Die maschinellen Eingriffe im Gebiet Hegnau sind markant. Alles in allem 50 000 Kubikmeter Erde, Lehm, Sand und Kies werden abgetragen, teils verschoben, teils wegtransportiert. Langsam werden die Konturen der geplanten neuen Landschaft sichtbar. Es entsteht ein 1,5 Hektaren grosser See, der mit der Reuss verbunden ist. Das neue Stillgewässer übernimmt die Funktion eines Altarms der Reuss und wird so zu einem Rückzugsgebiet für Fische und Amphibien.

«Es geht zügig voran»

Seit einem halben Jahr laufen die Bauarbeiten. Sie befinden sich jetzt in der Halbzeit, denn die Fertigstellung ist im März 2012 vorgesehen. «Es geht recht zügig voran», sagt Hegnau-Projektleiter Christoph Flory. Den Zeitplan könne man einhalten, sofern die Reuss keine Überschwemmungen anrichte wie in den Jahren 2005 oder 2007.

Die aufwendige Neugestaltung in der «Hegnau» steht im Zeichen der Wiederherstellung. Ein Grossteil der einst unberührten Flusslandschaft ist verschwunden und mit ihr vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen: Auenwälder, Seitengerinnsel der Reuss, Schotterbänke. Verbauungen am Fluss, die man teilweise zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angelegt hatte, schränkten die Kraft der Reuss stark ein, wie es auch beabsichtigt war. Auf der anderen Seite führten die Verbauungen zum Verlust von natürlichen Werten an den Uferpartien des Flusses.

Das Hegnau-Projekt stellt ein Mosaikstein im grossflächigen Auenschutzprogramm unteres Reusstal dar. «Total sind jetzt 50 Hektaren Auenfläche verwirklicht», sagt Flory. Das Ziel ist ehrgeizig. In einigen Jahren sollen es die Auen des unteren Reusstals auf 100 Hektaren bringen.

Ulme, Eiche, Laubfrosch, Eisvogel

An einigen Stellen wird der neue See eine Wassertiefe von über sechs Metern aufweisen. Andere, seichtere Stellen werden regelmässig überflutet und von Zeit zu Zeit trocken sein. Hier gedeihen auentypische Hartholzbäume wie Stieleichen und Ulmenarten.

Unterschiedlich steil werden die Böschungen des Naturparadieses Hegnau angelegt. Fast senkrechte Steilhänge dienen dem seltenen Eisvogel und der Uferschwalbe als Brutwände und Unterkunft. Die sanft gestalteten Böschungen eignen sich als Einstieg und Ausstieg für Amphibien und den Biber. Nebst dem See werden vier oder fünf fischfreie Tümpel geschaffen. Diese kleinen Teiche begünstigen die Entwicklung von Laubfröschen und Gelbbauchunken.

Als letzter Teil des Projekts wird die betonierte Militärstrasse am Reussufer zurückgebaut in einen bekiesten Wanderweg. Vom Wanderweg aus kann man dereinst im Stillgewässer fischen. Naturbeobachter, Erholungssuchende und Wanderer werden den dortigen Ein- und Auslauf der Reuss auf einem neuen Fussgängersteg queren.

Das kleine Paradies kostet 1,5 Millionen Franken

Bau und Gestaltung des Renaturierungsprojekts, das ganz im Zeichen der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen steht, sind zeitaufwändig und kostspielig. 1,5 Millionen kostet das Projekt. Der Bund und der Kanton Aargau übernehmen zusammen mehr als die Hälfte der Kosten. Weitere 100 000 Franken steuert der Fonds Landschaft Schweiz bei. Grosszügig verhalten sich die Ortsbürgergemeinde Bremgarten und das EWZ-Kraftwerk Wettingen. Nebst dem Hegnau-Land, das die Ortsbürgergemeinde Bremgarten für die Neugestaltung zur Verfügung stellte, zahlt sie 150 000 Franken. Das EWZ-Kraftwerk Wettingen seinerseits hat sich bereit erklärt, sämtliche Restkosten aus seinem Ökofonds zu decken. (SL)

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