Zu viel Fremdwasser und hohe Stickstoffbelastung
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 10.03.2011, über die regionale Kläranlage Kessel in Bremgarten
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Donnerstag, 10. März 2011 | az | www.aargauerzeitung.ch
Freiamt
Zu viel Fremdwasser und hohe Stickstoffbelastung
Bremgarten Regionaler Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen sucht nach tauglichen Lösungen für Kläranlage «Kessel»

von Lukas Schumacher
Der regionalen Kläranlage «Kessel» in Bremgarten fliesst nicht nur verschmutztes Abwasser über das Kanalisationsnetz zu. Auch sauberes Wasser aus Bächen, Brunnen, Drainagen und Sickeranlagen belastet die Anlage. Diesen hohen Anteil Fremdwasser will der Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen senken, dies im Verbund mit den sechs angeschlossenen Verbandsgemeinden Berikon, Bremgarten, Eggenwil, Hermetschwil-Staffeln, Widen und Zufikon.
Belastungsgrenze erreicht
Nicht nur das viele Fremdwasser schafft Probleme. Sorgen bereitet den Verantwortlichen der Anlage auch die grosse Menge Stickstoff im Abwasser. «Beim Stickstoff-Anfall läuft unsere Reinigungsanlage an der Belastungsgrenze», sagt Verbandspräsident Pius With (Hermetschwil-Staffeln), «wir bereiten Massnahmen zur Verbesserung vor». Investitionen sollen das Problem entschärfen. Falls man das Fremdwasser vermindern kann, fallen die anstehenden Investitionen kostengünstiger aus.
Kanton fordert VGEP ein
Unter dem Strich erfüllte die Anlage ihre Hauptfunktion, das Beseitigen der Schmutzstoffe im Abwasser, letztes Jahr gut. Der durchschnittliche Reinigungseffekt betrug 95,8%. Ein recht hoher Wert für die mittelgrosse Kläranlage, an die rund 20 000 Einwohner angeschlossen sind. Die Sektion Abwasser der kantonalen Abteilung für Umwelt verlangt vom regionalen Abwasserverband ein VGEP. Dieses Kürzel steht für einen generellen Entwässerungsplan im gesamten Verbandsgebiet. Der Plan soll Aufschluss darüber geben, ob das Dutzend Regenklärbecken in den sechs Gemeinden optimal bewirtschaftet wird; diese Becken halten bei ergiebigen Regenfällen einen ersten, stark verschmutzten Wasseranfall zurück und führen ihn erst dann der Kläranlage zu, wenn der Regen nachlässt oder aufhört. So wird eine Überlastung der Kläranlage vermieden. Laut Verbandspräsident Pius With erwartet man vom VGEP einen wichtigen Nachweis: Der Plan soll aufzeigen, ob man in der Nähe der Kläranlage ein weiteres Regenklärbecken bauen muss.
Änderung in Betriebsleitung
Der Bremgarter Hansruedi Bossart ist nicht mehr Betriebsleiter der Kläranlage. Er übte dieses Teilamt (40 Stellenprozente) während rund fünf Jahren aus. Verbandspräsident Pius With wollte zum Ausscheiden des Betriebsleiters und zur Nachfolgeregelung noch nicht Stellung nehmen. Er verwies auf eine Pressemitteilung, die den Zeitungen in den nächsten Tagen zugeschickt werde.
KLÄRANLAGE BREMGARTEN: FAST 4 MIO. KUBIKMETER ABWASSER
2010 wurden der Kläranlage 3,8 Millionen Kubikmeter Abwasser aus Haushaltungen und Gewerbebetrieben zugeführt. Rund 25 600 Kubik Frischschlamm fielen an. Weitere 7200 Kubik Faulschlamm aus benachbarten Kläranlagen wurden in Bremgarten entwässert und zur Trocknung nach Mellingen transportiert.
Die Anlage «Kessel» wurde vor 36 Jahren gebaut und mehrfach modernisiert. Dem Abwasserverband Bremgarten-Mutschellen als Betreiber der Anlage gehören seit Anfang 2011 nicht mehr nur die fünf Gemeinden Berikon, Bremgarten, Hermetschwil-Staffeln, Zufikon und Widen an, sondern neu auch Eggenwil. Damit steigt die Zahl der angeschlossenen Einwohner auf über 20 000. Blick auf die Kosten: Der jährliche Betrieb und Unterhalt der Kläranlage beläuft sich aktuell auf rund 1,8 Mio. Franken. Gedeckt werden die Kosten hauptsächlich durch die jährlichen Beiträge der Verbandsgemeinden.
Letztes Jahr zahlten die Gemeinden 1,55 Mio. Franken, wobei das Verursacherprinzip zur Anwendung kommt. Grössere Gemeinden mit mehr Einwohnern (und grösseren Abwassermengen) zahlen höhere Beiträge als kleinere. Deutlich angestiegen sind die Kosten pro Kubik Abwasser. 2009 kostete ein Kubik 31,5 Rappen, 2010 hingegen 40,7 Rappen. (SL)