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Von Füchsen und Menschen

Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 31.12.2010, über Jagdaufseher Eduard Staubli

© Bremgarter Bezirks-Anzeiger Ausgabe 103 (28.12.2010)

Region Bremgarten

Von Füchsen und Menschen
Künten/Eggenwil: Eduard Staubli hört nach 52 Jahren als Jagdaufseher auf

Jagdaufseher Eduard Staubli
Eduard Staubli mit seiner 80-jährigen, englischen Doppelflinte. Künftig geht es ohne Gewehr in den Wald. Bild: André Widmer

Tiere, welche bei Unfällen sterben, wachsende Fuchspopulationen, der Vorstoss von Wildtieren in die Siedlungsräume: Eduard Staubli ist die Arbeit nie ausgegangen. Nun gibt er sein Amt auf – mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

André Widmer

Am heutigen Silvesterabend wird Eduard Staubli aus Künten noch einmal seine Flinte schultern, den Jägerhut aufsetzen und sich ins Jagdrevier Eggenwil-Widen begeben, um seines Amtes zu walten. Es wird seine letzte Tour als Jagdaufseher sein. 52 Jahre bekleidete er das Amt, zuerst in Sulz und Künten, danach in der Nachbargemeinde. «Nun bin ich 83-jährig und es reicht. In den Wald kann ich weiterhin, auch ohne zu schiessen», sagt der rüstige Sulzer. Er hat Tränen in den Augen, als er vom guten Kontakt zu den Eggenwiler Behörden erzählt.

Eduard Staublis Faszination für die Jagd begann in den 50er-Jahren, als ihn sein Nachbar mit zur Treibjagd nahm. Der damalige Sulzer Jagdaufseher Hans Fischer suchte einen Nachfolger – Staubli übernahm während elf Jahren die Verantwortung über das Sulzer Gebiet, später kam auch Künten hinzu. In den 70ern wurde Staubli schliesslich zum Jagdaufseher des Reviers Eggenwil Künten – ein rund 410 Hektaren grosses Gebiet.

Sechs bis zehn Unfalltiere pro Jahr

Die Aufgaben eines Jagdaufsehers beschränken sich nicht nur auf die Regulierung des Wildtierbestandes auf dem Gebiet seines Reviers. Auch wenn ein Tier angefahren wird, hat er auszurücken und den Kadaver einzusammeln. Ist das Tier schwer verletzt noch am Leben, erfolgt der «Gnadenschuss».

Eduard Staubli hat in den letzten Jahren beobachten können, dass sich die meisten Autofahrer nach einem Unfall melden. «Der Autofahrer muss nichts bezahlen, solange er sich meldet. Bei Führerflucht kann es bei einem Reh 300 Franken kosten», so Staubli. Und unschön wirds auch für den Jagdaufseher, wenn er erst spät zum toten Tier gerufen wird: Es kann passieren, dass der Fuchs vorbeikommt und den Rehkadaver ausnimmt. Eduard Staubli musste jährlich sechs- bis zehnmal zu Unfalltieren ausrücken. Staubli ärgert sich darüber, dass verunfalltes Wild seit einigen Jahren nicht mehr in der Jagdstatistik auftauchen dürfe. Schliesslich würden, wenn es mehr Unfalltiere gebe. auch die Wildtierbestände mehr abnehmen, argumentiert Eduard Staubli.

Der Fuchs in der Scheune

Die Populationen der verschiedenen Wildtierarten haben sich unterschiedlich entwickelt. «In den letzten zwei Jahren habe ich keinen Feldhasen gesehen», erzählt Staubli. Hecken und Feldgebüsche gebe es nicht mehr so viele, folglich ist der natürliche Lebensraum kleiner geworden. Zudem sei auch der Verkehr des Hasen Tod. «So oder so habe ich in den letzten 30 bis 35 Jahren keinen Feldhasen mehr geschossen. Denn ich befürchtete, es könnte jeweils der letzte sein.»

Anders präsentiert sich die Situation bei der Fuchspopulation. «Meister Reinecke» ist in der Region Bremgarten gut vertreten. «Einmal rief mich ein Mann aus Widen an, der beim Eulenkreisel zwei ältere Tiere mit sechs Jungfüchsen gesehen hatte», erzählt Staubli. Dass die Füchse immer mehr in die Siedlungsräume vorstossen, hat nicht nur damit zu tun, dass die Wohngebiete wachsen, sondern auch wegen Unachtsamkeit der Menschen. Abfallsäcke, die am Vorabend der Abfuhr bereits im Freien deponiert werden. Dies bedeutet ebenso ein gefundenes Fressen wie der Umstand, dass Haustiere wie Katzen und Hunde vor dem Haus gefüttert würden. Es sei schon vorgekommen, dass er ganze Fuchsfamilien in Scheunen oder bei Häusern angetroffen habe, erzählt Staubli weiter.

Hunde, ihre Halter und die Tollwut

Doch nicht nur in diesem Zusammenhang sorgen die Menschen für Probleme. Dass immer mehr Leute Hunde halten würden und diese in Waldnähe oder im Wald ohne Leine laufen lassen, ist auch eine Sorge des Jagdaufsehers. Weist er die Hundehalter auf ihr Fehlverhalten hin, hat sich Eduard Staubli auch schon unangebrachte Kommentare und Antworten anhören müssen. Nur gerade die Tollwutepidemie in den Schweizer Wäldern in den 80er-Jahren habe die «Hündeler» zur Vernunft gebracht. In Sorge um ihren Vierbeiner hielten sie diesen an der Leine.

An die Tollwut kann sich Eduard Staubli noch gut erinnern. «Die Kadaver mussten wir damals jeweils ins toxikologische Institut nach Bern einschicken.» Hatten Haustiere wie Katzen und Hunde Kontakt mit den herumtorkelnden Füchsen, mussten auch sie eingeschläfert werden. Der Einsatz von Gas in Tierbauten im Wald war nicht sehr erfolgreich. Erst mit den impfstoffpräparierten Hühnerköpfen wurde schliesslich dem Virus der Garaus gemacht.

Schluss mit nächtlichen Anrufen

Ab dem 1. Januar 2011 ist es nun vorbei für Eduard Staubli mit nächtlichen Telefonaten, die ihn zum Einsatz rufen. In den letzten Jahren musste ihn jeweils seine Frau Anna aus den Federn holen, da das Gehör nicht mehr so gut mitmachte. «Und mit 80 ist man auch etwas müde», erzählt er. Früher war übrigens Anna Staubli auch dabei, wenn man nach dem Mähen Wildtiere suchen musste. Sie unterstützte Eduard in seiner Leidenschaft. «Ich habe das gerne gemacht, schliesslich machte ihn diese Tätigkeit glücklich und zufrieden», so die Ehefrau.

Wieso Eduard Staubli bis ins hohe Alter das Amt des Jagdaufsehers ausgeübt hat, erklärt er sich ganz einfach: «Man muss Freude daran haben und nicht nur die Jagd, sondern auch Wald und Mensch mögen.»

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