«Mich fasziniert der Autorennsport»
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 21.08.2010, über die Pferdedressur-Schweizer-Meisterschaft in Eggenwil
© Aargauer Zeitung / MLZ; 2010-08-21
Samstagsgespräch
«Mich fasziniert der Autorennsport»
Gespräch mit Martin Kroll, dem OK-Chef der Pferdedressur-Schweizer-Meisterschaft in Eggenwil
Am Freitag begann die Schweizer Meisterschaft im Dressurreiten auf der Anlage Hofor in Eggenwil. OK-Präsident Martin Kroll aus Widen ist kein Rösseler. Mehr Spass machen ihm das Ausrichten dieses Events und der Motorsport.
Lukas Schumacher
Herr Kroll, wie oft pro Woche reiten Sie aus?
Martin Kroll: Nie. Ich sass in meinem Leben vielleicht dreimal auf einem Pferd. Eine ausgesprochene Pferdeliebhaberin ist meine Frau Claudine. Wegen ihr kauften wir vor acht Jahren die Anlage Hofor hier in Eggenwil.
Sie arbeiten doch auf dem Betrieb mit?
Martin Kroll: Ja, aber nur im Hintergrund. Ich bin von Beruf Kaufmann und zuständig für die Büroarbeiten, die Buchhaltung und die anderen anfallenden Schreibarbeiten. Den ganzen aufwändigen Pferdebetrieb mit den Pensionspferden und unseren eigenen Pferden leitet Claudine sehr kompetent.
Zu Ihren Kompetenzen gehört bestimmt das Ausrichten grösserer Pferdesportanlässe?
Kroll: Ich denke schon. Das macht mir auch Spass. Nach einigen grösseren Dressurprüfungen in Eggenwil dürfen wir jetzt mit der Organisation der nationalen Meisterschaften ein Ausrufezeichen setzen. Das ginge nicht ohne mein sehr gutes OK-Team und 50 freiwillige Helfer, die uns unterstützen. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Vor drei Jahren lief die Planung an.
Wie schwierig war die Sponsorensuche?
Kroll: Es war nicht ganz einfach, hat aber letztlich gut geklappt. Alles in allem beträgt das Budget für die Schweizer Meisterschaft 200 000 Franken. Das ist kein Pappenstiel.
Nach dem nationalen Höhepunkt wäre in Eggenwil ein internationaler Pferdedressur-Anlass fällig.
Kroll: Das wäre schön, ist aber nicht realistisch. Wir müssten in der näheren Umgebung, also im Reusstal, 250 Hotelzimmer vorweisen können. Das schaffen wir beim besten Willen nicht.
Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie?
Kroll: Das prächtige Wetter kommt uns entgegen. Ich erwarte rund 600 Besucher. Bei schlechtem Wetter hätten wir wohl mir 300 vorliebnehmen müssen. Selbstverständlich ist der feine Pferdedressursport mit Pirouetten und Piaffen ein Randsport und weniger populär als Fussball und andere Sportarten.
An diesem Wochenende steht ein ganz anderer Sportanlass im Mittelpunkt des Geschehens.
Kroll: Klar, das Eidgenössische Schwingfest in Frauenfeld, ein grosser Knaller. Die Hälfte unserer geladenen Ehrengäste hat wegen des Eidgenössischen abgesagt.
Enttäuscht darüber?
Kroll: Nein, es ist aber schade. Wir hoffen, dass stattdessen einige Familien aus der Umgebung den Weg auf die Hofor-Anlage finden. Die Atmosphäre ist friedlich und familiär, man kann sich verpflegen und niemand muss Eintritt zahlen.
Weshalb betreut der Kiwanis Club Mutschellen den Getränkestand?
Kroll: Das ist eine schöne Geschichte. Die Kiwaner verrichten unseren Getränkeservice, wofür sie selbstverständlich finanziell entschädigt werden. Mit dem Geld finanzieren sie ein wichtiges Projekt in der Nähe mit, den neuen Spiel- und Erlebnisplatz beim Haus Morgenstern in Widen. Das finde ich toll.
Was unternimmt der Kaufmann und Unternehmer Martin Kroll in der Freizeit?
Kroll: Meine grosse Leidenschaft ist der Motorsport, Rennautos faszinieren mich. Demnächst bestreite ich nach längerer Abstinenz wieder Autorennen. Das Comeback steht bevor.
Warum verabschiedeten Sie sich vorübergehend vom Rennsport?
Kroll: Ehefrau Claudine und ich trafen eine Abmachung. Ich versprach, erst wieder am Steuer eines Rennwagens zu sitzen, wenn das älteste unserer beiden Kinder zehnjährig ist. Bald ist es so weit. Am 17. Oktober starte ich auf der Rennstrecke in Dijon.
Ein einmaliger Renneinsatz?
Kroll: Nein, eine Serie mit mehreren Rennen auf mehreren Strecken. Ich nehme an der französischen Tourenwagenmeisterschaft teil.
Mit welchem Gefährt?
Kroll: Mit einem BMW, dessen Motorenleistung bei 420 PS liegt.
ZUR PERSON
Der 48-jährige Martin Kroll, auf dem Bild mit Ehefrau Claudine und der 19-jährigen Stute Kaprice, die auf der Pferdesportanlage Hofor in Eggenwil das Pensionsalter geniesst, ist von Beruf Kaufmann. Dem Schweizer Pferdedressurverband steht er als Präsident vor. Das Ehepaar Kroll wohnt mit seinen beiden Kindern im Alter von 8 und 9 Jahren in Widen. (SL)
Kleiner Heimvorteil für zwei Reiterinnen aus dem Freiamt
An der Schweizer Meisterschaft stehen aus regionaler Sicht die Jonerin Sabrina Ackermann und die Eggenwilerin Annemarie Järmann im Blickpunkt
Unter den 50 Dressur-Reiterinnen und -Reiter in Eggenwil befinden sich zwei Teilnehmerinnen aus dem Freiamt: Reitlehrerin Annemarie Järmann (Eggenwil) und Kanti-Schülerin Sabrina Ackermann (Jonen).
Intensive Vorbereitung
Elite-Reiterin Annemarie Järmann gehört dem nationalen B-Kader an. Die Eggenwilerin hat eine intensive Vorbereitung auf die Schweizer Meisterschaft hinter sich. Sie trainierte sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz beim mehrfachen Schweizer Meister Hans Staub. Ihre Zielsetzung für die Titelkämpfe in Eggenwil: «Ich will ein gutes Programm zeigen.» Reitlehrerin Annemarie Järmann führt ein Pferd ihrer Arbeitgeberin Claudine Kroll ins Dressurviereck, die 13-jährige Hannoveranerstute Athene. Alle drei Elitebewerbe � Inter II, Grand Prix, Grand Prix Kür � bestreitet das Paar nicht. «Die Kür lassen wir aus. Athene hat Mühe mit einigen Kür-Elementen.»
Juniorenalter vorbei
Leidenschaft und viel Talent bescheinigen Fachleute der 19-jährigen Freiämterin Sabrina Ackermann. Den eindrücklichen Beweis dieser Einschätzung lieferte die Jonerin letztes Jahr mit dem Gewinn des Dressur-Schweizer-Meister-Titels bei den Junioren. Auf der Hofor-Anlage in Eggenwil hängen die Trauben für Sabrina Ackermann höher. Die dem Juniorenalter entwachsene Kanti-Schülerin, die in Aarau die Sportklasse absolviert, tritt jetzt in der Kategorie «Junge Reiter» an. «Da weht ein anderer Wind, die Tempi und Schwierigkeiten sind grösser», gibt die Freiämterin zu verstehen. Sie und ihr 12-jähriger Westfalenwallach Flint Star konnten sich bei ersten Wettkämpfen in diesem Jahr an die erhöhten Anforderungen gewöhnen. Das stimmt Sabrina für Eggenwil recht zuversichtlich.
Programm Samstag/Sonntag
Heute Samstag ab 9 Uhr stehen Teilprüfungen für die 50 Reiter in allen vier Kategorien, «Pony», «Junioren», «Junge Reiter» und «Elite», auf dem Programm. Am Sonntag zeigen die 50 Teilnehmenden ab 8 Uhr ihr Kürprogramm als Abschluss der Meisterschaft. (sl)