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Schlechteste Spargel-Ernte seit 20 Jahren

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 22.06.2010, über die Ertragseinbussen der Freiämter Gemüsebauern

© Aargauer Zeitung / MLZ; 2010-06-22


Freiamt

Schlechteste Spargel-Ernte seit 20 Jahren

Verspätete Ernte, geringere Ausbeute und mehr Pilzkrankheiten: Das miese Wetter macht den Gemüsebauern zu schaffen.

Fabian Muster

Das Jahr war bisher alles andere als erfreulich für die Landwirtschaft. Insbesondere die Gemüsebauern hatten unter den Wetterkapriolen zu leiden. «Im März kurz nach dem Säen kam die Kältewelle, im April war es trocken und warm, im Mai zu feucht», fasst Matthias Bollinger zusammen. Laut dem Inhaber der Bollinger Gemüsebau in Eggenwil verspätet sich die Ernte um 10 bis 14 Tage. Ein Phänomen, das auch die anderen angefragten Gemüsebauern beobachtet haben. Dies macht Bollinger bereits zu schaffen: Weil die Einnahmen später als üblich eintreffen, ist er mit gewissen Lohnzahlungen an seine Mitarbeiter leicht in Verzug.

Auch Pilzkrankheiten und Schädlinge seien zurzeit ein grosses Thema, sagt Bollinger. «Der Befall kann sich sogar noch verstärken, wenn es bei dieser Feuchtigkeit wärmer wird.» Von da her sei es gar nicht so schlecht, wenn die Temperatur bei der jetzigen Nässe nicht so hoch sei.

Erdbeeren leiden an Fäulnis

Ein erstes negatives Resümee musste auch Florian Kuhn vom Sonnhaldenhof in Wohlen ziehen. «Wir hatten bei den bereits geernteten Spargeln seit 20 Jahren nie mehr so einen schlechten Ertrag.» Vor allem bei den Grünspargeln, die über dem Boden wachsen, ist die Ausbeute weitaus geringer ausgefallen als letztes Jahr. «Es war besonders in den Nächten oft zu kalt, sodass sie nur durch den Tag wachsen konnten.» Die Erdbeeren, die zurzeit gerade gepflückt werden, leiden zum Teil an Fäulnis. «Für eine Spritzbehandlung ist es nun zu spät. Wir sortieren die faulen Exemplare beim Ernten einfach aus.» Die Himbeeren hingegen, eine Spezialität des Sonnhaldenhofs, sind auf Kurs.

Wer auf Salat gesetzt hat, hat bislang Pech gehabt. «Ein Salatfeld von rund 30 Aren mussten wir bereits mulchen», sagt Trudi Wildi aus Aristau. Was ist passiert? Wegen des feuchten Wetters wächst das Grünfutter zu schnell und wird zu gross. Die Grossverteiler sind an der Ware jedoch nur bis zu einer bestimmten Grösse interessiert. Dazu kommt laut Wildi, dass mit kühleren Temperaturen weniger grilliert und damit weniger Salat konsumiert wird. Durch das schnellere Wachstum wird der Markt zugleich mit Salat überschwemmt. Die geringere Nachfrage und das erhöhte Angebot drücken zudem auf die Preise.

Ernteausfall ist Berufsrisiko

Alois Kohler plagen andere Sorgen. Er ist bei der sozialen Institution Murimoos für den Feldbau zuständig. «Die Gemüsesorten sind anfälliger auf Pilzkrankheiten», erklärt er. Der Bio-Betrieb in Muri darf allerdings nur Steinmehl und Kupfer zur Bekämpfung einsetzen. Mittel, die Kohler momentan nicht viel nützen: «Solange die Blätter der Pflanzen nicht trocken sind, können wir nichts spritzen, weil die Sache sonst runterläuft.» Betroffen sind vor allem Kartoffeln und Zwiebeln.

Gegen die Ernteausfälle können sich die Gemüsebauern nicht versichern. «Das gehört zum Berufsrisiko», sagt Florian Kuhn vom Sonnhaldenhof in Wohlen. Nur gegen Unwetterschäden wie Hagel existieren Absicherungsmöglichkeiten.

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