Ein kleines Naturparadies mit einem See und Teichen
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 14.05.2010, über das kantonale Auen- und Gewässerprojekt «Hegnau»
© Aargauer Zeitung / MLZ; 2010-05-14
Freiamt
Ein kleines Naturparadies mit einem See und Teichen
Das kantonale Auen- und Gewässerprojekt «Hegnau» in Bremgarten mit Kosten von 1,25 Millionen Franken ist spruchreif geworden
Attraktives Renaturierungsvorhaben im Reussgebiet auf Bremgarter Boden: Im Winter soll ein See in Form eines natürlichen ehemaligen Flussarms angelegt werden.
Lukas Schumacher
Im Gebiet der Reussschleifen zwischen Bremgarten, Eggenwil, Künten-Sulz und Fischbach-Göslikon sind in den letzten Jahren mehrere Vorhaben zur Aufwertung der Natur verwirklicht worden. So zum Beispiel das Grossprojekt «Foort» in Eggenwil auf 11 Hektaren oder das Projekt «Eggenwiler Sporen» im Gemeindegebiet Bremgarten.
Im Mittelpunkt dieser Vorhaben stand die Wiederherstellung von Auenlandschaften. Das gilt auch für das nun spruchreif gewordene neue Projekt «Hegnau» in Bremgarten.
Sandfang, Auenwald
In der «Hegnau» unweit der Gemeindegrenze zu Fischbach-Göslikon schlägt die Reuss einen markanten Bogen. Hier, auf der Innenseite der Reusskurve, soll ein See mit einer Wasserfläche von 16000 Quadratmetern entstehen. Das geplante neue Stillgewässer wird in Form eines natürlichen früheren Flussarms der Reuss gestaltet.
Ein Sandfang soll den Zufluss des Reusswassers in den See ermöglichen. Das neue Gewässer wird unterschiedliche Tiefenzonen von bis zu 6,4 Metern aufweisen, sodass ein Grossteil der Fläche ständig überflutet ist. Einige Stellen werden nur von Zeit zu Zeit überschwemmt, bleiben also gelegentlich trocken. An diesen Stellen soll ein Hartholzauenwald gedeihen, wobei man die recht zahlreichen standortfremden Fichten entfernen wird. Im neuen Auenwaldreservat muss 50 Jahre auf die forstwirtschaftliche Pflege und Nutzung verzichtet werden.
Teiche, Eisvogel, Brücke
Nebst dem See sollen in der «Hegnau» mehrere kleine Amphibien-Teiche angelegt werden. Angepasst ans heute bestehende Gelände will man Böschungen mit unterschiedlichen Neigungen erstellen. Dies in der Absicht, dass Eisvögel und möglicherweise auch Uferschwalben die neuen Steilwände dereinst zum Brüten nutzen.
Bei der Einmündung in den See sieht das Projekt ein neues Brücklein vor, einen Fussgängersteg. Die bestehende Asphaltstrasse, die als Militärstrasse dient, will man zurückbauen, sie mit einer Kieskofferung versehen und fortan als Forststrasse nutzen. Keine Veränderung erfährt das bestehende Wanderwegnetz.
Kostenschlüssel, Zeitplan
«Hegnau»-Projektleiter ist Christoph Flory von Pro Natura Aargau. Flory geht davon aus, dass die Arbeiten im Winter 2010/2011 ausgeführt werden können. Die Einweihung der umgestalteten «Hegnau» soll im April 2011 staffinden.
1,25 Millionen Franken betragen die Gesamtkosten des Renaturierungsvorhabens. Der Bund und der Kanton Aargau zahlen zusammen 800000 Franken. 200000 Franken steuert der Ökofonds des Kraftwerks Wettingen bei, weitere 100000 Franken überweist der Fonds Landschaft Schweiz. Der Ortsbürgergemeinde Bremgarten als Besitzerin der Waldparzelle verbleiben somit Restkosten im Betrag von 150 000 Franken.
«Ein tragfähiges Projekt»
Am 1. Juni stimmen die Ortsbürger Bremgarten über das «Hegnau»-Projekt und den ortsbürgerlichen Realisierungsbeitrag von 150000 Franken ab. Die Fischereikommission der Ortsbürgergemeinde befürwortet das Vorhaben ohne Vorbehalt. Die Kommission spricht von einem «tragfähigen, soliden Projekt» und weist darauf hin, dass später in Teilbereichen des neuen Sees gefischt werden darf.
Finanziert werden soll der Ortsbürger-Obolus aus dem AEW-Fonds, in dem sich gut 213000 Franken befinden. Der Fonds enthält Entschädigungszahlungen des Stromkonzerns AEW Energie AG an die ortsbürgerliche Fischenz. Auf diese Art werden fischereiwirtschaftliche Dauerschäden abgegolten, die im Zusammenhang mit dem Staugebiet des Wasserkraftwerks Bremgarten entstehen.
Reuss-Auenlandschaft
«Die Reuss im Mittelland soll sich zu einem vernetzten, naturnahen und dynamischen Flussabschnitt entwickeln», heisst es im Reusskonzept. Verschwundene ehemalige Auenlandschaften sollen wiederhergestellt werden als Gebiete, die zeitweise überschwemmt werden. Der Kanton schreibt dazu: «Reste einstiger Auen bedecken nur noch 0,3 Prozent der Fläche der Schweiz. Dort gedeihen aber 40 Prozent aller schweizerischen Pflanzenarten. Ähnlich ist das Verhältnis bei den Tieren.» So sollen auch im Gebiet «Hegnau» in Bremgarten insbesondere Harthölzer wie Stieleichen und Ulmenarten gedeihen. Neuer Lebensraum für vielerlei Tierarten soll entstehen: für Falter- und Käferarten, für Libellen, Molche, Frösche, Kröten, Igel und Biber. (sl