«Der Zeitmesser tickt unerbittlich»
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 07.01.2010, über das 40-Jahr-Arbeitsjubiläum der Pflegefachfrau Celia Jakopitsch der Spitex Region Bremgarten
«Der Zeitmesser tickt unerbittlich»
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 07.01.2010, über das 40-Jahr-Arbeitsjubiläum der Pflegefachfrau Celia Jakopitsch der Spitex Region Bremgarten
© Aargauer Zeitung / MLZ; 07.01.2010
Freiamt
«Der Zeitmesser tickt unerbittlich»
Spitex Region Bremgarten feiert 40-Jahr-Arbeitsjubiläum der Pflegefachfrau Celia Jakopitsch
Celia Jakopitsch (61) ist eine der bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten im Reussstädtchen. Seit exakt vier Jahrzehnten betreut sie Kranke und Pflegebedürftige.
Lukas Schumacher
1970 begann die Urnerin Celia Valsecchi als 21-jährige Gemeindeschwester in Bremgarten zu arbeiten. Beim Stellenantritt musste sie versprechen, fünf Jahre zu bleiben. Das hatte Celia (= die Himmlische) anfänglich vor. Es kam dann ganz anders. Sie schlug hier Wurzeln, heiratete Franz Jakopitsch, wurde Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern und leistet seit inzwischen 40 Jahren einen enormen Einsatz zugunsten der Pflegebedürftigen in Bremgarten und Umgebung. Ihre Fürsorglichkeit und Herzlichkeit trugen ihr einst den Beinamen «die Gütige» ein und später, im Laufe der Jahre, die liebevolle Bezeichnung «s'Müetti».
Im Wandel der Zeit
Celia Jakopitsch-Valsecchi hat die Geschichte des lokalen Krankenpflegevereins und der später aus dem Verein hervorgegangenen Spitex Region Bremgarten stark geprägt. In den 1970er-Jahren bildete sie, gemeinsam mit zwei Ingenbohler Ordensschwestern und dem Arzt Franz von Streng, das Quartett an der Pflege- und Betreuungsfront.
Damals ging es weniger hektisch zu als heute. Celia Jakopitsch und die beiden Ordensschwestern verrichteten in jenen Zeiten zusätzliche Arbeiten bei den Betreuten. Hin und wieder erledigten sie deren Einkäufe, machten Hausarbeiten, brachten Patienten zum Arzt und konnten das Zwischenmenschliche bei Gesprächen mit den Betreuten pflegen. «Diese Zeiten sind leider vorbei», sagte die Jubilarin, «bei der heutigen Pflege tickt der Zeitmesser unerbittlich.» In der Tat müssen Celia Jakopitsch und ihre Kolleginnen heute ein elektronisches Zeiterfassungsgerät mit sich führen. Pro Kunde und Betreuungsleistung steht eine strikt vorgegebene Zeit zur Verfügung. Reicht die vorgesehene Pflegezeit nicht mehr aus und/oder sind Zusatzleistungen nötig, muss möglichst rasch ein Arztzeugnis eingeholt werden und, darauf abgestützt, die Kostengutsprache durch die Krankenkasse des Patienten entsprechend angepasst werden.
Das rigorose Zeitmanagement und Zeitverrechnen bereiten der leidenschaftlichen Pflegefachfrau Kopfzerbrechen. Sie weiss aber auch, dass es «wegen der hohen Kosten im Gesundheitswesen ohne Zeitmesser halt nicht mehr geht». Falls erforderlich nimmt sich Celia Jakopitsch dennoch mehr Zeit als einberechnet für die Betreuten, notabene auf Kosten ihrer eigenen Freizeit.
Zusatzferien und Präsente
Zu Ehren der populären Jubilarin stieg im Spitexzentrum an der Zugerstrasse in Bremgarten eine Feier. Rund 30 Personen nahmen daran teil, unter ihnen Vertreter von Gemeindebehörden. Spitex-Präsidentin Erna Staub (Eggenwil) und ihr Vorstandsteam belohnten den immensen Einsatz von Celia Jakopitsch mit drei zusätzlichen Ferienwochen. Der einstige Spitex-Vorsitzende Stephan Gottet hielt eine launige Laudatio. Vielerlei Geschenke, darunter ein reich beladener kleiner Leiterwagen, wurden Celia Jakopitsch überreicht.
Die Spitex-Kolleginnen der Jubilarin, das Team der Krankenpflegerinnen und jenes der Hauspflegerinnen hatten ein Spezialbuch angefertigt. Daraus lasen sie einige Episoden vom Leben und Wirken der gleichermassen bekannten wie beliebten Bremgarterin vor. Unter anderem war zu erfahren, dass Celia Jakopitsch in ihrer Berufszeit zweimal als Hebamme aktiv sein musste respektive durfte. Bei einer der beiden Geburten liess ihr der zuständige Arzt per Auto die nötigen Instrumente bringen und ausrichten, sie könne das sehr gut alleine, ohne seine Präsenz. Es kam tatsächlich gut, die Mutter und das Baby, ein Knabe, waren wohlauf.
Bis zu ihrer Pensionierung in drei Jahren will Celia Jakopitsch ihren geliebten Pflegeberuf im Dienst der Spitex weiter ausüben. Einen ganz anderen Dienst zog sie vor exakt zwei Jahrzehnten auf, wie an der gediegenen Jubiläumsfeier zu vernehmen war. Celia Jakopitsch war 1990 die treibende Kraft bei der Einführung des Haus-Mahlzeitendienstes.