«Fantastischer Tag für Region»
Artikel Sonntag/MLZ, Ausgabe vom 14.02.2010, über den Spatenstich zum Bau des Mutscheller Sport-, Freizeit- und Begegnungszentrums auf dem Burkertsmatt-Areal in Widen
© Sonntag / MLZ; 14.02.2010
«Fantastischer Tag für Region»
Spatenstich zum Bau des 24 Millionen Franken teuren Mutscheller Sport-, Freizeit- und Begegnungszentrums
Auf dem Burkertsmatt-Areal in Widen haben am Samstagnachmittag 600 Leute den Bauauftakt fürs Zentrum Mutschellen gefeiert. Dies 15 Jahre nach dem ersten konkreten Planungsschritt der Regionalanlage.
«Das ist ein fantastischer Tag für die ganze Region Mutschellen», freute sich Gastgeberin und Wider Gemeindeammann Vreny Meuwly am Mikrofon von Spatenstich-Moderator Roger Spillmann. Es sei aber auch höchste Zeit gewesen, fügte Meuwly hinzu. In der Tat hatten Einsprachen und Beschwerden vereinzelter Wider Anwohner den Erstellungsbeginn des Grossprojekts um fünf Jahre verzögert. Vergleichsweise äusserst kurze Verzögerungen musste die rund 600-köpfige Festgemeinde am Verpflegungsstand auf dem Burkertsmatt-Gelände hinnehmen. Kostenlos konnte man hier Punsch oder heissen Tee beziehen; weitere Getränke gab es zum Selbstkostenpreis und Grillbratwürste samt Brot gar zum Preis wie anno dazumal: für bescheidene zwei Franken.
In der Baggerkabine sass der höchste geladene Spatenstich-Gast, Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer. «Eine grosse Ehre und eine grosse Freude für mich», schmunzelte die Aargauerin, «zumal das Zentrum dem Vernehmen nach in den 70er-Jahren angedacht worden war und die Idee somit ungefähr gleich alt ist, wie ich es bin.» Den Mutschellen bezeichnete Bruderer als starke, attraktive und lebensfrohe Region. Sie sei gelegentlich hier bei Freunden zu Gast und habe früher selber eifrig Handball gespielt. Ihr aktuelles Sportprogramm sei bescheidener, es umfasse Langlauf, ein wenig Joggen sowie Spaziergänge mit ihrer Labradorhündin.
Ebenfalls unter den geladenen Gästen weilte der ehemalige Aargauer Regierungsrat und einstige Beriker Gemeindeammann Rainer Huber. Zusammen mit dem früheren Wider Ammannkollegen Erwin Günther hatte Huber die einstige Sportzentrums-Idee neu lanciert, wobei damals noch ein Hallenbad und ein Wellness-Bereich zum Zentrumsvorhaben gehörten. Bad und Wellness fielen dem Rotstift zum Opfer. Das aktuelle Projekt, das jetzt unter der Regie der Generalunternehmung Karl Steiner AG verwirklicht wird, kommt samt aufgelaufener Teuerung auf 24 Millionen Franken zu stehen. 4 Millionen steuert der Kanton aus dem Sporttoto-Fonds bei, sodass die Nettobelastung der Mutschellengemeinden Widen, Berikon und Rudolfstetten 20 Mio. Franken beträgt.
Eine grosse Gruppenfoto mit Vertretern von mehr als 20 Vereinen, Gruppierungen, Schulabteilungen und Organisationen, welche die Anlage später nutzen werden, rundete den Bauauftakt ab. Den Ausklang besorgte die Beriker Gugge Hübelfäzzer mit schaurig-schönen Klängen.
Im Verlauf der lebhaften zweistündigen Feier sind die beiden «Zentrums-Zugpferde», Gemeindeverbandspräsident Peter Spring und Baukommissionspräsident Marcel Signer, kurz geehrt worden. Laut Signer kann die Bauerei in den nächsten Tagen schnee- und kältebedingt noch nicht anlaufen. Richtig los geht es auf dem 82 000 Quadratmeter grossen Gelände, sobald es ein wenig wärmer wird. Fixiert sind die Endtermine: Ende August 2011 Benützung der neuen Dreifachhalle, Ende April 2012 Vollbetrieb auf allen Aussenplätzen.
© Aargauer Zeitung / MLZ; 13.02.2010
«Der langjährige Kampf hat sich gelohnt»
Baubeginn des Mutscheller Sportzentrums
Peter Spring gehört als Präsident des Gemeindeverbandes zu den treibenden Kräften des Mutscheller Sportzentrum-Projektes. Dass heute Samstag der Spatenstich zum 24-Millionen-Projekt vollzogen werden kann, ist nicht zuletzt seinem Engagement an vorderster Front zu verdanken.
Lukas Schumacher
Herr Spring, die Bauerei geht endlich los. Ihre Freude muss enorm gross ein.
Peter Spring: Ja, der 13. Februar ist ein Freudentag, ein spezieller Tag für die Region Mutschellen, für die Vereine und die Jugend.
Mehrere Einsprachen, Beschwerden und Verzögerungen prägten die Geschichte des regionalen Grossprojekts. Gab es nicht Momente, in denen Sie den Bettel hinschmeissen wollten?
Spring: Nein, ans Aufgeben dachten wir nie, auch wenn in den letzten acht Jahren einige schwierige Hürden zu nehmen waren. Der lange Kampf hat sich gelohnt. Letztlich machte der starke Zusammenhalt unserer Gruppierung den Spatenstich möglich.
Sie sprechen von einer Gruppierung. Sind damit die Verbandsabgeordneten aus den drei Mutschellengemeinden gemeint?
Spring: Ja, aber selbstverständlich auch die Vorstandsmitglieder, die Angehörigen der Kommissionen und die Vereinsverantwortlichen. Zudem unterstützten uns die politischen Vertreterinnen und Vertreter der drei Gemeinden stets. So bildete sich eine starke solidarische Bewegung.
Kamen Ihnen nie Zweifel an unserem Rechtstaat? Einzelpersonen torpedierten doch das Mutscheller Projekt auf dem Buckel der rund 13 000 Mutscheller Bewohner massiv und blockierten es während rund fünf Jahren.
Spring: Zweifel am Rechtsstaat? Nein, das nicht. Mit unserem demokratischen System leben wir in der Schweiz und auf dem Mutschellen bestens. Etwas mehr Zug und Tempo wären bei einigen politischen und juristischen Entscheiden freilich sehr erwünscht gewesen. Und dass drei Wider Anwohner sämtliche Rechtsmöglichkeiten ausschöpften, war unerfreulich, aber auch legal.
Die Verzögerungen verteuerten das Vorhaben um mehr als eine Million. Wie hoch war der Aufwand des Mutscheller Gemeindeverbandes für rechtliche Beratung und Gerichtskostenanteile?
Spring: Gewiss, die Projektverzögerung schlug zünftig auf die Baukosten durch. Unsere direkten Aufwendungen wegen den Rechtsstreitigkeiten betrugen nahezu 100 000 Franken.
Das Kostendach beläuft sich auf 21,5 Millionen Franken. Hinzu kommt die aufgelaufene Teuerung gemäss Baukostenindex, macht alles in allem 24 Millionen. Via Sporttoto-Fonds zahlt der Kanton Aargau 4 Millionen. Zufrieden mit dem kantonalenZustupf?
Spring: Doch, ja. Unter dem Strich verbleiben unseren drei Gemeinden Baukosten im Betrag von rund 20 Millionen. Das ist zwar viel Geld, aber sehr gut investiertes.
Ist jetzt entschieden, ob eines der beiden Hauptspielfelder (10×64 Meter) mit einem Kunstrasen bestückt wird?
Spring: Entschieden ist das noch nicht, nein. Aber die Tendenz geht in Richtung Kunstrasen. Alle modernen Anlagen weisen ein Kunstrasenfeld auf. Für uns würde dies Mehrkosten in der Grössenordnung von 500 000 Franken bedeuten. Nebst der besseren Nutzung hat ein Kunstrasen auch Vorteile beim Betrieb und beim Unterhalt.
Brauchte es für die 500 000 Franken einen zusätzlichen Kredit der Gemeinden Widen, Berikon und Rudolfstetten?
Spring: Nein, dieser Betrag hätte Platz im vorhandenen Kostenrahmen. Gewiss werden in nächster Zeit weitere Begehrlichkeiten, Wünsche und Bauoptimierungsmassnahmen geäussert. Was sich wie umsetzen lässt, wird sich zeigen. Alles muss sorgfältig abgeklärt werden.
Vor allem die Baukommission ist derzeit und in den nächsten Monaten wohl stark gefordert.
Spring: Die Baukommission hat viel zu tun, deren Präsident Marcel Signer muss sehr viel Zeit aufwenden. Zünftig zum Zug kommt auch die Betriebskommission, welche die Bedürfnisse der Vereine aufnimmt. Diese muss die Benützerzeiten festsetzen sowie die betriebliche Organisation regeln, wozu auch Pflege und Unterhalt der Anlage gehören.
Ins Betriebsreglement mussten zwei einschneidende, fragwürdige Bestimmungen aufgenommen werden.
Spring: Ja, das geschah auf Drängen der Einsprecher/Beschwerdeführer. Bei grösseren Anlässen muss eine zweistündige Mittagsruhe auf der Anlage eingehalten werden, und die Zahl der Spiele/Wettkämpfe müssen wir begrenzen. Beides ist ärgerlich. Wenn wir in diesen Punkten nicht eingelenkt hätten, könnte der Spatenstich heute nicht vollzogen werden.
Der Fussballclub Mutschellen wird wohl stark von der neuen Anlage profitieren können?
Spring: Das denke ich auch. Der FC Mutschellen, der frühere FC Rudolfstetten, ist der grösste Verein unserer Region. Bis jetzt musste der FC mit einer äusserst bescheidenen, ja lamentablen Infrastruktur vorlieb nehmen. Das neue Zentrum ist selbstverständlich keine reine Fussballanlage, sondern auch eine grössere Freizeit- und Begegnungsanlage, insbesondere für die Jugend und die jungen Leute. Eine derartige Anlage in unserer Region fehlt bisher. Diese Lücke kann jetzt geschlossen werden.
Peter Spring
Der 54-jährige Peter Spring wohnt seit 1996 in Widen; er ist verheiratet, Vater von drei erwachsenen Töchtern und arbeitet als kommerzieller Leiter bei der Ferienfluggesellschaft Edelweiss, dem Tochterunternehmen der Swiss. Seit 2001 steht Peter Spring dem Mutscheller Gemeindeverband Sport-, Freizeit- und Begegnungszentrum Burkertsmatt als Präsident vor. 1997 gehörte er der Mutscheller Wettbewerbsjury an, die den Vorschlag «Sport im Park» zum Siegerprojekt kürte, das jetzt baureif geworden ist. Hobbys: Reisen, Joggen, Sport allgemein. Bekanntheit erlangte Spring als Fussballreporter für Radio DRS; während gut 20 Jahren kommentierte er Fussballspiele. (SL)