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Der bezaubernde Charme Bremgartens

Altstadt-Serie der Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 23.09.2009, über das Reussstädtchen Bremgarten

Der bezaubernde Charme Bremgartens

Altstadt-Serie der Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 23.09.2009, über das Reussstädtchen Bremgarten

© Aargauer Zeitung / MLZ; 23.09.2009; Seite 47

Wohlen

Der bezaubernde Charme Bremgartens

AZ-Altstadt-Serie, heute: Das vor 15 Jahren verkehrsarm und sehr wohnlich gewordene Reussstädtchen

Bremgarten, mit 6300 Einwohnern weitaus kleiner als Wohlen und mittlerweile auch weniger gross als Muri, ist und bleibt die Perle des Freiamts.

Lukas Schumacher

Wenn Auswärtige von Bremgarten schwärmen, meinen sie meistens die Altstadt. Die vielen Türme und schmalen Gassen der Altstadt, die zusammengebauten Wohnhäuser und der grandiose Kirchenbezirk in der Unterstadt machen den unschlagbaren Charme Bremgartens aus. Bisweilen vergisst man selbst als Bremgarter, wie überschaubar die tolle Altstadt letztlich ist. Nur ungefähr ein Fünftel aller Städtchenbewohner wohnen hier. Seit der Bremgarter Stadtumfahrungseröffnung 1994 kann man in der verkehrsarm gewordenen Altstadt bestens leben. Die ärgerlichen Zeiten, als tagtäglich mehrere tausend Autos durch die Altstadt rollten, sind zum Glück vorbei.

Beachtliche Lebensqualität

Nebst der Altstadt bringen es auch zahlreiche Aussenquartiere auf eine beachtliche Wohn- und Lebensqualität. Viel zum Reiz der Kleinstadt tragen die Reuss, die zahlreichen Naturwerte und die gute Infrastruktur Bremgartens bei. Ein ganz groser Trumpf: Von der Altstadt und allen Wohnquartieren aus befindet man sich zu Fuss in maximal zehn Minuten mitten in der Natur; auf dem Velo schafft man das selbstverständlich noch schneller. Genau so zügig kann man zu Fuss oder auf dem Zweirad von einem Aussenquartier in die Altstadt gelangen und eine gehörige Prise Kleinstadtfeeling geniessen.

Die Vorzüge Bremgartens und seiner Altstadt ins allerbeste Licht gerückt hat die Filmkomödie «Die Standesbeamtin». Der Kinofilm, vor einem Jahr zu einem schönen Teil im Reussstädtchen gedreht, wirkt offenbar anziehend, zumindest kurzzeitig. Laut Altstadtbewohnern besuchten in diesem Frühling und Sommer ausserordentlich viele Tagestouristen Bremgarten. Und mehrere Schulklassen aus dem Aargau und aus benachbarten Kantonen machten sich im Städtchen auf die Spurensuche von Micha Lewinskys Filmwerk «Die Standesbeamtin».

Branchenmix zufriedenstellend

Was bieten die Bremgarter Altstadt-Ladengeschäfte? Zu den wichtigsten Läden gehören zweifellos die zwei Bäckereien, die Metzgerei und der mittlerweile einzige Altstadt-Lebensmittelladen «Städtli Märt». Eine Apotheke, diverse Fachgeschäfte wie das kleine Musikinstrumentenhaus, ein Teeshop, zwei Bijouterien, ein Schuhgeschäft, zwei Blumenläden oder das einzigartige Eisenwarengeschäft Beller bereichern die Angebotsplaette. An Boutiquen, Mode- und Kleidergeschäften, darunter guten und gut geführten, mangelt es der Altstadt weiss Gott nicht.

Auffällig: Einige Ladenlokale in hinteren Gassen und auf der Bremgarter «Flaniermeile» Marktgasse/Am Bogen stehen leer, und die Gesundheits- und Esoterikbranche scheint immer noch zu florieren.

Sehr hoch im Kurs steht die Gastrobranche. Bremgarten bringt es auf nicht weniger als 30 Restaurants, eingeschlossen Imbissstuben, und auf 8 Bars. Die meisten Bars und gut die Hälfte der Restaurants befinden sich in der Altstadt oder in unmittelbarer Nähe zur Altstadt. Vielfalt punkto Geschmack und Portemonnaie gewährleisten einige In- und Szenen-Lokale, einfachere und gediegene Gaststätten sowie vier Restaurants mit sehr erlesener Küche.

Eine Habsburgergründung

Die Stadt Bremgarten wurde im frühen 13. Jahrhundert von den Habsburgern gegründet. Zuvor bestanden im Stadtgebiet zwei dörfliche Siedlungen und eine Burg. Historiker vermuten, dass der Name «Bremgarten» keltischen Ursprungs ist.

Als die Eidgenossen 1415 den Aargau eroberten, wurde auch Bremgarten eidgenössisch. Das Städtchen durfte aber seine Selbstständigkeit weitgehend wahren und konnte die Herrschaft über sein kleines Untertanengebiet im Kelleramt und auf dem Mutschellen ausbauen. Diese bevorzugte Stellung verlor Bremgarten beim Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft anno 1798. Im Jahr 1803 wurde Bremgarten dem neu geschaffenen Kanton Aargau zugeteilt. Seither ist Bremgarten Bezirkshauptort.

In Bremgarten wohnen gegen 6300 Leute. Mehr als 500 Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbetriebe sind hier ansässig. Das Stadtgebiet misst 803 Hektaren, wovon mehr als die Hälfte bewaldet sind. (SL)

«Stadt sein ist das eine, Stadt bleiben das andere»

800 Jahre Stadt Bremgarten: Auszug aus der Festrede von Hans Ulrich Glarner, dem Chef der kantonalen Abteilung Kultur

Vor drei Monaten feierte Bremgarten den 800. Stadt-Geburtstag. Der Lenzburger Hans Ulrich Glarner, Chef der Abteilung Kultur im kantonalen Departement BKS, hielt eine fulminante Festansprache. Einige Sätze daraus. «Was hat denn die Stadtwerdung Bregmartens begünstigt, abgesehen von der sehr idealen Lage auf der Landzuge in den Fluss-Schlingen? Ein Stück Pergament mit einem Siegel kann es nicht sein. Bremgartens Stadtfest führt uns auf die richtige Spur. Wenn eine Stadt jubiliert, ohne den genauen Geburtstag zu kennen, braucht es ein städtisches Selbstbewusstsein. Ein Selbstbewusstsein, das grossjügig auf kleinliche Faktenreiterei verzichtet.»

«Rückschläge politischer, wirtschaftlicher, sozialer Art gehören zu diesen rund 800 Jahren Bremgarter Geschichte. Nicht selten geriet man zwischen die Fronten. Habsburger-Städtchen an der Grenze zu den Eidgenossen, hin und her gerissen zwischen neuem und altem Glauben. Mehrmals in den Klauen der Pest oder noch schlimmer, da selbst verschuldet, im Schlamm der Hexenverfolgung. Bremgarten rappelte sich dank der tief verwurzelten Kraft zur Erneuerung seiner Bewohner immer wieder auf.»

«Aus der Formel Selbstbewusstsein plus Erneuerungskraft und aus Geist plus Freiheit geht die Stadt als Summe hervor. Doch Stadt sein ist das eine, Stadt bleiben das andere. Längst nicht alle im Mittelalter gegründeten Städte gibt es auch nach 800 Jahren noch. Was eine Stadt schützt und zusammenhält, was Firnis und Kitt zugleich ist, heisst Kultur.«

«Zur Urbanität gehört eine hohe Dichte an kulturellem Leben. Eine stete kulturelle Temperatur zu halten und stossweise kräftig zu erhöhen, sorgt heute für jene Stadtluft, die frei macht. Sorgen Sie dafür, liebe Städtchenbewohner, dass sich ein reiches und breit verankertes kulturelles Leben hält und weiterentwickelt. Die sprudelnden Produktionen im Kleintheater, die mitreissenden Melodien im Casino, die ausufernden Abende im Kuzeb. Leisten Sie sich diese Vielfalt als Stadt. Es sind dies ganz unterschiedliche Pontons, die im Neben- und Miteinander Brücken in die Geschichte und in die Zukunft schlagen. Diesen mobilen Brücken gilt es in Bremgarten Sorge zu tragen.» (SL)

Die gesamte Festansprache kann man sich zu Gemüte führen per Klick auf die Homepage www.bremgarten.ch

Umfrage

Schöne Märkte, gutes Essen

Schöne Märkte und ein feines alternatives Restaurant gebe es in Bremgarten, finden Einwohner aus Aarau. Eine Schülerin ist besonders mit dem Städtchen an der Reuss verbunden: Ihre Grossmutter lebt da.

Sophia Bürgi, Aarau, Schülerin

Bremgarten kenne ich gut! Meine Grossmutter und auch meine Tanten wohnen da. Das Städtchen ist persönlicher und kleiner als andere. Jeder kennt jeden. Die Holzbrücke über die Reuss gefällt mir besonders.

Hanna Nolden, Aarau, diplomierte Pflegefachfrau

Bremgarten liegt an der Reuss, das finde ich reizvoll. Die Altstadt ist kompakt. Regelmässig gehe ich in den «Stadtkeller», das ist zwar ein alternatives Lokal, aber das Essen ist sehr fein.

Franco Crameri, Aarau, Monteur

Bremgarten kenn ich nur von den Märkten her. Aber die Altstadt gefällt mir gut. Diese ist auch bekannt für herzige «Föteli». Doch Aarau ist auch schön. Am besten gefällt es mir, die Aare entlang zu skaten.

Umfrage

Läuft zu wenig in der Altstadt?

Was drei Bewohner Bremgartens von ihrer Altstadt und dem Warenangebot in der Altstadt halten. (SL)

Sabina Glarner (49), Bremgarten

Der Warenkorb der Altstadt passt und die Kundenfrquenzen stimmen. Ich habe mein gut gehendes Spielwarengeschäft soeben von der Altstadt an die Zugerstrasse zügeln müssen. Dies aus einem einzigen Grund: Platzmangel.

Peter Winkler (67), Bremgarten

Nach meinem Geschmack dürfte in der Altstadt ein bisschen mehr laufen. Andererseits findet man als Kunde in der Altstadt vieles, was man so braucht. Mehrere Fachgeschäfte haben vorzügliche Sortimente.

Rolf Meyer (45), Bremgarten

Seit der Stadtkern verkehrsfrei ist, geniesse ich das Wohnen in der Altstadt sehr. Den meisten Fachgeschäften in der Altstadt geht es recht gut bis gut. Das gilt auch für mein Modegeschäft. Der Angebotsmix in der Altstadt darf sich sehen lassen.

Serie: Wie lebendig sind die Aargauer Altstädte?

Zwölf historische Altstädte gibts im Kanton Aargau. Jede Altstadt prägt das Gesicht ihrer Stadt und ihrer Region. Jede atmet anders, hat andere Sorgen und Freuden. In den mittelalterlichen Gemäuern bekommen die Widersprüche unserer Zeit besonders klare Konturen: Lädelisterben, Lärm, Verfall und Wohnungsnot. Wer lebt in den Altstädten? Wer geschäftet dort? Wer geht raus, wer kommt rein? Jeden Mittwoch fühlt die AZ den Puls des Lebens in den alten Städten des Aargaus. (wds)

  

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