Ausbau-Kritikern fehlt noch der Glaube
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 24.09.2009, über die in Stetten geplante regionale Abwasserreinigungsanlage
Ausbau-Kritikern fehlt noch der Glaube
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 24.09.2009, über die in Stetten geplante regionale Abwasserreinigungsanlage
© Aargauer Zeitung / MLZ; 24.09.2009; Seite 40
Baden
Ausbau-Kritikern fehlt noch der Glaube
An einer Orientierung in Stetten wurden die Vorzüge der Erstellung einer neuen regionalen ARA Reuss betont
Weniger Geruch, Verkehr, Lärm und fast kostenlos für die Standortgemeinde: Das seien die Vorzüge einer neuen regionalen ARA Reuss in Stetten, heisst es. Die Anwohner dort glauben noch nicht recht daran und sähen die neue Anlage lieber andernorts.
Andreas Tschopp
«Wir befinden uns in einem ganz normalen politischen Prozess, in dem wir sachgerecht informieren möchten», sagte Gemeinderat Daniel von Däniken einleitend an der Orientierung zum geplanten Ausbau der ARA Stetten zu einer neuen regionalen Anlage für sechs Gemeinden im Reusstal (mit Anschluss von Bellikon, Fischbach-Göslikon, Künten, Niederwil und Remetschwil). Von Däniken betonte, dass die Abwasserreinigung eine öffentliche Aufgabe sei und der Gemeinderat Stetten vorausschauend agieren müsse, um zeitgerecht eine kostengünstige Lösung zu finden. Dazu seien Allianzen und eben Vorabklärungen nötig, so von Däniken.
Wieso die Wahl auf Stetten fiel
Für diese besorgt war Rolf Balz vom gleichnamigen spezialisierten Ingenieurbüro in Brugg. Balz erklärte zuerst die Ausgangslage im Reusstal mit zwei grösseren Anlagen in Bremgarten und Mellingen sowie vier kleinen ARAs in Eggenwil, Künten (heute verbunden mit Bellikon), Fischbach-Göslikon, das auch teilweise die Abwässer von Niederwil klärt, und Stetten (mit Remetschwil und Rest von Niederwil), die alle mehr oder weniger rasch sanierungsbedüftig seien. Eggenwil will sich laut Balz Bremgarten anschliessen, das wie Mellingen keine weiteren Abwässer aufnehmen könne. Fischbach-Göslikon sei am dringendsten zu sanieren, liege aber im Naturschutzgebiet und komme daher nicht infrage. Dies sei auch bei Künten der Fall. Die dortige Anlage liege zwar weit weg vom Wohngebiet, müsste aber neu gebaut werden «auf der grünen Wiese», hob Balz hervor. In Stetten hingegen sei die Substanz der Anlage gut und ausreichend (die Schlammbehandlung ist für 17 000 Einwohner ausgelegt). Auch seien eingezonte Landreserven vorhanden, um die neue Biologie zu erstellen, meinte der Ingenieur. Einziger Negativpunkt sei die Erschliessung über eine Quartierstrasse, ansonsten spreche alles für Stetten als «Bestvariante», so Balz.
Warum es Stetten (fast) nichts kostet
Um dies zu untermauern, legte der Fachmann dar, dass trotz grösserer Anlage der Verkehr dank Schlammentwässerung abnehmen werde und die lärmigen Teile eliminiert oder isoliert würden. Massnahmen seien ebenso zur Beseitigung der (bekannten) Geruchsquellen vorgesehen, sagte Balz und verwies darauf, dass das Geruchsempfinden sehr subjektiv und kaum messbar sei. Mit Zahlen aufwarten konnte hingegen Gemeinderat (und Ammann in spe) Kurt Diem. Er rechnete vor, dass ein Ausbau der ARA Stetten nur für die bisherigen Nutzer die Standortgemeinde etwas über 1 Million kosten würde. Bei Erstellung einer regionalen Anlage für rund 11 Millionen (inkl. neuer Leitungen) falle dieser Betrag durch Vorleistungen und Beiträge Dritter jedoch weg, sodass der Ausbau die Gemeinde Stetten praktisch nichts kosten werde.
Alle befinden bald über Projektierung
In der Diskussion hob ein direkter Anwohner als schärfster Kritiker hervor, dass er es lieber sähe, wenn Stetten 2 bis 3 Millionen an eine neue (und mit 12 bis 13 Millionen auch teurere) Anlage andernorts zahlen würde und so das Problem vor seiner Haustüre beseitigt werden könnte. Rolf Balz verwies zum Gegenbeweis auf die neue ARA in Endingen, wo heute alle Anwohner rundherum «happy» seien. Als der Kritiker dem so nicht recht Glauben schenkte, schlug ihm der Ingenieur vor dem rund 50-köpfigen Publikum eine Wette und Besuchsreise nach Endingen vor. Der abtretende Ammann Ernst Huber fand dies eine prüfenswerte Idee im Vorfeld der Entscheidung über die Standortfestlegung und Projektierung. Darüber wird bis Ende Jahr entschieden - und alle sechs Gemeinden müssen Ja sagen.