Das Freiamt wird immer begehrter
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 29.09.2009, über die Studie des Statistischen Amts des Kantons Aargau zur Bevölkerungsentwicklung
Das Freiamt wird immer begehrter
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 29.09.2009, über die Studie des Statistischen Amts des Kantons Aargau zur Bevölkerungsentwicklung
© Aargauer Zeitung / MLZ; 29.09.2009; Seite 41
Wohlen
Das Freiamt ist bei den Zürchern beliebt
Die Nähe zu Zürich und Zug machen das Freiamt für Neuzuzüger begehrt. Die Dörfer profitieren vom Bauboom
Bis ins Jahr 2035 sollen im Freiamt 123 000 Menschen leben, 25 000 mehr als heute. Dies ermittelte das Statistische Amt des Kantons Aargau in einer kürzlich veröffentlichten Studie.
Andrea Marthaler
Der Kanton Aargau wächst stärker als bisher erwartet. Das Statistische Amt korrigierte deshalb seine Prognosen nach oben. 742 000 Einwohner soll der Kanton bis im Jahr 2035 haben. Im Dezember 2008 waren es noch 596 000. Dies bedeutet ein durchschnittliches Wachstum von 24,4 Prozent. Das Freiamt wird dabei noch stärker wachsen als der Durchschnitt.
Nach Regionen betrachtet wird die Bevölkerung am Rohrdorferberg/Reusstal am stärksten ansteigen (plus 34 Prozent). Doch auch das übrige Freiamt wird kräftig zulegen: das untere Bünztal um 29 Prozent sowie das obere Freiamt um 27,5 Prozent. Einzig die Region Mutschellen liegt unter dem kantonalen Durchschnitt. Dort wird die Bevölkerung um 20 Prozent steigen. Stimmen die Prognosen das Statistischen Amtes, wird das Freiamt bis 2035 von 98 000 auf 123 000 Einwohner wachsen.
Nähe von Zürich zieht Leute an
Grund dafür ist vor allem die Nähe der Region zu grösseren Städten. «Zürich, aber auch Zug wurden besser erreichbar. Und der Wohnraum ist noch günstiger als in Zürich», sagt Fritz Fasler. Der Leiter des Statistischen Amts Aargau geht davon aus, dass sich mit dem Autobahnzubringer Zürich West der Trend weiter verstärkt. Prognosen zu machen, ist dennoch schwierig. Fasler bleibt vorsichtig: «Wir vermuten, dass Gemeinden, die bisher ein starkes Wachstum hatten, sich weiter gut entwickeln.»
Der Siedlungstrend der letzten Jahrzehnte ging immer weiter hinaus, von den Zentren in die Agglomeration und letztlich in ländliche Gemeinden. In jüngster Zeit sei laut Faser wieder ein starkes Wachstum in den Zentren erfolgt. «Liegenschaften und Grundstücke wurden umgenutzt, dabei entstanden neue Siedlungen.» Gleichzeitig expandieren auch die Vororts- und die ländlichen Gemeinden weiter.
Bauland wurde neu eingezont
Über das Bevölkerungswachstum freuen sich die Freiämter Gemeinden. Sie förderten das Wachstum, indem die Gemeinden Bauland einzonten und dadurch den Bau von Häusern ermöglichten. «Unsere Strategie ist, bis ins Jahr 2020 rund 2000 Einwohner zu haben», sagt Michael Dürst, Gemeindemmann von Arni. Mitte der 90er-Jahre wurden deshalb in Arni neue Gebiete als Bauland definiert. Von 1990 bis 2008 stieg darauf die Einwohnerzahl auf fast das Doppelte an.
Auch in Hermetschwil-Staffeln wird die Bautätigkeit gefördert, indem zusätzliches Baugebiet ausgewiesen wurde. Schubweise entstanden neue Quartiere. «Jetzt wurden wieder 13 Parzellen erschlossen und weitere werden folgen», sagt Gemeindeammann Roger Heiss.
Bauerndorf wird Wohngebiet
Am stärksten gewachsen ist die Oberfreiämter Gemeinde Abtwil. Sie wurde vom bäuerlichen Dorf zu einer Gemeinde mit 750 Einwohnern. «In den 90er-Jahren haben wir beschlossen, dass wir wachsen möchten», erklärt der Gemeindeammann Noldi Bischof-Utz. «Deshalb haben wir innerhalb des Dorfes Bauland eingezont.» Bis in zwei, drei Jahren werde Abtwil auf 900 Einwohner wachsen. Für Leute aus dem Kanton Zug ist die Gemeinde attraktiv, da sie trotz der ländlichen Lage schnell in der Stadt sind.
Gewachsen sind in den letzten Jahren ebenfalls die beiden grössten Gemeinden des Freiamtes: Wohlen und Muri. «Es ging linear leicht hinauf, jeweils 70 bis 100 Personen pro Jahr», sagt Josef Etterlin, Gemeindeammann von Muri. Er rechnet damit, dass dieses stetige Wachstum anhalten wird. Eingezont sei Bauland für bis 7500 Einwohner. In Wohlen geht man davon aus, dass die Einwohnerzahl bis ins Jahr 2020 auf 16 000 Personen ansteigen wird. Das wären rund 3500 mehr als heute.
Grösse ist nicht alles
Das starke Wachstum bringe laut Dürst allerdings auch Probleme mit sich: «Die Schuleinteilung ist schwierig zu planen und auf der Gemeinde gibt es Mehrarbeit, ohne dass zusätzliches Personal eingestellt werden soll.» Wenn die Dichte in einem Ort steigt, gebe dies auch zwischenmenschliche Konflikte und soziale Probleme. Deshalb hofft der Gemeindeammann von Arni, dass die Gemeinde künftig moderater wächst: «Für doppelt so viele wie jetzt ist Arni zu klein, es wäre schade um die ländliche Region.»