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Abwasser aus sechs Gemeinden soll nach Stetten

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 01.10.2009, über die in Stetten geplante regionale Abwasserreinigungsanlage

Abwasser aus sechs Gemeinden soll nach Stetten

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 01.10.2009, über die in Stetten geplante regionale Abwasserreinigungsanlage

© Aargauer Zeitung / MLZ; 01.10.2009; Seite 37

Wohlen

Abwasser aus sechs Gemeinden soll nach Stetten fliessen

Niederwil und Fischbach-Göslikon sind die Freiämter Vertreter im Abwasserverband, der die ARA Reuss in Stetten ausbauen will

Fischbach-Göslikon und Niederwil stimmen im November über den Projektierungskredit des neuen Abwasserverbandes ab. Für Niederwil sind 89 000 Franken, für Fischbach-Göslikon 51 660 Franken budgetiert.

Andreas Tschopp/Andrea Weibel

Niederwil hat keine eigene Abwasserreinigungsanlage (ARA). «Das Wasser von der Nordseite des Dorfes wird bereits jetzt in Stetten gereinigt. Die Abwasser aus dem südlichen Dorfteil gehen nach Fischbach-Göslikon», erklärt Gemeindeschreiber Alois Riner. Nun sind sowohl Niederwil als auch Fischbach-Göslikon in Verhandlungen mit den Gemeinden Bellikon, Künten, Stetten und Remetschwil, um gemeinsam als Abwasserverband eine neue ARA Reuss in Stetten zu bauen. Eine Leitung von Niederwil nach Stetten besteht ja bereits. Ob jene von Fischbach-Göslikon unter oder neben der Reuss verlaufen werde, müsse man in der Projektierung ausarbeiten, so Riner.

Im November wird in sämtlichen sechs Gemeinden an der Herbstgemeindeversammlung über einen entsprechenden Planungskredit abgestimmt. Insgesamt sollen 387 000 Franken Kredit gesprochen werden, die je nach Einwohnerzahl auf die Gemeinden verteilt werden. Niederwil beschliesst über einen Kredit von 89 000 Franken. In Fischbach-Göslikon beträgt der Planungskredit 51 660 Franken.

Stetten muss zustimmen

«Danach kann mit den Planungen begonnen werden. Aber zuerst müssen sämtliche Gemeinden dem Planungskredit zustimmen. Primär muss aber die Standortgemeinde Stetten Ja sagen», erläutert Alois Riner. Der Stetter Gemeinderat Daniel von Däniken gab ihm recht, denn er betonte an der vorgängigen Orientierung in Stetten, dass die Abwasserreinigung eine öffentliche Aufgabe sei und der Gemeinderat Stetten vorausschauend agieren müsse, um zeitgerecht eine kostengünstige Lösung zu finden. Dazu seien Allianzen und eben Vorabklärungen nötig. Für diese besorgt war Rolf Balz vom gleichnamigen spezialisierten Ingenieurbüro in Brugg. Balz erklärte zuerst die Ausgangslage im Reusstal mit zwei grösseren Anlagen in Bremgarten und Mellingen sowie vier kleinen ARA in Eggenwil, Künten (heute verbunden mit Bellikon), Fischbach-Göslikon (mit Teil von Niederwil) und Stetten (mit Remetschwil und Rest von Niederwil), die alle mehr oder weniger rasch sanierungsbedüftig seien. Eggenwil wolle sich laut Balz Bremgarten anschliessen, das wie Mellingen keine weiteren Abwässer aufnehmen könne.

ARA FiGö muss saniert werden

Fischbach-Göslikon sei am dringendsten zu sanieren, liege aber im Naturschutzgebiet und komme daher nicht infrage. Dies sei auch bei Künten der Fall. Die dortige Anlage liege zwar weit weg vom Wohngebiet, müsste aber neu gebaut werden. In Stetten hingegen sei die Substanz der Anlage gut und ausreichend (die Schlammbehandlung ist für 17 000 Einwohner ausgelegt). Auch seien eingezonte Landreserven vorhanden, um die neue Biologie zu erstellen, meinte der Ingenieur. Einziger Negativpunkt sei die Erschliessung über eine Quartierstrasse, ansonsten spreche alles für Stetten als «Bestvariante», so Balz. Um dies zu untermauern, legte der Fachmann dar, dass trotz grösserer Anlage der Verkehr dank Schlammentwässerung abnehmen werde und die lärmigen Teile eliminiert oder isoliert würden.

Massnahmen seien ebenso zur Beseitigung der (bekannten) Geruchsquellen vorgesehen, sagte Balz und verwies darauf, dass das Geruchsempfinden sehr subjektiv und kaum messbar sei. Mit Zahlen aufwarten konnte hingegen Gemeinderat (und zukünftiger Ammann) Kurt Diem. Er rechnete vor, dass ein Ausbau der ARA Stetten nur für die bisherigen Nutzer die Standortgemeinde etwas über 1 Million kosten würde. Bei Erstellung einer regionalen Anlage für rund 11 Millionen (inkl. neuer Leitungen) falle dieser Betrag durch Vorleistungen und Beiträge Dritter jedoch weg, sodass der Ausbau die Gemeinde Stetten praktisch nichts kosten werde.

Alle befinden bald über Projektierung

In der Diskussion hob ein direkter Anwohner als schärfster Kritiker hervor, dass er es lieber sähe, wenn Stetten 2 bis 3 Millionen an eine neue (und mit 12 bis 13 Millionen auch teurere) Anlage andernorts zahlen würde und so das Problem vor seiner Haustüre beseitigt werden könnte. Rolf Balz verwies zum Gegenbeweis auf die neue ARA in Endingen, wo heute alle Anwohner rundherum «happy» seien.

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