Ein Rendezvous im jubilierenden Alterszentrum
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 02.03.2009, über das 25-Jahr-Jubiläum des Alterszentrums Bremgarten
Ein Rendezvous im jubilierenden Alterszentrum
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 02.03.2009, über das 25-Jahr-Jubiläum des Alterszentrums Bremgarten
© AZ-Tabloid / MLZ; 02.03.2009; Seite 2
Wohlen
Ein Rendezvous im jubilierenden Alterszentrum
Zum 25-jährigen Bestehen des Zentrums Bärenmatt in Bremgarten trafen sich die heutigen Verantwortlichen mit Peter Karpf, dem ersten Leiter des Betagtenheims.
Lukas Schumacher
Wie führte man das Alterszentrum Bremgarten in den ersten Jahren nach der Eröffnung 1984? Und wie heute? Auszüge eines Gesprächs zwischen den heutigen und einstigen Zentrums-Leitern.
«Früher nahmen wir alle betagten Leute auf, sofern sie ohne Hilfe über die Eingangsschwelle des Alterszentrums laufen konnten», sagt Peter Karpf. Karpf leitete das Bremgarter Alterszentrum Bärenmatt gemeinsam mit Ehefrau Elsbeth seit der Eröffnung 1984 bis 1998. Die Türschwelle als Eintrittskriterium? Klingt seltsam, war seinerzeit aber durchaus ein tauglicher Massstab. «Denn wir waren damals auf Leichtpflege ausgerichtet», betont Peter Karpf. Für die Betreuung von Leuten, die einen höheren Pflegeaufwand brauchten, fehlte es damals an Hilfsmitteln, an Geld und Personal.
«Pflege steht im Mittelpunkt»
Seit den Eröffnungsjahren hat sich der Zentrumsbetrieb stark gewandelt. Das Türschwellen-Kriterium gilt seit langem nicht mehr. Im Lauf der Zeit nahm die Spitex, die Pflege in den eigenen vier Wänden, stark an Bedeutung zu. «Verständlicherweise wollen heute fast alle Betagten möglichst lange daheim in der gewohnten Umgebung bleiben», betont Yvonne Moser, die heutige Leiterin des Alterszentrums Bärenmatt. Der Bedarf an Fachpflege im Alterszentrum steige ständig an, die Pflege stehe eindeutig im Mittelpunkt des Betriebs.
In der Anfangszeit kam das Alterszentrum mit einem vierköpfigen Pflegeteam und wenigen Hilfskräften aus. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre kümmerten sich 15 Pflegepersonen um das Wohl der Pensionäre. «Pflege-Fachkräfte haben wir heute in Bremgarten rund doppelt so viele und zudem gut ausgebildete», sagt Peter Holderegger. Holderegger ist der Geschäftsführer, quasi der CEO der beiden Alterszentren Bärenmatt und Burkertsmatt in Widen.
Sanierungen und neue Struktur
In den letzten Jahren sind im Alterszentrum mehrere Sanierungs- und Ausbauetappen ausgeführt worden. Durch die baulichen Massnahmen legte die Bärenmatt an Komfort und Behaglichkeit zu.
Eine einschneidende Reform erlebte die Organisationsstruktur. Der Gemeindeverband Regionale Alterszentren nahm Abschied vom klassischen Modell Heimleiterehepaar, das einst in Bremgarten wie auch in Widen, dem zweiten Alterszentrum des Verbandes, toll funktioniert hatte. Die Ehepaare Karpf (Bremgarten) und Fontana (Widen) prägten diese Ära dank Fach- und Sozialkompetenz. Hüben wie drüben folgten teilweise schwierige, turbulente Nachfolgejahre. Nun scheint das taugliche Führungsrezept - ein CEO/Geschäftsleiter für beide Alterszentren, je eine Zentrumsleiterin für den Tagesbetrieb in Bremgarten und Widen - gefunden zu sein. «In beiden Zentren kehrte wieder Ruhe ein», sagte kürzlich ein Abgeordneter des Gemeindeverbandes. Das neue Betriebsmodell funktioniere recht gut. Viel wichtiger sei jedoch, dass die richtigen Leute am richtigen Platz sässen.
Gestern und Heute
Das heutige, vielfältige Aktivitätenangebot für die Pensionäre - Stricknachmittage, Jassnachmittage, Bewegungstherapie etc. - gab es 1984 noch nicht. «Ein wöchentliches Altersturnen stand aber auf dem Programm», schmunzelt Peter Karpf. Er selber fungierte in der ersten Betriebszeit als Bärenmatt-Oberturner. Damals wohnten die Karpfs und ihre zwei Töchter im obersten Stock des Bärenmatt-Zentrums. «Die Nähe zu den Pensionären tat unseren Kindern gut und sie war praktisch.» Praktisch, weil seine Frau und er bei Notfällen die Nachtwache unterstützen konnten, wofür einst nur eine einzige Person zuständig war. Ein derartiger Minimal-Nachtwachendienst wäre heute undenkbar.
Anders als heute hielt sich der administrative Aufwand früher in engen Grenzen. Schriftliche Nachweise betreffend Qualitätssicherung und ausführliche Pflegekonzepte existierten noch nicht. «Wir hatten es sicher einfacher», sagt Karpf, «von uns verlangte der Kanton Aargau nur regelmässig einen Rapport mit statistischen Angaben und Zielsetzungen.»
Das liebe Geld
Pflegeleistungen wurden schon zu Karpfs Zeiten, genau wie heute, mitels Besa-System verrechnet. Die Pflegeleistungstarife waren in den 80er-Jahren selbstverständlich weitaus günstiger als heute. Das gilt auch für die eigentliche Tagestaxe, die Hotellerie-Entgeltung für Kost und Logis, die jeder Pensionär des Alterszentrums berappen muss. In den ersten Jahren betrug der Tagespensionspreis in der Regel 35 Franken, wobei auch ein Sozialtarif zur Anwendung gelangte. Begüterte Pensionäre mussten je nach Einkommen und Vermögen bis zu 53 Franken pro Tag bezahlen.
Der Sozialtarif wurde vor einigen Jahren gestrichen. Seither bezahlen die Pensionäre eine einheitliche Tagestaxe. Sie beträgt aktuell in Bremgarten wie in Widen 100 Franken. Mit den 100 Franken kommen die Pensionäre vergleichsweise günstig weg. Die meisten Alters- und Pflegezentren im Aargau haben höhere Pensionspreise.
Auch Sanitätshilfsstelle 25-jährig
Im Sog des Bremgarter Altersheimbaus wurde in unmittelbarer Nähe die regionale Zivilschutz-Sanitätshilfsstelle gebaut. Diese unterirdische Anlage, die ebenfalls im Frühling 1984 eröffnet wurde, kostete rund 2,1 Millionen Franken. Die Sanitätshilfsstelle Bremgarten ist ausgestattet mit einem Operationssaal, einem Ambulatorium, einer Pflegestation, einem Mehrzweckraum und 128 Liegestellen. Ausserdem beherbergt die Anlage eine grössere Küche und eine Waschküche. (sl)
71 Bewohner, 69 Mitarbeitende
Im Alterszentrum Bärenmatt in Bremgarten wohnen 71 Personen, die leicht- bis schwerpflegebedürftig sind. Für die Betreung der Leute und das Funktionieren des Alterszentrums sorgen 69 Mitarbeitende in 42 Vollzeitstellen. Träger und Betreiber des Zentrums Bärenmatt sowie des vor 14 Jahren eröffneten Zentrums Burkertsmatt in Widen ist der Gemeindeverband Regionale Alterszentren Bremgarten, Mutschellen, Kelleramt. Verbandsgemeinden sind Berikon, Bremgarten, Eggenwil, Hermetschwil-Staffeln, Jonen, Oberlunkhofen, Oberwil-Lieli, Rudolfstetten, Unterlunkhofen, Widen und Zufikon.
25-Jahr-Jubiläum wird tüchtig gefeiert
Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Alterszentrums sind, verteilt aufs ganze Jahr, vielerlei Aktivitäten und Anlässe geplant. Speziell erwähnenswert sind die 3 Tage der offenen Bärenmatt-Türen vom 21. bis zum 23. August mit Brunch, Konzerten und allerlei Attraktionen mehr. Im Oktober/November wird eine Vortragsserie zu aktuellen Themen im Zusammenhang mit dem Alter veranstaltet. Am 18. Dezember wird eine vorgezogene Weihnachtsfeier in einem grossen Zirkuszelt das Jubiläumsjahr abrunden. (sl)