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Biber kehren still und leise an den Flachsee zurück

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 13.01.2009, über die Ansiedlung des Bibers in der Region

Biber kehren still und leise an den Flachsee zurück

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 13.01.2009, über die Ansiedlung des Bibers in der Region

© AZ-Tabloid / MLZ; 13.01.2009; Seite 2

Wohlen

Biber kehren still und leise an den Flachsee zurück

Reusstal Renaturierungen helfen dem grössten Nagetier der Schweiz, das im letzten Jahrhundert vollständig ausgerottet wurde, bei seinem Comeback in der Region.

Bei einem Sonntagsspaziergang im unteren Reusstal sind an verschiedenen Orten auffällige Biberspuren zu entdecken. Speziell ins Auge stechen angenagte Bäume an den Ufern des Flachsees. Josef Fischer, Geschäftsführer der Stiftung Reusstal, gibt einen Einblick in das heimliche Leben des grössten einheimischen Nagers.

«Bereits seit 2001 halten sich Biber rund um Rottenschwil auf», weiss Josef Fischer. «Zuerst war es wohl nur ein Einzeltier, doch seit einigen Jahren gibt es mindestens eine Familie.» Es sind meist Männchen, die zuerst neue Territorien besiedeln. Einst ausgerottet, wurde das Tier zwischen 1957 und 1977 in der Schweiz wieder ausgesetzt. Die Biber hatten aber lange Mühe und erst Mitte der 90er-Jahre konnten sie sich entlang den grossen Flüssen ausbreiten.

Bald tauchten die ersten Biber bei Eggenwil auf, wo sie aber vorerst durch das Kraftwerk Bremgarten-Zufikon gestoppt wurden. Die Tiere mussten einen Weg um das Stauwehr herum finden. Keine einfache Aufgabe, denn an Land sind sie zahlreichen Gefahren ausgesetzt.

Die aktuellen Biber-Zahlen sind aber ermutigend. So gibt es rund um Eggenwil mittlerweile vier Reviere und bei Rottenschwil sind in diesen Tagen auch Hinweise auf eine zweite Biberfamilie gefunden worden.

Biber sehen ist Glücksache

Wer einen Biber in freier Natur sehen will, braucht vor allem viel Glück. Josef Fischer hat sie bis jetzt nur durch Zufall erblickt. Es gibt keinen Ort und keine Tageszeit, wo man Biber regelmässig sehen kann. Die Tiere scheinen aber nicht allzu viel Angst vor dem Menschen zu haben. «Ich bin einmal mit meiner Tochter die Reuss entlangspaziert und habe auf der anderen Flussseite in Ufernähe einen Biber schwimmen sehen», erinnert sich Fischer. «Unmittelbar daneben sind Fussgänger durchgelaufen.»

Ein Problem sind freilaufende Hunde, die dem Biber nachstellen. Der kantonale Biberschutzverantwortliche Peter Hohler findet jedes Jahr mehrere von Hunden totgebissene Jungbiber. Laut Kantons- und Bundesgesetz gilt dies als Wilderei und wird entsprechend bestraft. Da erwachsene Biber bei einem Angriff den Hunden selbst gefährlich werden können, sollten die Haustiere auch ausserhalb der Schutzgebiete an die Leine genommen werden, wenn Biberspuren in der Nähe sind. Viel einfacher als die Tiere selbst sind im Winter deren Nagespuren zu entdecken, die auch aus der Nähe angeschaut werden dürfen, sofern sie sich nahe dem Weg befinden.

Nagespuren weisen auf Biber hin

Die Tiere ernähren sich von den Kräutern und Gräsern der Ufervegetation, von Wasserpflanzen und wenn möglich auch von Obst und Gemüse. Im Winter stehen Rinde und Knospen auf dem Speiseplan. Die Winternahrung befindet sich damit hoch in den Bäumen und ist für den Biber unerreichbar, weil er nicht klettern kann. «Die Lösung für das Problem ist simpel», erläutert Josef Fischer. «Wenn das Tier nicht zur Nahrung gehen kann, kommt die Nahrung halt zum Tier.» Deshalb nagen Biber Bäume an, die danach durch ihre eigene Schwerkraft oder den Wind fallen.

Was für den Baum dramatisch scheint, ist in Wirklichkeit halb so schlimm. Im Reusstal ernährt sich der Biber zu rund 90 Prozent ausschliesslich von Weiden. Das sind Pionierbäume, welche sehr schnell ausschlagen und einen Biberverbiss gut ertragen. Die Äste werden aber nicht nur als Nahrung genutzt, sondern auch für den Biberbau.

Die typischen Dämme haben die Biber bisher nur in einem Seitenarm der Reuss in Fischbach-Göslikon gebaut. Im Hauptarm ist die Strömung zu stark, um von einem Wehr aus Holz gebrochen zu werden.

Bisher keine Probleme mit dem Biber

Konflikte mit dem Biber gibt es gemäss Josef Fischer im unteren Reusstal bisher nicht. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn die Bestände der Nager grösser werden. Vorerst breitet sich der Biber im Freiamt jedoch weiter in Richtung Luzern aus. Er profitiert dabei von den Uferrenaturierungen in Aristau und Merenschwand, der Reussaufweitung in Hünenberg und wohl bald auch vom geplanten Auengebiet in Reussegg bei Sins. Künftig dürften auch in diesen Gebieten im Winter vom Biber angenagte Bäume zu entdecken sein. (rw)

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