Marie Zgraggen hätte Freude
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 15.04.2008, über das Wiederaufbauprojekt «Zgraggenhaus»
Marie Zgraggen hätte Freude
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 15.04.2008, über das Wiederaufbauprojekt «Zgraggenhaus»
© Bremgarter Bezirks-Anzeiger; Ausgabe 30 (15.04.2008)
Marie Zgraggen hätte Freude
Eggenwil: Das Wiederaufbauprojekt «Zgraggenhaus» mit Überbauung des anschliessenden Areals erfährt Korrekturen
Lis Glavas
Sechs statt vier Wohnungen im neuen «Zgraggenhaus», Balkone an dessen Südseite und fünf oberirdische Parkplätze sind Inhalte des zweiten Baugesuches. Es bleibt eine optische Erinnerung an das von der bekannten Marie Zgraggen bewohnte Haus.
Das abgerissene «Zgraggenhaus» stand unter Volumenschutz. Wenn nun sechs statt vier Wohnungen gebaut werden, heisst das entsprechend dass die Wohnungen anders konzipiert werden, da die Kubatur nicht erweitert werden darf. Geplant sind neu vier Dreieinhalb- und zwei Fünfeinhalbzimmer-Wohnungen. Die Bauherrschaft Anton Steiner AG wird die Wohnungen wie die acht Einfamilienhäuser als Eigentum verkaufen.
Die zwei zusätzlichen Wohnungen erhöhen den Bedarf an Parkplätzen. Dieser kann an der Trottengasse mit fünf oberirdischen Plätzen erfüllt werden. Alle anderen Parkplätze für das Mehrfamilienhaus und die Einfamilienhäuser liegen in der Unterflurgarage. Das noch bis 24. April in der Gemeindeverwaltung auf liegende Baugesuch beinhaltet auch Balkone an der Südseite des «Zgraggenhauses». Statt der zweiteiligen Stütz- und Lärmschutzvorrichtung soll nun nur eine Mauer erstellt werden. Sie wird an eine zur Strasse hin abfallende Böschung anschliessen, welche den ab Strassenniveau 2,6 Meter hohen Lärmschutz optisch verkürzen wird.
Erinnerung an Eggenwils Wohltäterin
Ohne Volumenschutz würde zukünftig nichts mehr an den rund 200-jährigen Zeugen alter Baukunst und seine dominante Positionierung erinnern. Schräg gestellt wie der abgerissene Bau, darf der Neubau minim ins Trottoir hinausragen. Aus freien Stücken erhält die Bauherrschaft zudem den alten Sodbrunnen an der Nordseite des neuen Gebäudes.
So erinnert doch noch etwas an das auch «Haus der Marie Zgraggen» genannte Bauwerk. Die bekannte und angesehene Persönlichkeit lebte von 1899 bis 1985. Sie verhalf Frauen im Dorf zu einem kleinen Nebenverdienst, indem sie mit ihnen Jasskreidestifte bearbeitete, verpackte und mit einem Pferdefuhrwerk nach Dietikon transportieren liess.
Über ihren Tod hinaus erwies sich Marie Zgraggen als Wohltäterin für die Gemeinde, vererbte sie dieser doch 150'000 Franken und weitere 10'000 Franken für Kirche und Friedhof.
Der dem Haus vorgelagerte Garten war bis zu ihrem Tod eine viel beachtete Augenweide. Mit der liebevollen Pflege des Gartens knüpfte Marie Zgraggen an die frühere Tradition an. Laut kommunalem Landschaftsinventar hiess das Zgraggenhaus früher «Haus zum Obstgarten». Zeitweise soll darin eine Pension für Feriengäste geführt worden sein. Marie Zgraggens Erben verkauften die Liegenschaft 1987 an den Bauunternehmer Kurt Trottmann. 1989 wollte er die Liegenschaft mit Wohnhaus und Scheune abreissen, was ihm jedoch vom damaligen Gemeinderat verweigert wurde. Dieser begründete seinen Entscheid mit der lokalhistorischen Bedeutung, der dominanten Erscheinung und der damals noch besseren Bausubstanz. Im unbewohnten Zustand schritt der Verlotterungsprozess voran. 2006 wurde die Abbruchbewilligung erteilt.