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Mutschellen an Zürcher Autobahn

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 19.04.2008, über die Einweihung des Tunnels Lieli als Herzstück der neuen Strassen zur A20/A4

Mutschellen an Zürcher Autobahn

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 19.04.2008, über die Einweihung des Tunnels Lieli als Herzstück der neuen Strassen zur A20/A4

© Aargauer Zeitung / MLZ; 19.04.2008; Seite 29

Aargau

Mutschellen an Zürcher Autobahn

Tunnel Lieli Fröhliche Einweihung des wichtigsten Bauwerks zur Zürcher Westumfahrung

Der knapp 800 Meter lange Tunnel Lieli ist das Herzstück der neuen Strassen zur A20/A4. «Ein Meilenstein des Verkehrskonzeptes ist erreicht», sagt Landammann Peter C. Beyeler. Eine fröhliche Einweihung mit Musik, Oldtimer und Kindergesang prägte die Stimmung.

Hans Lüthi

Präzis vier Monate nach dem ersten Streich, der Eröffnung der neuen Sädelstrasse von Zufikon bis vor das Tunnelportal, folgte gestern der zweite. Die kurz zuvor noch warme Frühlingssonne wollte nicht zuschauen, aber die 200 offiziellen Gäste strahlten auch so um die Wette. Allen voran die beiden Festmoderatoren Sara (macht’s) Bachmann und ihr Kollege David Kaufmann von Tele M1. Hochzufrieden mitten im Publikum auch Ex-Baudirektor und alt Ständerat Thomas Pfisterer. Denn er war es, der dem Bundesamt für Strassen «Beine gemacht» hatte.

Neuer Korridor zur Autobahn

Guten Gewissens klopfen sich die Aargauer Verkehrsplaner jetzt auf die Schulter. Gerade noch rechtzeitig vor Eröffnung des Üetlibergtunnels im Mai 2009 kriegten sie die Kurve. Denn danach werden die Verkehrsströme aus dem Reusstal und vom Mutschellen her massiv anschwellen. Für die Spitzenzeiten haben die Planer eine Zunahme um 70 Prozent berechnet. Schon die Eröffnung der Umfahrung Birmensdorf ZH hat 30 Prozent Mehrverkehr gebracht - und die Prognosen bestätigen. «Die Gemeinden am Mutschellen sind jetzt ans Nationalstrassennetz angebunden», freut sich Landammann und Baudirektor Peter C. Beyeler und unterstreicht die positiven Aspekte solcher Strassen.

Verbesserung der Lebensqualität

20 Jahre hat es auch hier gedauert, um die Folgemassnahmen zur Zürcher A20/A4 in Beton zu giessen. Doch nun können die Dörfer vom Durchgangsverkehr befreit werden, mit dem 793 Meter langen Tunnel kommt jetzt das Herzstück. Das Bauwerk liegt ganz in Beyelers Philosophie für mehr Lebensqualität in den Wohngebieten, gemäss der politischen Strategie von Mobilität Aargau. Die Abstimmung von Siedlung und Verkehr als zentraler Punkt heutiger und künftiger Politik - bei gleichzeitig sparsamer Nutzung des Bodens. Was jetzt noch folgt, ist die auf zwei Kilometer Länge auszubauende Kantonsstrasse durch Berikon. Weil der Bau unter ständigem Verkehr in Abschnitten ausgeführt wird, sieht der Zeitplan zweieinhalb Jahre vor.

Verteuerung durch Bergdruck

Die so frühe Eröffnung ist ein starkes Meisterstück aller Beteiligten, denn die Geologie hat selbst bei diesem Tunnel den Bauherren übel mitgespielt: Massiver Bergdruck drohte - ausgerechnet über die Weihnachtstage 2005 - den Tunnel zu vernichten. Mit zusätzlichen Felsankern konnten die Fachleute das verhindern. Geblieben sind 7 Millionen Franken Zusatzkosten, inklusiv Teuerung steigt der Preis auf 121 Millionen Franken - zu vergleichen mit den ursprünglich 103 Millionen Franken. Inbegriffen sind die knapp 10 Millionen Franken für den Ausbau in Berikon. Natürlich sind die 84 Prozent des Bundes auch Steuergelder, aber sie schmerzen weniger als die 16 Prozent aus der eigenen Staatskasse.

Auch für Velos und Wildtiere

Für eine umwelt- und menschengerechte Bauerei modernen Zuschnitts ist der Fokus weiter ausgerichtet als nur auf die Autofahrer. Die Attraktivität beschränkt sich nicht allein auf Vorteile für die Motorisierten, «wir haben auch an den Langsamverkehr gedacht», betont Landammann Beyeler ausdrücklich. Um im gleichen Atemzug die Unterführungen für Velofahrerinnen und Velofahrer, die Durchlässe für Kleintiere und die regionalen Wildtierkorridore zu nennen. Plus die Renaturierungen am Gürschbach, am Rummelbach und am Dungelenbach. Denn die geöffneten Bäche schaffen neue Lebensräume für Amphibien.

Festfreude in Oberwil-Lieli

Das Licht am Ende des höchstgelegenen Aargauer Tunnels ist der Bevölkerung ein dreitägiges Fest wert: «Oberwil-Lieli feiert nicht viele Feste, aber wenn schon, dann richtig», verspricht Gemeindeammann und SVP-Grossrat Andreas Glarner. Bezeichnend auch die Tatsache, dass er «den Superjob von Baudirektor Peter C. Beyeler» in den höchsten Tönen lobt. Denn: Politisch haben die beiden das Heu oft nicht auf der gleichen Bühne, auch wenn es um Strassen geht. Für Astra-Direktor Rudolf Dieterle sind seine Strassen «das Rückgrat der Mobilität, für Arbeit, Freizeit und soziale Kontakte».

Mit dem Öffnen des Riesenvorhangs über dem Westportal rollte ein Ford T mit Jahrgang 1913 im Schritttempo zum Publikum. Der grosse Kinderchor mit Barbara Küng sang sich mit «Det obe am Bärgli, det stoht es Tunnel» in die Herzen der Zuhörer. Zur Überraschung aller trat im Festzelt plötzlich ein Bundesrat vors Mikrofon: Moritz Leuenberger, von Fabian Unteregger mit Mimik und Witz zur Freude der Festgäste treffend parodiert. Heute stehen Sport und Spiel mit Conny Kissling und Urs Lehmann im Zentrum, morgen fahren 100 Oldtimer vor.

Update

Tunnel Lieli Der 793 Meter lange Tunnel ist in der freigehaltenen Schneise eines Einfamilienhausgebiets entstanden. 170 000 Kubikmeter Aushub waren dafür nötig. Neue Häuser können bis zwei Meter an die Tunnelwand gebaut und die Gärten über der Strasse angelegt werden. Der Tunnel wird am 25. April eröffnet. (Lü.)

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