Die Hüterin alter Gemüsesorten
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 03.05.2008, über Annafried Widmer-Kessler, die Hüterin alter Kulturpflanzen
Die Hüterin alter Gemüsesorten
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 03.05.2008, über Annafried Widmer-Kessler, die Hüterin alter Kulturpflanzen
© AZ-Tabloid / MLZ; 03.05.2008; Seite 5
Wohlen
Die Hüterin alter Gemüsesorten
Eggenwil Annafried Widmer-Kessler engagiert sich dafür, dass die Artenvielfalt nicht untergeht.
Roger Wetli
Guter Heinrich, Zuckerwurzel und Erdbeerspinat sind keine Fantasienamen, sondern Bezeichnungen für alte Kulturpflanzen, welche die Eggenwilerin Annafried Widmer-Kessler an diesem Wochenende am Setzlingsmarkt der Pro Specie Rara im Schloss Wildegg feilbietet.
Die Gartenplanerin ist schon seit bald 20 Jahren bei Pro Specie Rara und seit dem ersten Setzlingsmarkt dabei. Ihre Produkte reichen von etwa 25 verschiedenen Bohnensorten-Raritäten über Stachys, essbare Gartenblumen bis hin zu mehreren spinatartigen Sorten. Die meisten verkauft sie sowohl als Saatgut, wie auch als Setzlinge.
Anbau an drei Orten
Die Pflanzen baut Annafried Widmer-Kessler selber an drei Orten an. In ihrem eigenen Hausgarten in Eggenwil zieht sie Sorten, welche vom Aussterben bedroht sind. «Dadurch kann ich schnell schützend eingreifen, falls es einer Pflanze schlecht geht.» Unproblematischere Arten gedeihen in einem grossen Garten des Ehepaars Meier in Unterlunkhofen. Hier mutierte aus einer Bohnenpflanze spontan eine neue Sorte, welche Widmer-Kessler dem Gartenbesitzer zu Ehren «Bohne Max Meier» getauft hat. Annafried Widmer-Kessler experimentiert aber auch gerne. So hat sie für Höhenexperimente einen weiteren Garten um ihr Ferienhaus im Prättigau auf 1400 m ü. M.
Ihr ganzes Engagement wird von drei hierarchisch abgestuften Grundsätzen geleitet. Der erste ist der Erhaltungsaspekt. Alte Sorten sollen nicht verschwinden, die Artenvielfalt und damit auch die unterschiedlichen Geschmäcker erhalten bleiben. «Allerdings reicht es nicht, diese nur anzubauen. Man muss sie auch nutzen», so ihr zweiter Grundsatz. Darum entwickelt Annafried Widmer-Kessler immer wieder neue Rezepte, welche auf die speziellen Sorten zugeschnitten sind. Schliesslich ist es ihr wichtig, die Leute über die Pflanzen und deren Verwendung zu informieren. «Kaum jemand weiss heute noch, dass die Schosse und Knospen der Haferwurzel oder gekochte Spargelerbsen delikate Gemüse sind.»
Schönes Hobby
Für Gespräche wird Annafried Widmer-Kessler an diesem Wochenende Gelegenheit haben. Und damit auch wirklich genug Zeit für jede Frage bleibt, sind an ihrem Stand gleich vier Personen beschäftigt. «Geld kann man damit nicht verdienen. Die Unkosten werden zwar gedeckt, aber das ganze ist und bleibt ein schönes Hobby.»
Wer sich durch Annafried Widmer-Kessler beraten lassen will oder Setzlinge kaufen möchte, hat dieses Wochenende am Samstag und Sonntag am Pro-Specie-Rara-Setzlingsmarkt auf dem Schloss Wildegg Gelegenheit dazu. Offen ist er jeweils von 9 bis 17 Uhr.