Bald ein Schnellbus nach Zürich?
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 01.12.2007, über das Projekt der BDWM Transport AG für einen Schnellbus nach Zürich
Bald ein Schnellbus nach Zürich?
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 01.12.2007, über das Projekt der BDWM Transport AG für einen Schnellbus nach Zürich
© AZ-Tabloid / MLZ; 01.12.2007; Seite 7
Wohlen
Bald ein Schnellbus nach Zürich?
Projekt BDWM Transport AG will Autopendler von der Strasse weg auf das öffentliche Verkehrsmittel bringen.
Jörg Baumann
Die BDWM Transport AG setzt beim geplanten Schnellbus von Bremgarten nach Zürich Enge Dampf auf. Über den vorgeschlagenen Kostenverteiler wollen die Gemeinden nochmals sprechen.
Severin Rangosch, Direktor der BDMW Transport AG, präsentierte den Gemeindevertretern an der Vorstandssitzung des Regionalplanungsverbandes Mutschellen-Reusstal-Kelleramt zum ersten Mal die harten Zahlen und Fakten zum Schnellbusprojekt. «Die Strasse ist eine Bedrohung für den öffentlichen Verkehr», sagte Rangosch. Den ständig zunehmenden Pendlerströmen aus dem Freiamt nach Zürich auf der Strasse müsse ein Angebot gegenübergestellt werden, das diese nicht mehr negieren können. Der öffentliche Verkehr dürfe es sich nicht leisten, weitere Kunden an den Privatverkehr zu verlieren.
Einführung im Mai 2009?
Die neue Sädelstrasse von Zufikon nach Lieli wird am 17. Dezember 2007 eröffnet. Im Mai 2009 folgt die Eröffnung der Westumfahrung von Zürich. «Der Schnellbus muss deshalb 2009 seinen Versuchsbetrieb aufnehmen können», forderte Rangosch. Der Schnellbus dürfe die für den Schwerverkehr gesperrte Sädelstrasse benützen, erklärte er.
Rangosch operierte mit dem Zeitvorteil, den der Schnellbus gegenüber der BD-Bahn bringt. Ab Bremgarten wird die Reisezeit von 57 auf 32 Minuten verkürzt, ab Berikon-Widen um 13 Minuten. Selbst für Wohlen springe eine Zeitersparnis von sieben Minuten heraus. Aber auch von Niederwil, Fischbach-Göslikon oder Künten/Eggenwil aus sei der Bus zwischen 25 und 19 Minuten schneller als die Bahn oder das herkömmliche Postauto. Haltestellen für den Schnellbus sieht Rangosch beim Bahnhof Bremgarten, im Bibenlos-Sonnenhof, in Zufikon, bei der Post Oberwil, in Lieli (Dorf und Englisächer) und in Zürich-Sihlcity. Endstation wäre Zürich Enge.
Rangosch empfahl den Gemeindevertretern den durchgehenden Halbstundentakt von Montag bis Freitag zwischen 6 und 21.30 Uhr und am Samstag bis 18.30 Uhr. Erst in den Abendstunden, von 18.30 bis 21.30 Uhr, sollte am Samstag auf den Stundentakt gewechselt werden. Der durchgehende Stundentakt wäre zwar billiger zu haben, betonte Rangosch. «Aber der Stundentakt ist im öffentlichen Verkehr kein Angebot, das angenommen wird.»
Gemeinden sollen entscheiden
Severin Rangosch ist optimistisch. Der Schnellbus müsse höchstens zwei Jahre lang im Versuchsbetrieb fahren. Dann sei der Nachweis für die neue Schnellverbindung erbracht. Schon im Versuchsbetrieb könnten 40 Prozent der Betriebskosten durch den Billettverkauf gedeckt werden, glaubt Rangosch. 1,6 Millionen Franken, 75 Prozent der ungedeckten Kosten, müssten im Versuchsbetrieb die Gemeinden Bremgarten, Zufikon, Berikon, Oberwil-Lieli, Fischbach-Göslikon, Widen, Eggenwil, Hermetschwil-Staffeln, Künten und Niederwil tragen. Einen Viertel würde der Kanton übernehmen. Nach der definitiven Einführung würde der Betriebsaufwand proportional auf alle Aargauer Gemeinden aufgeteilt. Dem BDWM-Direktor schwebt vor, dass die Gemeinden in den nächsten Wochen erklären, ob sie beim Projekt mitmachen, und dann die Kredittranchen bis Mitte 2008 an die Gemeindeversammlung bringen. Über den Kostenverteiler, der sich nach der Einwohnerzahl richtet, scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Der Bremgarter Stadtammann Robert Bamert monierte, der für die Stadt berechnete Anteil von 163 000 Franken im Jahr sei für ihn zu hoch.