Aufsteiger, Rotlichter und Spitzenkampf
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 20.12.2007, über die Steuerfüsse 2008 in den Bezirken Bremgarten und Muri
Aufsteiger, Rotlichter und Spitzenkampf
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 20.12.2007, über die Steuerfüsse 2008 in den Bezirken Bremgarten und Muri
© AZ-Tabloid / MLZ; 20.12.2007; Seite 2
Wohlen
Aufsteiger, Rotlichter und Spitzenkampf
Steuerfuss 2008 Die Ersten und die Letzten in den beiden Bezirken Bremgarten und Muri
Zu den Aufsteigern zählen die drei kleinen Gemeinden Geltwil, Benzenschwil und Islisberg, die ihre Steuersätze um 13 bis 15 Prozenpunkte verringerten. Auch die Kleingemeinde Eggenwil gehört dazu. Sie knackte die 100-Prozent-Marke und hat den benachbarten Bezirkshauptort Bremgarten überrundet.
Die Rotlichter am Ende der Steuerfusstabelle im Bezirk Bremgarten sind Uezwil (119 Prozent), Hermetschwil-Staffeln (117), Tägerig (115) und Wohlen (113). Im Bezirk Muri heissen die Träger der roten Laterne Dietwil (123 Prozent), Bettwil (120), Mühlau (119), Bünzen (119) sowie Oberrüti (118), Rottenschwil (118) und Besenbüren (118).
Als Hautgründe für die hintersten Positionen in der Steuertabelle führen Fachleute die betont ländlichen Strukturen sowie die bescheidene Pro-Kopf-Steuerkraft dieser Gemeinden an. Den Gemeinden mit sehr hohen Steuerfüssen Misswirtschaft vorzuwerfen, sei völlig fehl am Platz. Heutzutage werde praktisch überall professionell und sehr sorgsam mit den Steuergeldern umgegangen. Trotzdem habe es die eine oder andere Gemeindebehörde verpasst, die schmalen finanzpolitischen Weichen rechtzeitig - das heisse heute vor vier, fünf Jahren - ein wenig anders zu stellen.
Seit einigen Jahren liefern sich die beiden benachbarten Mutschellengemeinden Berikon und Oberwil-Lieli einen Spitzenkampf um den inoffiziellen Titel «Freiämter Steueroase Nummer 1». Seit dem Jahr 2004 hat Oberwil-Lieli die Nase vorn. 85 Prozent betrug damals der Steuersatz in Oberwil-Lieli, 86 Prozent jener in Berikon. Mittlerweile führt Oberwil-Lieli die Rangliste mit 72 Prozent vor Berikon mit 77 an. (sl)
«Schere hat sich weiter geöffnet»
Hannes Bopp, Präsident der Gemeinde-Steuerfachleute
Nicht sehr überrascht von den vielen Freiämter Steuerfusstauchern zeigt sich Hannes Bopp, der Präsident der Steuerfachleute Aargauer Gemeinden und der Steueramtsvorsteher in Bremgarten: «Die Steuersenkungen sind in erster Linie Ausdruck der guten Wirtschaftslage. Sie belegen auch, dass zahlreiche Freiämter Gemeinden ihren Haushalt fest im Griff haben.»
Zu denken gibt dem Steuerfachmann die grosse Differenz zwischen den steuergünstigsten und den steuerungünstigsten Gemeinden. «Die Schere hat sich weiter geöffnet. Diese Tendenz scheint sich noch zu verstärken.» Unterschiede von 25, 30 oder noch mehr Prozentpunkten würden in der Steuerrechnung eines Durchschnittsverdieners schnell einmal mit mehreren hundert Franken zu Buche schlagen.
«Dass der Steuerwettbewerb unter den Gemeinden spielt, ist grundsätzlich ja positiv.» Aber man dürfe nicht ausser Acht lassen, dass Bewohner von finanzschwachen Gemeinden zum Teil deutlich schlechter wegkämen. (sl)