Vorsicht beim Baden in der Reuss
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 07.08.2007, über die Gefahren beim Baden in der Reuss; Flussregeln der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG)
Vorsicht beim Baden in der Reuss
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 07.08.2007, über die Gefahren beim Baden in der Reuss; Flussregeln der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG)
© AZ-Tabloid / MLZ; 07.08.2007; Seite 3
Wohlen
Das kühle Nass macht nicht nur Spass
Reusstal Im Sommer lockt das schöne und warme Wetter viele Leute zur Abkühlung ins Wasser, beispielsweise in die Reuss. Gefahren lauern dabei an verschiedenen Orten.
Vincenz Brunner
Beim Baden in fliessenden Gewässern wie der Reuss ist eine gesunde Portion Vorsicht angebracht. Gefährlich sei die Reuss im Freiamt aber eigentlich nur beim Wehr, das zur ehemaligen Spinnerei Haas führt, meint Pontonier Leo Baschnagel.
Als Jungfahrleiter und Verantwortlicher für Spezialwettkämpfe der Pontoniere Ottenbach kennt Leo Baschnagel die Reuss von Sins bis Bremgarten. Seiner Ansicht nach ist die Reuss nicht gefährlich, wenn man sich an die allgemeinen Tipps der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft hält. Einzig beim Wehr zur ehemaligen Spinnerei Haas sei Vorsicht geboten. «Das Warnsignal ist dem letzten Hochwasser zum Opfer gefallen», erklärt der Pontonier und Reussschwimmer.
Auch ein kleines Stückchen weiter oben, bei der Brücke zwischen Ottenbach und Merenschwand, sollte man aufpassen, nicht nur mit dem Schlauchboot. Denn hier gibt es eine Kurve vor der Brücke, die Schwimmer und Boote auf die linke Seite zieht. So besteht die Gefahr, auf einen Brückenpfeiler zugetrieben zu werden. Bei Brückenpfeilern besteht generell nicht nur Kollisionsgefahr, sie sind auch ein Ort, wo sich oft Äste und Bäume verfangen. Hier lohnt es sich, vorausschauend zu schwimmen und das Wasser zu beobachten.
Hindernisse nie von oben
Generell sollte man sich Hindernissen in der Reuss nie von oben nähern, sondern von unten, damit man nicht von der Strömung auf das Objekt geschwemmt wird. «Beim Flachsee sind die Gefahren klein, weil hier die Flussgeschwindigkeit abnimmt. Der Brücke von Rottenschwil kann man sich auch von oben nähern, weil hier die Strömung nicht mehr stark ist», führt Leo Baschnagel aus.
Der Flachsee ist sicher auch ein Gebiet, das für schlechte Schwimmer geeignet ist. Leo Baschnagel rät diesen Schwimmern, eine Schwimmhilfe zu benutzen, wenn sie sich in fliessende Gewässer begeben.
«Wer in einem Fluss schwimmt, sollte sich mitziehen lassen, wenn es nicht anders geht, und nicht in Panik geraten, wenn es ein bisschen am Körper zupft», erklärt Leo Baschnagel. Vor Wirbeln brauche man in der Reuss keine Angst zu haben, er habe zwar schon oft von Wirbeln erzählen hören, selber habe er aber in all den Jahren nie welche gesehen.
Vor Wirbeln warnt allerdings Urs Tellenbach, ein passionierter Reussschwimmer. «Bei der Kläranlage Eggenwil sollte man nicht schwimmen, die Wirbel dort sind zu gefährlich», rät er. Auch den Fällbaum und das Honeggerwehr hinunterzuschwimmen, hält er nicht für eine gute Idee. Und wer trotzdem den Fällbaum hinunterschwimmen will, dem sei gesagt, dass er sich in der Mitte halten und links unter der Brücke durchschwimmen soll, weil hier das Wasser ruhiger ist.
Vorsicht beim Brückenspringen
«Brückenspringen ist toll, aber man muss sich vergewissern, wie tief das Wasser ist und dass kein Boot im Weg ist», sagt Leo Baschnagel. Gerade erst kürzlich habe sich in Ottenbach jemand verletzt.
Besonders gefährlich ist die grüne ARA-Brücke in Bremgarten. Weil hier etwa 200 Meter weiter oben Kies in die Reuss geschüttet wird, verändert sich hier das Flussbett laufend und es ist sehr schwierig, die Wassertiefe abzuschätzen. Deshalb verbietet auch ein Schild den Sprung ins kühle Nass.
Gefährliche Menschen
Eine Gefahr, die in der Reuss lauert, wird von den Menschen selber hinaufbeschworen, zum Teil sehr unvernünftigen Menschen. Denn leider kommt es immer wieder vor, dass sich Jugendliche an der Reuss betrinken und ihre Flaschen ins Wasser werfen, wo sie als Scherben zu üblen Schnittwunden führen können. Das Pontonierhaus in Ottenbach ist so ein Ort, wo sich Jugendliche gerne treffen. «Ich musste bereits drei Jungpontoniere zum Arzt fahren, weil sie sich an Scherben verletzt haben», berichtet Leo Baschnagel. Er konstatiert aber auch, dass sich die Zustände gebessert haben.
Hier empfiehlt es sich, Badschuhe zu tragen. Die helfen auch empfindlichen Füssen, die spitzen Steine zu ertragen. Wer weit hinausschwimmt, wo der Fluss tiefer ist, läuft weniger Gefahr, sich die Füsse anzuschlagen.
Sechs Flussregeln der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG)
Auf der Website www.slrg.ch findet man jeweils sechs Regeln zum Thema Baden und Flüsse, bei deren strikter Beachtung die Gefahr von Unfällen verringert wird. In Flüssen und auf Booten gelten dabei folgende Regeln:
1. Schlauchbootfahrer müssen mit einer Rettungsweste ausgerüstet sein.
2. Die auf dem Boot angegebene Nutzlast darf nicht überschritten werden.
3. Boote nicht zusammenbinden - sie sind nicht mehr manövrierfähig.
4. Unbekannte Flussabschnitte müssen vor der Fahrt zuerst erkundet werden.
5. In freie Gewässer (Flüsse, Weiher und Seen) wagen sich nur gute und geübte Schwimmer.
6. Unterkühlung kann zu Muskelkrampf führen. Je kälter das Wasser, um so kürzer der Aufenthalt im Wasser.
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Der Eggenwiler Badestrand mit Picknick-Platz im Naturschutzgebiet Foort (Teil des Auenschutzparkes Aargau und Auengebiet von nationaler Bedeutung) ist für Badende gefahrlos zu geniessen. Natürlich sind auch hier die Tipps der SLRG zu beachten (gk).