Die Rache des Metzgermeisters
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 11.09.2007, über die Dressurtage im Hofor
Die Rache des Metzgermeisters
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 11.09.2007, über die Dressurtage im Hofor
© Aargauer Zeitung / MLZ; 11.09.2007; Seite 31
Sport Aargau
Die Rache des Metzgermeisters
Pferdesport Walter Blattmann gewinnt auf Lee Roy IV den Hauptfinal in Eggenwil
Dressursport vom Feinsten, Organisation vom Besten und zwei Aargauer als Sieger - die Dressurtage auf dem Hofor in Eggenwil waren ein voller Erfolg.
Gina Kern
Aus den Lautsprechern tönen die letzten Takte von «Mission: Impossible». Eine Pirouette auf der Mittellinie. Halt. Das Pferd steht still, sein Reiter strahlt. Dieses Mal war es keine unmögliche Aufgabe: Walter Blattmann hat mit diesem Ritt ein Etappenziel erreicht. Er siegte am Samstagnachmittag mit einem Ritt auf der schwierigsten Stufe zu Musik. Es war einer der Höhepunkte der Dressurtage des Verbandes der Schweizer Concoursreiter (VSCR) auf dem Hofor in Eggenwil. Es war der Sieg inmitten eines Profifeldes. Er, der Metzgermeister aus Küttigen, er, der Mann, der sich nie in die Enge drängen liess, er, der ehrgeizige und witzige Reiter mit seinem Schimmelwallach Lee Roy.
Walter Blattmann bezeichnet sich selber als Perfektionis- ten. «Wenn ich 15 Gramm Salz brauche, dann sind es nicht 16. Wissen sie, ich bin Metzgermeister, da gibt es kein Zwischendurch», sagt er und lacht. Die Dressurreiterei hat den dreifachen Familienvater voll eingenommen. Und eigentlich war es nur eine läppische Aussage eines Reiters aus dem Profilager vor fünf Jahren, die bei Walter Blattmann wie eine Bombe eingeschlagen hatte. «Diese Person sagte nach einer Anfänger-Dressurprüfung zu mir, dass dies, was ich hier geritten habe, nichts mit Dressur zu tun habe.» Der Metzgermeister schwor Rache, das wollte er so nicht auf sich sitzen lassen.
Eigentlich kaufte Blattmann seinen Lee Roy als Springpferd. Nach vielen Siegen in Springen und Military wechselte er in die Dressur. Das Ausnahmepferd Lee Roy, ausgestattet mit drei exzellenten Grundgangarten, war schon als junges Pferd sehr schwierig. «Er ist unbarmherzig, brutal und sehr intelligent», sagt Blattmann über seinen vierbeinigen Freund und gerät dann doch ins Schwärmen: «Ihn zu reiten ist ein Spiel mit den Gefühlen. Ich denke die Lektionen und er führt sie aus.» Mit dem Sieg dieser Kür feiert Blattmann mit Lee Roy IV seinen 40. Sieg. Doch der Weg mitten in die Schweizer Elite war steinig und hart. Dieses Wochenende wird für den Aargauer jedenfalls in guter Erinnerung bleiben und er weiss: «Das Potenzial von Lee Roy ist noch nicht ausgeschöpft. Und ich habe dieser Person bewiesen, dass das, was ich mache, doch etwas mit Dressur zu tun hat.»