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«Das nächste Hochwasser kommt bestimmt»

Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger und Aargauer Zeitung, Ausgaben vom 21.09.2007, über den Hochwasserschutz im Reusstal

«Das nächste Hochwasser kommt bestimmt»

Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger und Aargauer Zeitung, Ausgaben vom 21.09.2007, über den Hochwasserschutz im Reusstal

© Bremgarter Bezirks-Anzeiger; Ausgabe 75 (21.09.2007)

Rückhalten oder Ausleiten?

Hochwasserschutz: Departement Bau, Verkehr und Umwelt stellte Grobkonzepte fürs Reusstal vor

Die Abstände zwischen schadenreichen Hochwassern werden immer kleiner. Die Kantone Aargau und Luzern haben jetzt ein Grobkonzept zum Hochwasserschutz im Reusstal vorgestellt.

fel -- Vor wenigen Tagen ist erstmals in der Geschichte der Menschheit ein Schiff eisfrei vom Pazifik in den Atlantik gefahren. Für Regierungsrat Peter Beyeler ist das ein weiterer eindrücklicher Beleg dafür, dass sich die Erde erwärmt und damit das Klima verändert. Als Folge davon gebe es immer mehr und immer intensivere Niederschlagsereignisse, wie er an einer Informationsveranstaltung im Casino Bremgarten sagte. Nach dem «Jahrhunderthochwasser» vom August 2005 haben die Kantone Aargau und Luzern damit begonnen, ein Konzept für den Hochwasserschutz im Reusstal auszuarbeiten. Jetzt wurden die ersten Analysen vorgestellt.

«Land unter» im Freiamt?

Für die Reuss brauche es eine Strategie über das ganze Einzugsgebiet, wie die Wasserbauer der Kantone Aargau und Luzern mitteilten. Grund: Massnahmen im Entlebuch und am Vierwaldstättersee wirken sich direkt auf den Pegel im Aargau aus. Das vorgestellte Grobkonzept beinhaltet die drei Strategien Rückhalten, Durchleiten oder Ausleiten. Mit einem gezielten Rückhalten müssten zwischen Dietwil und Rottenschwil Stauräume definiert und baulich gesichert werden – mit Kosten zwischen 120 und 170 Millionen Franken. Die Option «Durchleiten» würde kostspielige Dammsanierungen nach sich ziehen. Am billigsten wäre das Szenario «Ausleiten». Bei dieser Strategie würde die Reussebene im Ereignisfall via Dammscharten gezielt geflutet. Die Option «Land unter im Freiamt» weckt grosse Skepsis bei den Landwirten im Oberen Freiamt und im Reusstal.

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© AZ-Tabloid / MLZ; 21.09.2007; Seite 7

Wohlen

«Das nächste Hochwasser kommt bestimmt»

Bremgarten Erste Lösungsansätze zum «Hochwassermanagement Reusstal» des Kantons liegen vor.

Fix ist noch nix. Aber die Wasserbaufachleute der Kantone Aargau und Luzern arbeiten mit Hochdruck an einem Konzept, das die Reusstalgemeinden nachhaltig vor Hochwasserschäden schützen soll. 80 Gemeindevertreter liessen sich in Bremgarten ins Bild setzen.

Der benachbarte Kanton Luzern ist recht weit. Erste Teilprojekte und Massnahmen sind eingeleitet, um die Kleine Emme bei Dauerregen geschickt zu zähmen und den Reussabfluss des Vierwaldstättersees besser zu regulieren, wie Ernst Deubelbeiss im Casino Bremgarten ausführte; Deubelbeiss ist Leiter der kantonalen Abteilung Planung Kunstbauten/Wasserbau in Luzern.

An der gut besuchten Informationsveranstaltung wurden zwei Dinge deutlich aufgezeigt: Die Aargauer Reusstalgemeinden sind stark auf einen effizienten Hochwasserschutz im Luzernischen angewiesen. Und die Projektumsetzung im südlichen Nachbarkanton reicht nicht aus. Der Aargau muss flankierend eigene Vorkehrungen treffen, damit in den Reusstalgemeinden fortan keine unkontrollierten Überflutungen passieren. «Denn die nächsten Hochwasser» - da herrschte Einmütigkeit im Casino - «kommen ganz bestimmt.»

Drei Varianten im Gespräch

Bei Hochwasser soll die Reuss bei Mühlau maximal 850 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führen, allenfalls 950 Kubik, sagte Markus Zumsteg, der Leiter der aargauischen Wasserbausektion (siehe auch AZ vom 20. September). Im Reusstal seien drei Hochwasserschutz-Varianten denkbar: zurückhalten, durchleiten oder ausleiten.

Um das Hochwasser zurückzuhalten, bräuchte es zwischen Dietwil und Rottenschwil baulich gesicherte Mulden, Überflutungsgebiete, die es auf ein Entlastungsvolumen von 27 Millionen Kubikmeter Wasser brächten. Sehr aufwändig wäre die Realisierung der Variante «durchleiten». Sie umfasst die Sanierung/Erneuerung der 40 Kilometer langen Reussdamm-Strecke, dazu bauliche Anpassungen und Erneuerungen bei 26 Brücken sowie Umbauarbeiten bei den Wasserkraftwerken. Die Variante «ausleiten» via Dammscharten in die Reussebene ohne Rückhalteräume und Rückführung wäre die simpelste, heikelste und billigste. Sie würde laut Markus Zumsteg 35 bis 43 Millionen Franken kosten. Auf 120 bis 170 Millionen käme das Rückhalte-Konzept zu stehen, die Durchleitungs-Lösung käme gar auf 150 bis 215 Millionen.

Schwemmholz, Kies, Zeltplatz

Animiert verlief die Diskussionsrunde. Bremgartens Stadtammann Robert Bamert regte an, das leidige Hochwasser-Schwemmholz nicht erst beim Wehr in Bremgarten-Zufikon herauszufischen, sondern zuvor im Geisshofgebiet mittels einer mobilen Anlage. Die kantonalen Wasserbaufachleute wollen diesen Vorschlag prüfen. Rottenschwils Gemeindeammann Romuald Brem verlangte, dass der Kanton ständig Kies aus der zu hohen Flusssohle bei Rottenschwil entnimmt. Markus Zumsteg stimmte Brem zu: «Es braucht in der Tat eine permanente Kiesbewirtschaftung der Reuss, aber wir brauchen eben auch ein umfassendes und funktionierendes Hochwasserschutzmodell.» Eine zügig umgesetzte lokale Massnahme drängt sich beim Zeltplatz Ottenbach auf. Ein Vertreter der dortigen Gemeindebehörde merkte an, der Platz werde bereits überflutet, wenn die Reuss bloss 650 Kubikmeter Wasser pro Sekunde und noch keine 850 führe.

Meinung der Gemeinden ist gefragt

Bis in einem Jahr wollen die kantonalen Wasserbaufachstellen die Grundlagen des Hochwasserschutzes im Aargau zusammengestellt haben. Ein Gesamtkonzept und eine Gefahrenkarte für den Aargau sollen resultieren, ehe Massnahmen/Projekte umgesetzt werden. In den nächsten Wochen sind die Meinungen der Reusstalgemeinden gefragt. Der Kanton will in einer Vernehmlassungsrunde erfahren, wie die drei Varianten «zurückhalten», «durchleiten», «ausleiten» beurteilt werden. (sl)

  

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