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Studie offenbart saftige Überraschungen

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 02.11.2006, über den Vergleich der finanziellen Wohnattraktivität in 19 Freiämter Gemeinden; Studie CS Economic Research vom Juni 2006 mit Factsheet zur Gemeinde Eggenwil zum Download

Studie offenbart saftige Überraschungen

Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 02.11.2006, über den Vergleich der finanziellen Wohnattraktivität in 19 Freiämter Gemeinden; Studie CS Economic Research vom Juni 2006 mit Factsheet zur Gemeinde Eggenwil zum Download

© Mittelland Zeitung; 02.11.2006

Tabloid Wohlen

Studie offenbart saftige Überraschungen

Freiamt In Villmergen, Bünzen oder Wohlen lebt es sich finanziell vorteilhafter als in Oberwil-Lieli, Oberlunkhofen oder Widen.

Lukas Schumacher

Ein tiefer Steuerfuss ist kein Garant für günstige Lebenshaltungskosten. Viel stärker zu Buche schlagen die jeweiligen Wohnkosten und Landpreise. Eine breit angelegte Studie vergleicht Gemeinden anhand der frei verfügbaren Einkommen ihrer Bewohnerinnen und Bewohnern.

Vergleiche hinken immer, sagt der Volksmund, die einen hinken mehr, die anderen weniger. So sind denn auch die gemeindevergleichenden Ergebnisse der umfangreichen Credit Suisse-Studie «Was den Haushalten unter dem Strich bleibt» mit einer Portion Vorsicht zu deuten. Trotzdem vermitteln die Resultate der Untersuchung spannende Aussagen und Erkenntnisse. Widerlegt wird die gängige Annahme, ein tiefer Steuerfuss bewirke zwangsläufig mehr Geld im Portemonnaie. Was man/frau jährlich jeweils ausgeben oder auf die hohe Kante legen kann, hängt von vielerlei Faktoren ab. In erster Linie selbstredend von der Höhe des Einkommens, aber auch von den Fixkosten mit den Wohnkosten als Hauptausgabeposten sowie von den Abgaben, den Steuern, Krankenkassenprämien und Beiträgen für die berufliche Vorsorge oder die Sozialversicherung.

Spitzenposition für Villmergen

Ein Vergleich der Studienresultate unter 19 Gemeinden im Freiamt trägt Villmergen die Spitzenposition ein. In der Gemeinde Villmergen also, deren RDI-Indikator 0,58 beträgt (siehe Grafik rechts), bleibt einem das grösste verfügbare Einkommen der 19 Freiämter Gemeinden. Knapp hinter Villmergen auf den Ehrenplätzen liegen Bünzen und Besenbüren mit Indikatoren von 0,56 und 0,51. Überraschenderweise Rang 4 belegt Wohlen. Die weitaus grösste Freiämter Gemeinde weist einen RDI-Wert von 0,38 auf. Ebenfalls sehr gute Inidkatoren werden für Tägerig (0,28), Waltenschwil (0,27) und Unterlunkhofen (0,25) angeführt.

Zur erweiterten Spitzengruppe zählen auch die Kleingemeinde Eggenwil (RDI-Indikator: 0,21), Zufikon (0,20), Fischbach-Göslikon (0,18), Bremgarten (0,17) und Niederwil (0,13).

Nur auf Platz 13 steht Berikon als erste der steuergünstigen Mutschellengemeinde mit einem Indikator von 0,12. Einen Rang dahinter figuriert die Beriker Nachbargemeinde Rudolfstetten-Friedlisberg, deren Indikator 0,07 beträgt.

Oberwil-Lieli weit hinten

Leicht unter dem landesweiten Durchschnittswert von 0 finden sich auf den Rängen 15 und 16 die benachbarten Reusstalgemeinden Hermetschwil-Staffeln (RDI-Indikator von -0,02) und Rottenschwil (-0,11). Die mit einem traumhaften Steuerfuss von 77 Prozent gesegnete Gemeinde Oberwil-Lieli befindet sich lediglich auf Rang 17. Oberwil-Lielis Indikator beläuft sich auf bescheidene -0,25; der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass die Studie auf Daten- und Zahlenmaterial aus dem Jahr 2005 basiert, als der Steuersatz in Oberwil-Lieli bei 80 Prozent lag. Laut Experten indes führt der mittlerweile vorgenommende Rutsch des Steuerfusses zu keiner markanten Verbesserung im Freiämter Ranking; der RDI-Indikator für Oberwil-Lieli sei nach wie vor negativ.

Rote Laterne für Widen

Nur der 18. und vorletzte Platz resultiert für die Kellerämter Gemeinde Oberlunkhofen. Sie hat prächtige, nicht eben billige Wohnlagen und einen bescheidenen Steuerfuss von 85 Prozent zu bieten. Oberlunkhofens RDI-Indikator liegt bloss bei -0,28. Auch hier muss angemerkt werden, dass der Steuerfuss bei der Datenerhebung der Studie höher lag, bei 92 Prozent. Der gleiche Fakt gilt für die regionale Trägerin der roten Laterne, die Gemeinde Widen. Auch sie kann mildernde Umstände in Form eines nachträglichen Steuerfusstauchers von 6 Prozent geltend machen. Dies freilich verbessert Widens schwachen RDI-Indikator von -0,43 nur unwesentlich.

Familienort Besenbüren
RDI-Studie Wer wo besser oder schlechter fährt

Die RDI-Studie der Grossbank CS sagt aus, dass Personen mit einem guten Einkommen je nach Wohnort finanziell besser oder eben schlechter wegkommen. In Waltenschwil zum Beispiel bringt es der Familienhaushalt der Studie (zwei Kinder, Einfamilienhäuschen) auf ein frei verfügbares Einkommen von 72 400 Franken jährlich. Wäre diese Familie in Widen oder Oberlunkhofen wohnhaft, stünden ihr nur rund 63 000 Franken zur freien Verfügung, also gut 9000 Franken weniger. Eine happige Differenz, zumal Familien in der Regel exakt budgetieren müssen. Finanziell am besten im Freiamt würde die Familie in Besenbüren fahren, wo ihr gemäss Studie 75 000 Franken übrig bleiben.

Ob die finanzielle Wohnattraktivität der idyllischen Landgemeinde Besenbüren die zwar dorftaugliche, aber nicht eben üppige Infrastruktur aufwiegt, ist eine andere Frage. Immerhin könnte die Gemeinde Besenbüren mit dem Slogan werben: «Bei uns leben Familien nicht auf dem letzten Zacken». Es wäre freilich überrissen, wenn man Besenbüren generell als günstigste Freiämter Familiengemeinde bezeichnen würde. In der Tendenz ist diese Aussage zwar nicht ganz von der Hand zu weisen, aber sie ist nur belegt für jene vierköpfige Familie mit gutem Einkommen, die im eigenen Häuschen wohnt.

Der in der Studie aufgeführte gut situierte Rentner, der in einer Mietwohnung lebt, kommt in Tägerig am besten weg, während das in einem komfortablen Einfamilienhaus wohnende kinderlose Ehepaar in Besenbüren finanziell am besten fährt. Der junge Single schliesslich schneidet in Hermetschwil-Staffeln am vorteilhaftesten ab. Villmergen, der Gesamtsieger des Freiämter Vergleichs, ist in keiner der vier Haushaltsgattungen absolute Spitze, aber überall vorne dabei.

Der RDI-Indikator als Massstab
Vier Haushalttypen im schweizweiten Vergleich

Die Studie fusst auf jeweils vier Referenzhaushalten - Single, kinderloses Ehepaar, Rentner, Familie mit zwei Kindern - in den 2900 Wohngemeinden der Schweiz; anzumerken ist, dass alle Haushalttypen über ein gutes Einkommen verfügen. Die Studie berechnet das frei verfügbare Einkommen der vier Haushalte nach Abzug von Zwangsabgaben und Fixkosten. Es resultiert der RDI-Indikator; RDI steht für Regional Disposable Income, also fürs frei verfügbare Einkommen. Als schweizerischen Durchschnittswert setzte die Untersuchung einen RDI-Indikator von 0 fest. Das bedeutet, dass alle Gemeinden mit einem positiven Indikator eine finanziell überdurchschnittliche Wohnattraktivität aufwiesen; Zufikon zum Beispiel bringt es auf einen RDI-Indikator von 0,21.

In Gemeinden mit einem negativen RDI-Indikator fällt die finanzielle Wohnatraktivität unterdurchschnittlich aus. So zum Beispiel für Oberwil-Lieli, das einen RDI-Indikator von -0,25 aufweist.

Andere Studie, Andere Resultate

Nicht das frei verfügbare Einkommen von Haushalten, sondern die Wohnqualität der Gemeinden vergleicht eine vom «Tages-Anzeiger» herausgegebene Studie, die auf Daten der Zürcher Kantonalbank basiert. Kriterien dieser Studie sind die Nähe zu den Zentren Zürich/Baden, die Fern-/Bergsicht, die Steuerbelastung, die Einkaufsmöglichkeiten, die vorteilhaften Wohnlagen, die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Grünflächen oder die Erreichbarkeit der Schulen. Die besten Gesamtnoten im Bezirk Bremgarten erreichen die vier Mutschellengemeinden Berikon, Widen, Arni und Oberwil-Lieli - und somit just jene Gemeinden, die in der RDI-Studie schlecht abschneiden. Villmergen, der Freiämter Gesamtsieger der RDI-Untersuchung, belegt bloss einen hinteren Ranglistenplatz. Im Bezirk Muri schwingen bezüglich Wohnqualität Waltenschwil, Rottenschwil, Merenschwand und der Bezirkshauptort Muri obenaus. (sl)

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Nachstehend kann die im Juni 2006 veröffentlichte Studie der Credit Suisse Economic Research, Zürich: "Swiss Issues Regionen - Was den Haushalten unter dem Strich bleibt: Das verfügbare Einkommen in der Schweiz", das Factsheet der Studie zur Gemeinde Eggenwil sowie das Diagramm der Steuerfussentwicklung in der Gemeinde Eggenwil seit 1985 als PDF-Dokumente heruntergeladen werden. (gk)

  

Frei verfügbares Einkommen

Studie Credit Suisse Economic Research vom Juni 2006

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