Hermetschwil-Staffeln und Eggenwil - zwei Gemeinden, zwei Wege
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 25.01.2007, über die mögliche Fusion von Hermetschwil-Staffeln und der Stadt Bremgarten
Hermetschwil-Staffeln und Eggenwil - zwei Gemeinden, zwei Wege
Artikel Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 25.01.2007, über die mögliche Fusion von Hermetschwil-Staffeln und der Stadt Bremgarten
© Mittelland Zeitung; 25.01.2007
Tabloid Wohlen
Reusstaldorf sucht Anschluss im Reussstädtchen
Hermetschwil-Staffeln Die «Kommission Zukunft» empfiehlt den Dorfbewohnern einen Zusammenschluss mit dem benachbarten Bezirkshauptort Bremgarten.
Lukas Schumacher
Kommt es in fünf Jahren zu einer Heirat des 1060 Einwohner zählenden Dorfs Hermetschwil-Staffeln mit dem 6100 Bewohner aufweisenden Städtchen Bremgarten? In Hermetschwil-Staffeln ist ein erster Annäherungsschritt erfolgt.
Nach einer knapp zweistündigen Informations- und Diskussionsrunde im Gemeindesaal Staffeln ging eine unverbindliche Konsultativabstimmung vonstatten. Ergebnis: 70 Dorfbewohner sprachen sich für die von der «Kommission Zukunft» vorgeschlagenen Fusionsbestrebungen mit Bremgarten aus. Die 20 weiteren Dorfbewohner enthielten sich in der Konsultativbefragung der Stimme.
Das überraschend deutlich ausgefallene Resultat der Befragung nahm die «Kommission Zukunft» mit Genugtuung zur Kenntnis. Sie wollte am Informationsabend im Gemeindesaal erkunden, ob ihr Vorschlag «Fusion mit Bremgarten anstreben» mehrheitlich unterstützt oder abgelehnt wird. «Offensichtlich sind wir auf dem richtigen Kurs», merkte Gemeindeammann Roger Heiss an. Sehr vieles sei verständlicherweise noch offen, man befinde sich ja erst am Anfang eines langen, möglichen Weges.
Entscheidung in drei Jahren
Falls das Fusionsvorhaben prächtig Fahrt aufnimmt, wird die endgültige politische Entscheidung in voraussichtlich drei Jahren an den Gemeindeversammlungen in Hermetschwil-Staffeln und Bremgarten fallen. Laut Walter Mischler vom kantonalen Depertement des Innern dauern die administrativen Verhandlungen und die Entscheidungsprozesse bei Gemeindefusionen rund drei Jahre. Zudem benötige die Umsetzung ein weiteres Jahr bis 1 1/2 Jahre. Demnach könnte der Zusammenschluss des Reusstaldorfs mit dem Reussstädtchen in fünf Jahren erfolgen, anno 2012.
Als nächsten Schritt beantragt die Kommission beim Gemeinderat Hermetschwil-Staffeln einen Projektkredit. Dieses Geld will man für die fachliche Betreuung des beabsichtigten Schulterschlusses einsetzen. Fachleute sollen Vorschläge unterbreiten, wie die Fusion partnerschaftlich umgesetzt werden kann. Voraussichtlich an der Gemeindeversammlung im Juni dieses Jahres wird über diesen Kredit, den der Kanton mitfinanziert, abgestimmt. Bei Zustimmung läuft danach die Projektarbeit an, bei Ablehnung wird die Übung abgebrochen.
«ohnehin gute Zusammenarbeit»
Bleibt die Frage, weshalb die Kommission den Zusammenschluss mit Bremgarten für «die vernünftigste und beste Variante» hält. Ein Alleingang sei ein utopisches Zukunftsmodell, erläuterte Kommissionsleiter Heinz Blatter, weil Hermetschwil-Staffeln kaum steuerkräftige Zuzüger anzulocken vermöge. Dies wegen der ländlichen Lage und der ohnehin happigen Steuerbelastung. Ebenfalls eine unbefriedigende Option sei die Variante «Vertiefte Zusammenarbeit mit einer oder mehreren Gemeinden». Zentrale Lösungen für administrative Arbeiten würden auf Dauer selten zufriedenstellend funktionieren.
«Ein Zusammenschluss mit Bremgarten drängt sich geradezu auf», sagte Blatter. Einerseits kämen Hermetschwil und Bremgarten bestens miteinander klar, was bei Nachbargemeinden nicht immer der Fall sei. Zudem bestehe bei der Feuerwehr, bei der Schuloberstufe, bei der Wasserversorgung und in anderen Bereichen ohnehin eine enge Zusammenarbeit mit Bremgarten. Dass Hermetschwil-Staffeln unter dem Strich schuldenfrei dastehe, sei ein wichtiger Trumpf. Ein zweiter Trumpf, der stechen könnte: Bei einer Fusion gilt der tiefere Bremgarter Steuerfuss (100 Porzent) auch für Hermetschwil-Staffeln (117 Prozent).
Zwei Gemeinden, zwei Wege
Hermetschwil-Staffeln und Eggenwil in Zahlen und Fakten
Die zwei kleineren Bremgarter Nachbargemeinden Eggenwil (760 Einwohner) und Hermetschwil-Staffeln (1070) schlagen unterschiedliche Wege ein.
Eggenwil, in den letzten Jahren finanziell erstarkt, hat sich für die Eigenständigkeit entschieden. Zumindest in den nächsten 15 Jahren soll die Gemeindeautonomie gewahrt bleiben. Eggenwil verstärkte die Gemeindeverwaltung personell und wird das Gemeindehaus in diesem Jahr vergrössern.
Hermetschwil-Staffelns Zukunft sieht anders aus. Durchaus denkbar, dass die Gemeinde in 5 Jahren mit dem Bezirkshauptort Bremgarten fusioniert sein wird. Finanziell geht es Hermetschwil-Staffeln nicht glänzend. Hauptgrund dafür sind die mässigen Steuereinnahmen. In Hermetschwil-Staffeln wohnen weniger Gutverdienende als anderswo. 2005 lag die Steuerkraft in Hermetschwil-Staffeln bei lediglich knapp 1900 Franken je Einwohner. Eggenwil dagegen brachte es 2005 auf eine Pro-Kopf-Steuerkraft von fast 2500 Franken (Kantonsmittel der Aargauer Gemeinden: knapp 2300 Franken).
Zahlen und Fakten: aktueller Steuerfuss: Eggenwil 102 Prozent, Hermetschwil-Staffeln 117 Prozent. Wohnbautätigkeit: in Eggenwil rege, in Hermetschwil-Staffeln mässig.
Die Infrastruktur der beiden Freiämter Gemeinden (Schulräume, Strom-, Wasser-, Abwasserversorgung etc.) gilt als gut.
Zehn Kommissionsangehörige
Seit gut einem Jahr befasst sich die «Kommission Zukunft» unter der Leitung des einstigen Gemeindeammanns Heinz Blatter mit Zukunftsoptionen der Gemeinde Hermetschwil-Staffeln. Auch der heutige Gemeindeammann Roger Heiss gehört der Kommission an. Acht weitere Personen machen in der Arbeitsgruppe mit: Manfred Breitschmid, Roger Heiss, Helen Keller, Anton Laube, Heinrich Müller, Daniel Rupp, Urs Schertenleib, David Streiff und Peter Wachsmuth. Im Gemeindesaal Staffeln stellte die Kommission die Ergebnisse und Erkenntnisse ihrer Abklärungen vor.
Was sagt Bremgartens Behörde?
«Der Stadtrat steht dem Ansinnen der Nachbargemeinde grundsätzlich positiv gegenüber», teilt Bremgartens Stadtammann Robert Bamert mit. Bamert verweist auf die engen Kontakte und die gute Zusammenarbeit mit Hermetschwil-Staffeln. In diesem Sinn werde man die Fusionsanstrengungen des Nachbardorfs positiv begleiten. Klar sei freilich, dass der Ball momentan eindeutig beim Gemeinderat Hermetschwil-Staffeln und der dortigen «Kommission Zukunft» liege.
Vier Bedingungen aus Hermetschwil
Die «Kommission Zukunft» knüpft den möglichen Zusammenschluss mit Bremgarten an vier Bedingungen. Zum einen soll Hermetschwil-Staffeln bessere öffentliche Verkehrsanschlüsse bekommen. Zum Zweiten muss die Unterstufe der Dorfschule (Kindergärtler bis 5. Primar) in Hermetschwil-Staffeln bestehen bleiben. Zum Dritten muss der Unterhalt der Verkehrswege und der Infrastruktur in Hermetschwil gewährleistet sein. Und viertens muss das bestehende Gemeindepersonal in Hermetschwil-Staffeln übernommen werden. (sl)