Es ist noch gar nichts geklärt
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 11.04.2007, über die Festlegung der Oberstufenstandorte im Rahmen der Harmonisierungsstrukturen "Bildungskleeblatt"
Es ist noch gar nichts geklärt
Artikel Bremgarter Bezirks-Anzeiger, Ausgabe vom 11.04.2007, über die Festlegung der Oberstufenstandorte im Rahmen der Harmonisierungsstrukturen "Bildungskleeblatt"
© Bremgarter Bezirks-Anzeiger; Ausgabe vom 11.04.2007
Es ist noch gar nichts geklärt
Ein Oberstufenstandort Niederwil/Stetten hängt vom Entscheid Fischbach-Göslikons und Küntens ab
Lis Glavas/Erika Obrist
Beteiligung am allfälligen Oberstufenstandort Niederwil/Stetten oder doch Zusammenarbeit mit Bremgarten/Zufikon? Mit dieser Frage müssen sich Fischbach-Göslikon und Künten beschäftigen. Klar ist die Sache für Eggenwil und Hermetschwil.
gla/eob -- Die urspüngliche Vorstellung des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) geht von den beiden Oberstufenstandorten Bremgarten-Zufikon und Stetten aus. Laut Protokoll zur ersten Sitzung mit Vertretern der acht Reusstalgemeinden würde Regierungsrat Rainer Huber nun einem Doppelstandort Niederwil/Stetten zustimmen. Dafür sei jedoch das Mitmachen aller vier Gemeinden Niederwil, Fischbach-Göslikon, Künten und Stetten erforderlich. «Die Haltung der Gemeinderäte Fischbach-Göslikon und Künten verunmöglicht jedoch diese Lösung. Somit muss für die zweite Gesprächsrunde die Lösung mit einem einzigen Standort Bremgarten/Zufikon aufgezeigt werden.» Weder Fischbach-Göslikon noch Künten wollten aus verkehrstechnischen Gründen Oberstufenschüler über die Reuss schicken (Künten nicht nach Niederwil und Fischbach-Göslikon nicht nach Stetten), wird im Protokoll festgehalten.
Option Bremgarten offenlassen
Küntens Gemeindeammann Enrico Carfora erklärte auf Nachfrage: «Wir sind offen gegen beide Seiten: für den Doppelstandort Niederwil/Stetten und für Bremgarten. Die vier Gemeindeammänner und die vier Schulpflegepräsidenten treffen sich am 16. April in Niederwil zu einem weiteren Gespräch. Die Schulpflege betrachtet den Schulstandort von der pädagogischen Seite her, die Ammänner richten ihr Augenmerk vor allem auf die Finanzen und die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs. Wenn nur eine der vier Gemeinden ausschert, wird es keinen Doppelstandort Niederwil/Stetten geben.» Mit der Bezirksschule Bremgarten habe man in Künten bereits gute Erfahrungen gemacht, hält Carfora zudem fest.
Rainer Roten, Ammann in Fischbach-Göslikon, erklärte: «Wir sind nicht begeistert von einem möglichen Oberstufenstandort Stetten. Es fehlen der sichere Radweg und die Busverbindung. Wir warten ab und halten uns die Option Bremgarten offen. Wir werden abklären, wie teuer die Lösung Niederwil/Stetten zu stehen kommt und wie viel Bremgarten an Schulgeld verlangt.»
Stettens Gemeindeammann Ernst Huber wies am Telefon lediglich auf das Protokoll des BKS hin. Mehr wolle und könne er derzeit nicht sagen. An der Sitzung mit Rainer Huber hob er den Doppelstandort Stetten/Niederwil als pädagogisch und wirtschaftlich gute Lösung hervor. Als Alternativen bieten sich Stetten die Gemeinden Mellingen und eventuell Niederrohrdorf an. Allerdings weiht Stetten vom 11. bis 13. Mai die Erweiterung seines Schulhauses ein. Wenn es nicht Oberstufenstandort bleiben kann, hat es leeren Schulraum. Der Schulraum genügt jedoch nicht, um allein Standort werden zu können.
«Radwegproblem lösbar»
«Ich freue mich, dass Regierungsrat Rainer Huber einem Doppelstandort Niederwil/Stetten zustimmt», unterstrich Niederwils Gemeindeammann Thomas Peterhans. «Wir werden alle pädagogischen Vor- und Nachteile auf den Tisch legen und diskutieren. Dabei darf man den Wert eines kleinen Oberstufenstandortes nicht unterschätzen: Er ist überschaubar und familiär. Weniger Schüler bedeuten weniger Probleme.» In einem kleinen Schulkreis könnten alle mehr Einfluss nehmen, gibt er zudem zu bedenken. Und: «Bis zum Beginn der neuen Oberstufenregelung sollte der Radweg im Reusstal fertiggestellt sein.»
Klar ist die Situation in Eggenwil: «Bremgarten ist heute und in Zukunft der richtige Standort für unsere Oberstufenschülerinnen und -schüler», zitiert das Protokoll des BKS Gemeinderat Biagio Incollingo. Ausserdem bestehe in Eggenwil rege Bautätigkeit. «Die Schülerzahlen werden steigen.»
Auch in Hermetschwil-Staffeln kann man sich zurücklehnen. «Der Standort Bremgarten ist ideal; umso mehr, da wir bereits einen politischer Zusammenschluss diskutieren. Allerdings muss die Radwegsituation nach Bremgarten verbessert werden», brachte Gemeinderat Peter Ramel am runden Tisch an.
Zweites Gespräch am 16. Mai
«Niederwil und Stetten müssen in der zweiten Gesprächsrunde aufzeigen, welchen Standort sie bevorzugen, wenn der Standort Niederwil/Stetten nicht realisiert wird», fordert das BKS. Die vier Gemeinden Fischbach-Göslikon, Künten, Niederwil und Stetten müssten selbst entscheiden, ob sie sich zu einem zweiten Standort nebst Bremgarten durchringen wollten. «Der Entscheid sollte vor dem zweiten Gespräch allen Beteiligten mitgeteilt werden.»
Bremgarten in «komfortabler Lage»
Bremgarten/Zufikon mit Eggenwil und Hermetschwil?
Am runden Tisch des Regierungsrates wurde Bremgarten von Stadtrat und Schulressortvorsteher Matthias Meyer vertreten. Die komfortable Lage Bremgartens, wie sie im Sitzungsprotokoll bezeichnet wird, besteht erst mal darin, abwarten zu können beziehungsweise zu können.
Für das mögliche Szenario mit Doppelstandort Bremgarten/Zufikon inklusive Eggenwil und Hermetschwil-Staffeln ist Bremgarten offen. Diese Lösung würde dem Fortführen der bisherigen Zusammenarbeit mit den erforderlichen Anpassungen an die neuen Strukturen entsprechen. Schon heute ist der Bezirkshauptort Oberstufenstandort für Hermetschwil-Staffeln und Eggenwil. Mit Zufikon wird nebst der Bezirksschule bereits zusammengearbeitet, indem zwei Realabteilungen Bremgartens in Zufikon geführt werden.
«Rechnungen im leeren Raum»
«Klar ist, dass ein Oberstufenstandort Bremgarten/Zufikon Platz hat für Eggenwil und Hermetschwil-Staffeln. Aber noch nicht klar ist, von welchem Sekundarstufenmodell und von welchen Schülerzahlen wir ausgehen müssen. So stellen wir Rechnungen im leeren Raum an», erklärte Meyer. In Bremgarten sei man offen für den Antrag Zufikons auf Beibehaltung seines Oberstufenstatus, unterstütze ihn momentan aber nicht aktiv. Meyers persönliche Meinung: «Richtig schiene mir, wenn Niederwil mit Wohlen, Stetten mit Mellingen, Fischbach-Göslikon und Künten mit Bremgarten/Zufikon zusammengelegt würden.»
Auf eine Zusammenarbeit mit Bremgarten ist Zufikon angewiesen. Innerhalb der letzten vier Jahre hat die Gemeinde neun Millionen Franken in seine Schulinfrastruktur investiert. Für einen Doppelstandort könne Zufikon genügend Schulraum anbieten, erklärt Gemeinderat und Ressortvorsteher Daniel Juchli. Er unterstreicht die guten bisherigen Erfahrungen mit Bremgarten. --gla